Vom Bahnhof zu den Türmen – Ein Spaziergang durch die Ackerbürgerstadt Brück

Brück. „Was gibt es hier zu sehen?“, auf diesen den Einheimischen gestellte Frage wissen diese selten eine Antwort. Häufig heißt es „Nichts“ oder „Nichts besonderes“. Solch eine Antwort erhält man nicht nur in Brück auch in Borkheide, Borkwalde, Planebruch, Linthe oder Golzow wird man so beschieden. Dabei stimmt es nicht. Mit einer kleinen Reihe wollen wir aufzeigen welch schöne Ecken und welche Sehenswürdigkeiten es in den Gemeinden des Amtes Brück zu bewundern gibt. Wir beginnen mit der Planestadt Brück.

Brück, die Kernstadt hat rund 3.000 Einwohner, ist gut mit der Bahn erreichbar. Stündlich hält hier der Regionalexpress RE7, der Berlin und Potsdam mit Bad Belzig und Dessau verbindet. Auch die Radfahrer sind häufige Besucher des Städtchens, denn hier verläuft der Europaradweg R1.

Wir beginnen den Spaziergang am Bahnhof Brück. Hier bildet der Schienenstrang eine Grenze. Nördlich der Gleise ist man im Brück, südlich in Rottstock, das im Jahr 1950 eingemeindet worden ist. Die Rottstocker sind Lokalpatrioten geblieben und betonen ihre Herkunft, was in diesem Jahr unter anderem die Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des vor 200 Jahren begonnenen Wiederaufbaus nach einem verheerenden Brand.

Stadtwappen

Deshalb lassen wir Rottstock bis auf eine kleine Ausnahme bei diesem Spaziergang außen vor. Auf der Rottstocker Bahnhofseite befindet sich eine kleine vernachlässigte Grünanlage. Hinter Hecken etwas verborgen steht auf einem Sockel das Wappen der Stadt Brück. Leider ist auch diese Plastik in keinem guten Zustand, einige Mosaiksteinchen sind nicht mehr vorhanden, das Wappen ist verschmutzt aber noch erkennbar, so dass der Besucher immerhin einen Eindruck davon bekommt, wie es aussieht.Die offizielle Beschreibung lautet:

„In Gold auf grünem Boden eine grüne Linde, beseitet von zwei schwebenden und bezinnten roten Türmen mit schwarzen Rundbogenfenstern und silbern-beknauften Spitzdächern, darauf rechts ein zweistreifiges silbern-grünes und links ein rot-silbernes Fähnchen“.

Zurück zum Bahnsteig und durch den Verbindungstunnel auf die andere Seite der Gleise. Der Tunnel wurde von Jugendlichen mit Graffiti gestaltet, damit wollte man den wilden Kritzeleien vorbeugen, die vorher dort dominierten. Die Graffiti zeigen die Sehenswürdigkeiten der Stadt, so dass man sich schon dort auf den Rundgang einstimmen kann.

Im Bahnhofsgebäude, das im Jahr 1876 erbaut worden ist, befindet sich ein kleines Café samt Fahrkartenverkauf und Laden mit Reiseartikeln. „Café am Gleis 1“ lautete der originelle Name der Gaststätte. Das Gebäude gehört wieder der Stadt. Die Bahnlinie wurde erst drei Jahre nach dem Bau des Bahnhofsgebäudes eröffnet, sie führte von Berlin nach Wetzlar.  Der Vorplatz trägt den Namen des ersten Nachwendebürgermeisters Karl-Heinz Borgmann.

Gegenüber dem Bahnhof informieren Vitrinen des Tourismusvereins Zauche-Fläming über die Angebote in der Stadt und im Amt Brück. Wander- und Radwegschilder weisen den Weg. Hier beginnt unter anderem der Spargelwanderweg, der über Borkheide und Borkwalde nach Klaistow führt.

“Stadtmitte” und Bildungscampus

In direkter Nachbarschaft gibt es das Restaurant und Hotel „Stadtmitte“, lecker Essen, lecker Eis und ein wunderschöner Biergarten, mindestens drei Gründe, um dort einzukehren.

Wir passieren das Restaurant und gehen links vorbei in Richtung des ausgewiesenen Mehrgenerationshauses und der bei Jugendlichen beliebten Skater-Bahn. Ein Banner weist darauf hin, dass beides Teil des Bildungscampus Brück ist. Von hier geht es an den Plattenbauten vorbei in Richtung des Campus, der aus der Kita „Planegeister“, der Oberschule, zwei Sporthallen und der Grundschule besteht. Ein Multifunktionsbau, der neben Klassen- und Kitaräumen auch einen Veranstaltungssaal integriert hat, steht kurz vor der Fertigstellung.

