Von einem zum anderen Anger – Golzow und Pernitz zu Fuß

Golzow, Pernitz.  „Was gibt es hier zu sehen?“, auf diese den Einheimischen gestellte Frage wissen diese selten eine Antwort. Häufig heißt es „Nichts“ oder „Nichts besonderes“. Solch eine Antwort erhält man nicht nur in Golzow auch in Borkheide, Borkwalde, Planebruch, Linthe oder Brück wird man so beschieden. Dabei stimmt es nicht. Mit einer kleinen Reihe wollen wir aufzeigen, welch’ schöne Ecken und welche Sehenswürdigkeiten es in den Gemeinden des Amtes Brück zu bewundern gibt. Nach Brück in der ersten Folge sind wir in der zweiten Folge in Golzow unterwegs.

Die Gemeinde Golzow hat über 1370 Einwohner die nicht nur im Kernort Golzow samt Pernitz sondern auch in Königsberg, Hammerdamm, Lucksfleiß, Grüneiche und Müggenburg wohnen. Dabei ist der Lokalpatriotismus weiterhin gut ausgeprägt, wie man bei den Pernitzern merkt, die weiterhin in Pernitz wohnen und denen nie in den Sinn kommen würde zu behaupten, dass sie in Golzow daheim sind.

Am Anger von Golzow

Unseren Spaziergang beginnen wir auf dem Golzower Anger, unterhalb der oktogonalen Kirche. Sie ist neben der Brennerei das Wahrzeichen von Golzow.

Am Anger steht seit der 800jahrfeier im Jahr 2019 ein aus vier Stelen bestehendes Holzdenkmal, das von der Bildhauerin Ines Altenkirch geschaffen worden ist. Links daneben wurde durch die Potsdam-Mittelmärker Landfrauen eine Bücherzelle aufgestellt, die regen Zuspruch hat.

Hier ist auch das Gebäude des ehemaligen Dorfkrugs, später die Gaststätte „Drei Linden“ zu finden. In Golzow heißt es bis heute nach dem langjährigen Besitzer „bei Rügen“, eine Institution. Das Gebäude steht schon einige Jahrzehnte leer, jetzt ist Bewegung gekommen und es werden wohl demnächst Wohnmöglichkeiten für Senioren entstehen. Übrigens hat hier während des 2.Weltkrieges Marika Rökk gewohnt.

Die Kirche thront auf einem Hügel über allem. Der Bau wurde durch den Berliner Baumeister Christian August Naumann in den Jahren 1750-52 im Auftrag der Familie von Rochow errichtet. In der erst vor kurzem restaurierten Gruft befinden sich 28 Särge der Familie von Rochow. Vor der Kirche erinnert ein Findling an das Dorfjubiläum von 2019.

An der alten Brennerei

Alte Brennerei Golzow
Alte Brennerei Golzow

Unseren Spaziergang setzen wir in Richtung Westen fort. Direkt an der Straße erhebt sich das Gebäude der Alten Brennerei. Hier befand sich nach der Sanierung das Golzow Museum sowie eine Gaststätte. Die Gemeinde hatte wenig Glück mit den Restaurant-Pächtern, so dass das Museum geschlossen wurde und das Gebäude veräußert worden ist. Gekauft hat es der Besitzer der Golzower Agrargesellschaft, der dort ebenso eine Wohnung hat wie einer der Geschäftsführer.

Das umzäunte Gelände ist der Festplatz der Golzower, hier findet der Golzow-Tag statt, hier wird der Weihnachtsmarkt zelebriert und der Maibaum aufgestellt. Direkt neben dem Eingang zum Gelände befindet sich das alte Amtshaus. Hier residierte der Landrat des Zaucheschen Kreises, das Gebäude wurde im Jahr 1717 erbaut und wird heute privat bewohnt.

Schräg gegenüber befindet sich auf ein Planeinsel das Schwimmbad Golzow. Der Volksmund nannte die von der 57 Kilometer langen Plane umspülte Eiland „Insel Rügen“. Das Grundstück gehörte dem Gaststättenbesitzer Rügen, deshalb der Name. Das kleine Schwimmbad wird von der gemeinde liebevoll unterhalten und lohnt im Sommer einen Besuch.

Auf der anderen Straßenseite sieht man einige Gärten, die nur über kleine Stege und Brückchen erreichbar sind, ein kleines Venedig.

Bald darauf macht die Straße einen Linksknick.

Bahnhof Golzow

Wer möchte kann der Straße folgen. Linke Seite befindet sich in der ehemaligen Gaststätte „Deutsches Haus“ oder „bei Hausmanns“ ein Wohneinrichtung für psychisch Erkrankte. Ein Stückchen weiter auf der rechten Seite stößt man auf den Bahnhof Golzow. Es ist eines der letzten Hinweise auf die Brandenburgische Städtebahn, die in diesem Teilabschnitt bis zur Jahrtausendwende im Betrieb war und die Städte Brandenburg und Bad Belzig verband. Die Bahnstrecke wurde 1904 erbaut, endgültig 2003 aufgegeben, verkauft und ist inzwischen aus dem Eisenbahnrecht entlassen, die Gleise demontiert. In Golzow begegneten sich die Züge, denn am Bahnhof hatte die sonst eingleisige Strecke zwei Gleise. Ein weiterer Haltepunkt befand sich kurz vor Grüneiche.

