Rochow-Grunschule Golzow

Vor vollendete Tatsachen gestellt? „Geheimthema“ Schule in der Gemeindevertretung Kloster Lehnin sorgt für Aufregung

Anzeige (Für mehr Informationen bitte anklicken)

Kloster Lehnin. Die Eltern in Krahne und Reckahn sind sensibilisiert, verfolgen das Geschehen in der Kommunalpolitik mit Argusausgen. Und so verwundert es nicht, dass ihnen ein Tagesordnungspunkt im nichtöffentlichen Teil der Gemeindevertretersitzung am 7. Juli 2026 sofort aufgefallen ist und, da nicht öffentlich, für Misstrauen gesorgt hat.

Bürgermeister Uwe Brückner und seine Verwaltung streben seit Monaten eine Änderung der Schulbezirkssatzung an, die vorsieht, dass ab dem nächstmöglichen Zeitpunkt die beiden Dörfer statt der Grundschule in Golzow der in Lehnin zugeordnet werden. Dagegen gibt es Widerstand. Der Ortsbeirat Krahne hat dem widersprochen, der Ortsbeirat Reckahn zugestimmt, fast alle Kita-Eltern haben eine Unterschriftensammlung dagegen unterzeichnet.

Nun heißt es in der Tagesordnung unter Punkt 25: „Kündigung der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zur Übertragung der Aufgaben des Schulträgers der Grundschule“.

Die Eltern verstehen nicht, weshalb der Punkt nicht öffentlich ist und vor allem, was sich dahinter verbirgt. Sie befürchten, dass ohne die Beteiligung der Eltern und eine ausführliche Diskussion Tatsachen geschafft werden sollen.

Der ursprünglich eingebrachte Antrag sah eine Prüfung des Vorgangs vor. Im Hauptausschuss der Gemeinde am 29. Juni 2026 wurde der Antrag in der jetzt vorliegenden Form behandelt und, wie es heißt, mehrheitlich beschlossen.

Jetzt stellt sich auch der Bürgermeister von Golzow die Frage, ob hier Geheimpolitik betrieben werden soll. „Wieso nicht öffentlich“, staunt der Ortschef Ralf Werner. Das fragt sich auch der Fachdienstleiter im Amt Brück. „Wir sind der Überzeugung, dass es nicht geht, es ist ein öffentlich zu behandelndes Thema, wir haben die Kommunalaufsicht eingeschaltet und lassen die Zulässigkeit prüfen“, so Lars Nissen.

Dessen ungeachtet erinnert er an das Wahlrecht der Eltern, wenn es um die Schule für ihr Kind geht. „Noch vor einigen Jahren wurden wir gebeten, die Kinder aufzunehmen, weil die Lehniner Schule überfüllt war“, erinnert sich Nissen. Er weiß, dass es zwischen den Gemeinden einen Vertrag aus dem Jahr 2003 gibt, dieser soll jetzt wohl gekündigt werden.

Jetzt sehen die Prognosen eher anders aus. Die Einschulungszahlen gehen zurück. Lars Nissen schaut nach vorne. „Der Kitaentwicklungsplan sieht ab 2030 wieder steigenden Zahlen für die Kindertagesstätten, das heißt, dass ab 2036 auch die Einschulungszahlen steigen werden, dabei bleiben die Zuzüge unberücksichtigt“, verweist er auf die neuen Zahlen. Unabhängig davon sieht er das Kindeswohl im Vordergrund. „Kurze Wege für kurze Beine“, so sein Credo. Denn bei einer Beschulung der Krahner und Reckaner Kinder in Lehnin würde sich der Schulweg verdoppeln.

Manch ein betroffenes Elternteil fragt sich, wieso die wesentlich näher gelegene Grundschule in Damsdorf nicht in die Überlegungen einbezogen wird. Bei einer Verlegung von Damsdorf nach Lehnin würde man erheblich Kosten sparen, so die genannten Argumente. Dessen ungeachtet sind die Eltern auf den Barrikaden und wollen mitreden.

Laura Oppenborn aus Reckahn ist eine betroffene Mutter und hat ebenfalls die Kommunalaufsicht kontaktiert und eine Beschwerde, die Zauche 365 im Wortlaut vorliegt, im Namen der betroffenen Eltern eingereicht. Frau Oppemborn schreibt:

„Vor diesem Hintergrund ist für die betroffenen Eltern und die Öffentlichkeit nicht nachvollziehbar, weshalb nunmehr die Kündigung der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung, welche unmittelbare Auswirkungen auf die zukünftige Organisation des Grundschulstandortes Golzow (inkludiert betroffene Kinder aus Reckahn und Krahne) haben kann, ausgerechnet im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung behandelt werden soll. Dies erweckt den Eindruck, dass eine Angelegenheit von erheblichem öffentlichem Interesse bewusst der öffentlichen Beratung und Kontrolle entzogen werden soll.“

Sie ist entrüstet, weil ihrer Meinung nach Versprechen gebrochen worden sind. Es sollte vor der Entscheidung mit allen gesprochen werden. Der Bildungsausschuss, der im Juni stattfinden sollte, wurde abgesagt, weil, wie Bürgermeister Brückner begründete, keine Themen vorgelegen hätten.

Auf eine Anfrage von Zauche 365 zum Thema haben sowohl Bürgermeister Brückner als auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Kevin Bolz (CDU), nicht in der Sache geantwortet.

Eine Elterninitiative hat jetzt parallel eine Petition für den Verbleib der Krahner und Reckahner Kinder in der Golzower Schule gestartet, in den ersten zwölf Stunden haben schon 100 Bürgerinnen und Bürger unterschrieben.

Sitzung der Gemeindevertretung Kloster Lehnin
Dienstag, 07.07.26, 19.00 Uhr
Rathaus, Friedensstraße 3

Views: 131

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Login