An das Schulgelände schließt der Sportplatz an. Hier ist der FSV Brück 1922 der Hausherr. Hinter dem Sportplatz stößt man auf der Europaradweg R1, hier am Pavillon kann man ausruhen. Die hier aufgebauten Spielgeräte sind auch für Senioren geeignet, ein paar mehr als die zwei vorhandenen, könnten es schon sein.

Kleine Plane und Naturbad

Vom Pavillon fällt der Blick auf einen kleinen Teich, hier mündet die Kleine Plane. Dabei handelt es sich um einen im 17. Jahrhundert errichteten Kanal, der im Ortsteil Trebitz beginnt. Zwischen den beiden Endpunkten gibt es nicht nur den Radweg, sondern auch einen Wanderpfad. Der Brücker Ehrenbürger Siegfried Tagnatz hat die Pflege der kleinen Plane und des Wanderweges zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Entlang des Weges findet man Schutzhütten und Erklärungstafeln.

Wir gehen jedoch nicht in Richtung Trebitz, sondern wenden uns nach rechts. Hier befindet sich das Naturbad Brück. Die Klärung des Wassers erfolgt ausschließlich über Teichpflanzen und Filterkies, auf Chemie wird verzichtet. Viele Spielangebote und Kurse laden den ganzen Sommer ein.

Gänsematen

Gegenüber des Badeingangs zweigt die Gartenstraße ab. Hier führt unser weiterer Weg. Die Oberzipser Straße und die Tarnauer Weg tragen die Namen der Partner der Stadt Brück – Spisska Bela und Tarnow Opolski. Das Neubaugebiet trägt den Namen Gänsematen und nach gut 20jährigem Stillstand sind jetzt fast alle Bauparzellen veräußert und es wird fleißig gebaut.

Amtsverwaltung und “Baum der Einheit”

Wir verlassen die Gänsematen über den Siedlungsweg und stehen vor dem Amtsgebäude. Hier residiert die Verwaltung des Amtes. Dahinter befindet sich ein idyllischer kleiner Park, der vor allem während der Obstblüte seinen besonderen Charme versprüht. Vor dem Amt Brück steht seit dem Frühjahr 2018 eine hölzerne Skulptur mit dem Titel Baum der Einheit. Es handelt sich um das Werk des Hobby-Schnitzers Hermann Strübung aus dem Jahr 2016 und stellt ein Symbol der Wiedervereinigung dar. Das Amt gibt auf einer Informationstafel an, dass der Künstler des fünf Meter hohen Werkes, Hermann Strübing, durch den Ausspruch „Es wächst zusammen, was zusammengehört“ inspiriert wurde. Auf den Hauptästen sind der Berliner Funkturm sowie der Berliner Fernsehturm als Symbol für die BRD und DDR zu sehen.

Hier gibt es auch ein kleines Einkaufszentrum.

Gaststätten und Messtürme

Von hier geht es weiter am „Schützenhaus“, Gaststätte, Pension und viel mehr, vorbei bis zur Kreuzung. Das Haus mit dem Zwiebeltürmchen war frühe ebenfalls ein Gasthaus namens „Goldener Stern“, jetzt ist es ein Wohnhaus, das nach und nach saniert wird. Schräg gegenüber befindet sich eine weitere ehemalige Gaststätte, die jedoch inzwischen saniert ist, auch hier wird gewohnt.

Turm-BrueckVon hier lohnt ein Abstecher über die Feld- und Brandenburger Str. zum Antennenmessplatz. Hier betrieb die Telefunken AG einen Messbetrieb. Zwischen 1958 und 1963 entstanden drei bis zu 54 Meter hohen Türme, ausschließlich aus Holz. Dadurch war eine Ausmessung der Antennen möglich.

Turm 1 wurde 1979 bei einem Brand zerstört. Die Türme 2 und 3 stehen unter Denkmalschutz und werden von einem Förderverein betreut.

Auf dem Gelände des ehemaligen Antennenmessplatzes, der bis 2010 von der Telekom betrieben wurde, befindet sich jetzt die „Wooden Tower Ranch“, hier wird das Westernreiten betrieben.

