Lehnin. Die Diskussion um die Zukunft der Kita „Knirpsentreff“ bewegt derzeit viele Familien, Mitarbeitende und Menschen im Ort. Im Tagesbetreuungsbedarfsplan des Landkreises Potsdam-Mittelmark wird für den Knirpsentreff eine schrittweise Reduzierung der Plätze bis hin zu einer möglichen Schließung beschrieben. Das ist ernst zu nehmen.
Wichtig ist aber auch: Eine endgültige Entscheidung über die Schließung des Standortes ist nach bisherigem Stand noch nicht getroffen worden.
Genau diese Unterscheidung geht in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit zunehmend verloren. Eltern werden bereits darauf angesprochen, dass „die Kita ja nun wohl zugemacht wird“. Familien, die ihre Kinder angemeldet hatten, werden unsicher. Einige orientieren sich vorsorglich um oder ziehen Anmeldungen zurück.
So entsteht eine gefährliche Eigendynamik: Wenn öffentlich der Eindruck entsteht, ein Standort sei ohnehin verloren, verliert er Vertrauen. Und wenn Familien sich deshalb abwenden, kann genau diese Entwicklung später wieder als Argument gegen die Kita verwendet werden. Das betrifft nicht nur Eltern, sondern auch Kinder, Mitarbeitende und den Ort insgesamt.
Der Tagesbetreuungsbedarfsplan ist ein wichtiges Planungsinstrument. Er zeigt Entwicklungen auf und benennt mögliche Maßnahmen. Er ist aber keine bereits vollzogene Schließungsentscheidung der Gemeinde. Der Knirpsentreff wird eindeutig nicht als „Schließung empfohlen“ geführt, sondern als „begrenzt erforderlich“. Der Standort ist also gefährdet – aber seine Zukunft ist politisch nicht abschließend entschieden.
Natürlich müssen sinkende Kinderzahlen, Sanierungsbedarf und knappe Mittel ernst genommen werden. Aber daraus automatisch die Aufgabe eines gewachsenen Kita-Standortes abzuleiten, greift zu kurz.
Es geht nicht nur um die Anzahl der Plätze in der Gemeinde, sondern auch darum, wo diese Plätze liegen. Eine Kita ist für Familien Teil des Alltags. Sie entscheidet darüber, ob Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad gebracht werden können, ob Großeltern unterstützen können, ob Eltern rechtzeitig zur Arbeit kommen und ob Kinder in ihrem vertrauten Umfeld aufwachsen.
Gerade die Lage des Knirpsentreffs ist deshalb ein wichtiger Punkt. Der Standort Lehnin ist nicht nur für Familien im Ort selbst zentral, sondern auch für umliegende Ortsteile wie Emstal, Rädel, Michelsdorf und Nahmitz gut erreichbar. Zusammen mit Lehnin betrifft dieser Bereich einen erheblichen Teil der Gemeinde. Es geht also nicht um einen Randstandort, sondern um einen Kita-Standort mit Bedeutung für viele Familien.
Hinzu kommt die Nähe zur Schule. Kurze Wege zwischen Wohnung bzw. Haus, Kita und Schule erleichtern den Alltag erheblich – besonders, wenn ein Kind zur Kita und ein anderes zur Schule gebracht oder abgeholt werden muss. Auch für Familien, die überlegen, nach Lehnin zu ziehen, ist diese Verbindung ein starkes Argument. Ein Ort mit Kita und Schule in erreichbarer Nähe wirkt familienfreundlich, verlässlich und attraktiv.
Der Knirpsentreff ist außerdem ein gewachsener Ort. Viele Familien schätzen die gute Erreichbarkeit, die großzügigen Außenbereiche, die Arbeit in zwei Häusern (eines für die „Großen“ und eines für die „Kleinen“) und die Einbindung in das Dorfleben. Solche Strukturen entstehen nicht über Nacht. Sie sind Teil des sozialen Lebens im Ort.
Deshalb sollte vor einer endgültigen Entscheidung sorgfältig geprüft werden, welche Alternativen zur Schließung möglich sind: Sanierung, Teilumbau, reduzierte Kapazitäten oder ein langfristiges Standortkonzept. Auch die Folgen einer Schließung für Wege, Verkehr, Mitarbeitende, Kinder und Dorfleben müssen berücksichtigt werden.
Eltern haben in den vergangenen Monaten Unterschriften gesammelt, Flyer verteilt und mehrfach das Gespräch gesucht. Dabei geht es nicht darum, notwendige Planung zu verhindern. Es geht darum, dass vor einer Entscheidung alle Perspektiven gehört werden.
Der Knirpsentreff ist kein abstrakter Punkt in einem Bedarfsplan. Für Kinder ist er ein vertrauter Ort. Für Familien bedeutet er Sicherheit im Alltag. Für Mitarbeitende ist er ein Arbeitsort mit Geschichte und Beziehung. Für Lehnin ist er ein Teil des Dorfes.
Darum verdient dieser Standort eine faire Chance.
Am Ende geht es nicht nur um Plätze. Es geht um Kinder, Familien, Mitarbeitende, kurze Wege und die Frage, wie familienfreundlich Lehnin in Zukunft sein möchte.
(Dr. Bianca Reinisch | Artikelfoto: Kita Knirpsentreff © Andreas Koska)
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