Nach Lucksfleiß

Lucksfleiß
Lucksfleiß

Wer geradeaus in Richtung Lucksfleiß marschiert passiert die Siedlung Königsberg und erblickt linker Hand das Gewerbegebiet. Nach etwa zwei Kilometern erreicht man das Vorwerk und die ehemalige Schäferei Hammerdamm, inzwischen liebevoll saniert. Die Gebäude wurden aus den hier vorkommenden Raseneisensteinen errichtet, sowohl das Gutshaus als auch der große und beeindruckende Stall. Dazwischen kann man ein Taubenhaus bewundern.

Der Weg führt weiter nach Lucksfleiß, allerdings sollte man mit dem Fahrrad unterwegs sein, wenn man dorthin will, für unseren Spaziergang ist es zu weit.

Genau an der Ecke stehend sollte man den Kopf gen Himmel strecken. Hier auf dem Baum befindet sich eine regionale Besonderheit, hier hat ein Storchenpaar ein Nest im Baum gebaut und kommt seit Jahren hierher im Frühjahr zurück.

Henningsmühle und das verschwundene Schloss

Hennings Mühle, Golzow
„Hennings Mühle“

Wir sind wieder an der besagten Biegung und gehen nach rechts. Auch hier fällt direkt an der Plane ein Gebäude aus Raseneisenerz auf. Gegenüber befindet sich die Golzower Wassermühle. Leider kann die vollkommen erhaltene Technik nicht besichtig werden, da es ein Betretungsverbot gibt. „Henningsmühle“ ist nach seinem letzten Müller benannt.

Direkt neben der Mühle fällt ein kleiner Teich auf. Hier befand sich auch das Schloss der Familie von Rochow. Es ist Ende des 2.Weltkrieges ausgebrannt und wurde abgerissen. Da wo sich der Gutspark befand ist ein Sportlatz angelegt worden.

Kinderspielplatz und Grundschule

Unser Weg führt uns über eine Sandstraße am Sportplatz vorbei, kurz dahinter befindet sich der gut besuchte Kinderspielplatz von Golzow. In der Ferne erblick man die Grundschule. Hier hat die Gemeinde investiert, das Gebäude verfügt über einen Aufzug und nachdem es lange so aussah als wenn sie gar mangels Schüler geschlossen werden müsste, hat sich die Situation gänzlich verändert, die Schule ist stark nachgefragt und von Schließung ist keine Rede mehr. Daneben im alten Hortgebäude ist das Bürgerhaus entstanden.

Jetzt geht es an der leerstehenden Halle eines ehemaligen Supermarktes vorbei zurück zur Hauptstraße, der Bundesstraße 102, die den Ort durchzieht.

Am Pernitzer Anger

Kirche Pernitz
Kirche Pernitz

Wir gehen links bis zum Pernitzer Anger mit der kleinen Backsteinkriche und einem Gefallenendenkmal. Der Ursprungsbau stammt aus dem Jahr 1699, 1860 wurde die Kirche mit Backsteinen ummantelt. Weiter oben auf dem Berg stand bis in die 50er Jahre eine Bockwindmühle.

Die gegenüber der Kirche abzweigende Straße führt nach Grüneiche und von da weiter nach Krahne und Reckahn. Es ist vor allem für Radfahrer eine empfehlenswerte Ausweichroute, da zwischen Golzow und Rotscherlinde ein Radweg fehlt.

Gasthäuser und Krokodile

Von hier gehen wir zurück zum Golzower Anger. Dabei passieren wir die Gaststätte „Zur Erholung“, das älteste Golzower Gasthaus, gegründet 1907.

Krokodilstation Golzow
Krokodilstation Golzow

Kurz nachdem wir an einem Supermarkt vorbeigegangen sind, lädt die Krokodilstation ein. Hier züchtet Karl-Heinz Voigt die Reptilien, immer einen Besuch wert.

Gegenüber das „Haus des Bauers“, es steht schon lange leer, hier befanden sich lange die Bürgermeisterei und das Standesamt.

Bei „Bürger´s“ kann man nicht nur lecker essen, hier gibt es auch das beste Eis der Region. Das Lokal wurde 1985 gegründet. Zwei Häuser weiter treffen wir auf das „Wohnstuben Restaurant Zickengang“ von Jens und Daniela Beiler, inzwischen eine Institution im Ort. Beiler kochte schon für die brandenburgische Landesregierung und wird für seine experimentelle Küche gelobt.

Bei so viel Essen muss ich auch den Döner-Imbiss erwähnen. Er befindet sich am Abzweig der Landesstraße L85 die unter anderem nach Cammer führt. An der Straße steht auch die Feuerwehrwache der 1928 gegründeten Wehr mit einem weithin sichtbaren Turm.

An der alten Schule und am Pfarrhaus vorbei gelangt man wieder an den Startort. Gute zwei Stunden sind seitdem vergangen. Wie man sehen konnte, gibt es auch in Golzow „was zu sehen“.

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