Jetzt zurück, am ehemaligen Hotel „Goldener Stern“ links auf den Feldweg. Hier hat man nicht nur einen guten Einblick auf die Gärten und Hinterhöfe der Häuser der Straße des Friedens, sondern auch eine gute Sicht auf die Türme. In Höhe des Gartens der Gaststätte und Pension Brücker Landgasthof. in dem Garten finden im Sommer Rockkonzerte statt, stößt man auf einer Erläuterungstafel zu den Holztürmen.

Kurz danach erblickt man einen der drei Storchenhorste der Stadt, damit ist Brück die Hauptstadt des Weißstorchs in der Region. Einer der drei Horste befindet sich allerding in Rottstock an der Lindenstraße.

Berliner Tor und Manuka

Am Ende des Weges gelangt man wieder an die Bundesstraße B246. Hier sind noch die Rudimente des Berliner Tores zu sehen. Der Bürgerverein will das Tor wieder aufbauen lassen und verkauft dafür Aktion. Wer eine Aktie ab 100 Euro ersteht, dessen Name wird dann auf einem Stein verewigt. Die Aktien sind unter anderem bei den Stadtverordneten Isabel Pesch-Kolarczyk und Matthias Baitz sowie im Amt bei Nicole Pötner erhältlich.

Es fällt ein geschmackvoll, bunt daherkommendes Gebäude auf, es ist Manuka, ein Kinderheim.

Historische Stadtmitte und Kirche

Jetzt folgen wir der Straße des Friedens in Richtung Stadtmitte. Hier ist der historische Stadtkern. Einige Fachwerkhäuser erfreuen das Auge. Während in Gehrichtung die rechte Seite verkehrsberuhigt ist, fließt links der Verkehr. Dazwischen stehen die Häuser in der so genannten Mittelreihe, eine Angerbebauung. Mittendrin die Lambertus-Kirche. Die spätgotische Saalkirche wurde 1776 errichtet, 1842 kam der Turm hinzu. Die Kirche ist am Tage offen für Besucher. Einige Stelen vor der Kirche, die aus Anlass des Luther-Jubiläums aufgestellt worden sind, weisen auf den Beitrag Brücks bei Reformation hin. Gregor von Brück, sächsische Kanzler, Berater und Unterstützer Luthers und sein Bruder Simon Heins wurden in Brück geboren. In Brück war Michael Stifel fünf Jahre Pfarrer. Stifel ist als Mathematiker bekannt, berühmt wurde er als er den Weltuntergang prophezeite.

Hinter der Kirche befinden sich das Pfarrhaus sowie die alte Brücker Schule. Auf der Anderen Straßenseite steht das Geburtshaus der Brüder Brück/Heins. Ein kleine, vom Bürgerverein angebrachte Tafel erinnert daran.

In der Mittelreihe stößt man ebenso auf ein Gefallenen-Denkmal. In einem der Ackerbürgerhäuser auf der linken Seite leben und arbeiten junge Menschen in einer Art Genossenschaft. Ihr offenes Haus haben sie „Frieda“ genannt.

Die nächste Tafel findet man am Haus Nummer 42, ein wunderbar restauriertes Fachwerksgebäude. Demnach ist es das älteste Haus von Brück, erbaut im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts.

Postmeilensäule und ehemaliges Postamt

An der Kreuzung Str. des Friedens/Ernst-Thälmann-Str. erinnert eine kursächsische Postmeilensäule daran, dass Brück bis 1815 sächsisch war. An der Säule, die ähnlich unter anderem in Niemegk und Bad Belzig zu finden ist, kann man die Entfernungen zu den wichtigsten Orten in Zeitangaben ablesen. Die Zeiten beziehen sich auf das Tempo einer Postkutsche. Sie wurde im Jahr 1730 aufgestellt.

Jetzt geht es links weiter, zurück in Richtung Bahnhof. Empfehlenswert ein kurzer Abstecher in die nach dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt benannte Karl-Friedrich-Str. Kurz vor dem Ärztehaus der zweite Storchenhorst auf einem Schornstein der ehemaligen Bäckerei. Durch den Amtspark wieder zur Hauptstraße. Auf dem Rückweg passieren wir das Gebäude des ehemaligen Brücker Postamtes. Jetzt residiert hier unter dem Namen „Alte Brücker Post“ ein Seminarhaus, man kann dort übernachten, es werden Konzerte und Ausstellungen veranstaltet. Wer möchte kann sich in der Bäckerei Körner bei einem Kaffee ausruhen, dann sind es nur noch wenige Schritte bis zum Bahnhof wo ebenfalls ein Kaffee eingenommen werden kann.

Für den Spaziergang, inklusive Besichtigungen, sollte man 2,5 bis 3 Stunden einplanen.

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