Lehnin. Das Altenhilfezentrum Lothar-Kreyssig-Haus feierte am Freitag sein 30jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde auch die Ausstellung „Jenseits der Jahre“ der Fotogruppe „Blende 8“ aus Borkwalde eröffnet. Gezeigt werden die Porträts von 17 Menschen im Alter zwischen 73 und 104 Jahren.
Bevor es so weit war, mussten sich die Fotografen, die die Leidenschaft für das Bild und den Menschen dahinter eint, die aber unterschiedliche fotografische Erfahrung haben, zu einem gemeinsamen Herangehen finden. Bevor sie sich an die Models trauten, gab es erst einmal vier interne Trainings vor Ort. Dann die Frage des Lichts. Die Trainings fanden im Winter statt, die Potraitsessions im Frühjahr. Am Ende einigten sich die Fotografen auf künstliches Licht. Nur so ließ sich ein einheitlicher Look erzielen. Schließlich wurde in die Nachbereitung noch mehr Arbeit als in die Vorbereitung gesteckt. Über 4.500 Fotos waren entstanden, die es zu sichten und auszuwählen galt. Für jede der 17 teilnehmenden Seniorinnen und Senioren stand am Ende ein Hauptportrait und fünf weitere. Schließlich musste ausprobiert werden, wie die von einem externen Dienstleister professionell gedruckten Bilder in den Räumlichkeiten des Lothar-Kreyssig-Hauses passend zueinander gehängt werden können.
Olaf Jeske betonte in seiner kurzen Präsentation vor den Gästen im Lothar-Kreyssig-Haus den gegenseitigen Gewinn für die Models und für ihre Fotografen:
„Diese Zusammenarbeit war für uns außergewöhnlich. Die Offenheit, mit der uns Ihre Bewohnerinnen und Bewohner begegnet sind, die Unterstützung durch Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Organisation und Begleitung, und das Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde – all das hat aus einem fotografischen Projekt etwas viel Größeres gemacht:
Eine echte Begegnung zwischen Menschen.“
Und er ergänzt später:
„Die Modells haben etwas mitgenommen, und wir haben etwas mitgenommen.
Der Titel „Jenseits der Jahre“ ist bewusst gewählt. Es geht uns nicht um das Alter als Zahl, sondern um das, was jenseits davon liegt: Erfahrung, Charakter, Würde, Geschichten, die sich in jede Falte eingeschrieben haben.“
Bei der Arbeit waren die Fotografen im Lothar-Kreyssig-Haus gut aufgenommen worden. Einrichtungsleiterin Stephanie Reichert war von der Idee sofort begeistert, zumal das Vorhaben gut in die Feier zum 30-jährigen Bestehen des Hauses passte. Bei der konkreten Arbeit mit den Models waren die Mitarbeiterinnen Marleen Klotz und Katrin-Hoffmann-Herbst großartige Hilfen, wie die Fotografen einhellig beteuern. „Im Halbstundentakt begleiteten sie die Models erst zur Visagistin Ulrike Seele, dann zu uns“, berichtet der Leiter der Fotogruppe Detlef Emmrich:
„Alle waren mit Freude und Spaß dabei. Es war einfach großartig, wie die Protagonisten mitgemacht haben. Die Fotografen brachten ihre Erfahrungen und Technik mit, die Models ihr Leben. Was entstand, gehört beiden.“
Entstanden ist eine Ausstellung, die Menschen zeigt, wie sie wirklich sind; mit ihrer Geschichte, ihrer Würde und ihrer unverwechselbaren Persönlichkeit. Die porträtierten Menschen tauten während der Fotosession sichtlich auf. Sie fühlten sich gesehen, respektiert als Person und in ihrer Lebensgeschichte. Aus manchem geplanten Fototermin wurde eine längere Geschichte und bewegende Momente.
Das begeistert auch den Arzt Achim Wagner:
„Toll, wie sie meine Patienten zur Geltung gebracht haben.“
Genauso begeistert waren die Angehörigen der Models, von denen viele zum 30jährigen Bestehen ins Lothar-Kreyssig-Haus gekommen waren. Gemeinsam standen sie vor den Portraits und waren begeistert. Die Freude war um so größer, als alle Seniorinnen und Senioren, die mitgemacht hatten, ihre Portraits in einer Mappe geschenkt bekamen.
Bis August bleibt die Ausstellung in Lehnin. 17 Portraits bleiben sogar dauerhaft, denn die Fotografen haben mit ihnen einen Flurgang neu gestaltet, die „Straße der Besten“, wie sie sie nennen.. Wer die Ausstellung sehen möchte, kommt am besten gleich am kommenden Sonnabend von 14:00 bis 16:00 Uhr nach Lehnin, dann bestehen gute Chancen, mit den Fotografen und vielleicht einem der Models ins Gespräch zu kommen. Gern können sich Interessierte auch in der virtuellen Galerie unter https://www.blendeacht.net/ umsehen.
Ab dem 7. September wird sie in der Kreisverwaltung in Bad Belzig, Papendorfer Weg 1 zu sehen sein. Bevor die Ausstellung abgebaut wird, will am 28. August noch der rbb vorbeikommen und darüber berichten.
Dieses Projekt wurde vom Landkreis Potsdam-Mittelmark im Rahmen der Offensive „Aktiv sein im Alter“ gefördert. Die Förderung übernahm die Sach- und Druckkosten des Projekts.
(Artikelfoto: Model und Portrait)
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