Borkheide, Demo gegen rechts

Borkheide: 450 Demonstranten sagen: „Nie wieder ist jetzt! AfD-Verbot jetzt!“

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Borkheide. Kurz vor 16 Uhr am Sonnabend füllt sich der weite Marktplatz in der Waldgemeinde immer mehr. Auf dem Höhepunkt stehen 450 Demonstranten auf dem Platz, um sich für die Demokratie und für ein Verbot der AfD einzusetzen.

Borkheide, Demo gegen rechts
So langsam füllt sich der Borkheider Marktplatz

Initiatorin Liesa-Marie Grünwald zeigt sich schon zu Beginn der Kundgebung zufrieden. Mit so vielen Menschen hatte sie nicht annähernd angerechnet. Diese kommen aus Borkheide und aus der Nachbargemeinde Borkwalde, darunter beide Bürgermeister, aber auch aus Brück, Stromtal, Lehnin und weiteren Nachbarorten.

Bürgermeister Andreas Kreibich: „Eine besondere Verpflichtung für unseren Ort.“

Bürgermeister Andreas Kreibich, Borkheide, Demo gegen rechts
Bürgermeister Andreas Kreibich

Wie die Initiatorin erinnert auch der Borkheider Bürgermeister, Andreas Kreibich, gleich als erster Redner daran, dass die Kundgebung an einem besonderen Tag, am internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts stattfand. Vor seiner Rede bittet er deshalb um eine Schweigeminute. In seiner Rede bezieht er sich vor allem auf den Ort selbst. Er erinnert daran, dass in Borkheide ca. 200 Menschen mit einem Migrationshintergrund leben:

„Stellt euch vor, sie wären weg!

Besonders einprägsam wird es, als Andreas Kreibich auf einen der Gründer des Ortes, auf den bedeutenden Ingenieur, Verleger, Grundstücksmakler und vielseitigen jüdischen Technikpionier Georg Rothgießer (geboren am 26. Dezember 1858 in Hannover; gestorben 1943 im Ghetto Theresienstadt) zu sprechen kommt. Rothgießer und ein großer Teil seiner Familie wurden in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet. Trotzdem kamen 2014 seine Erben auf die Borkheider Gemeindevertreter zu, um der Gemeinde vier große, dringend benötigte Flurstücke zu schenken. Seitdem heißt die Straße hinter der Schule nach dem bedeutenden Borkheider. Für den Ort eine besondere Verpflichtung, so der Bürgermeister.

Dr. Ermyas Mulugeta ist direkt von Rassimus betroffen

Borkheide, Demo gegen rechts, Dr. Ermyas Mulugeta
Dr. Ermyas Mulugeta

Dr. Ermyas Mulugeta vom deutsch-äthiopischen Löwenherz e.V. wäre von den Deportationsfantasien der AfD direkt betroffen. „Ich bin ein Mensch, und ich möchte als Mensch anerkannt werden“, fordert er. Er will wissen, was nach der Demonstration kommt, wie dauerhaft das Engagement ist. Und er macht deutlich, dass es Rassismus nicht nur in der AfD gibt, sondern dass er dem auch in anderen Parteien und in Behörden begegnet.

Steffi Randig (SPD): „Wir können wirksam sein.“

Borkheide, Demo gegen rechts, Steffi Randig
Steffi Randig

Steffi Randig, Vorsitzende des örtlichen SPD-Ortsvereins, verweist auf die vielen Möglichkeiten, die jeder einzelne Bürger hat, das Leben mitzugestalten. Jeder kann zu den Versammlungen der Gemeindevertretungen gehen oder selbst kandidieren. Jeder kann mitwirken, jeder sollte nützlich sein.

Unter Beobachtung

Am Rande wird die Veranstaltung von einem Grüppchen um den AfD-Landtagsabgeordneten Lars Hünich aus Borkwalde weitgehend stumm beobachtet, das sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite an der Bushaltestelle positioniert hat. Weitgehend unbemerkt bleibt in der einbrechenden Dämmerung ein Wagen, der mit einem kaum lesbaren Transparent gegen den Medienstaatsvertrag, d.h. gegen die öffentlich-rechtlichen Sender polemisierte.

Bunt und fröhlich

Auf dem Borkheider Marktplatz geht es derweilen munter und fröhlich zu. Zwischen den einzelnen Redebeiträgen gibt es aufmunternde Musik und fröhliche Pfeifkonzerte. „Schön, dass du auch da bist“, begrüßen sich Nachbarn. Es wird gelacht, getanzt und geredet.

Pfarrerin Simone Lippmann-Marsch: „Klar Stellung beziehen.“

Borkheide, Demo gegen rechtsSimone Lippmann-Marsch, Pfarrerin im evangelischen Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg, spannt einen weiten Bogen über Liebe und Hass. Liebe kann heilen, Liebe gibt Kraft, Brücken zu bauen, auch gesellschaftlich. Hass blockiert, Hass zerstört, sagt sie und setzt hinzu: Wut und Angst liegen erst einmal in mir. Ich kann nicht dem anderen die Schuld dafür geben. Sie forderte aber auch, sichtbar zu bleiben und nicht mehr damit aufzuhören:

„Unsere Gesellschaft ist an einem Punkt, klar Stellung zu beziehen.“

Borkheide, Demo gegen rechts

Ricarda Müller: „Überall Position nehmen.“

Borkheide, Demo gegen rechts, Ricarda Müller
Ricarda Müller

Ricarda Müller vom Verein Mensch SEIN, die sich bereits im Vorfeld sehr für die Veranstaltung engagiert hatte, erzählt in der bereits einbrechenden Dunkelheit und Kälte von der Kraft der Vergebung. Mit einer französischen Freundin war sie einmal in einem ukrainischen Dorf, in dem die SS-Division Galizien gewütet hatte. Und doch wurden sie von einer Frau freundlich an den Arm genommen und durch das Dorf geführt. „Mensch sein“, fordert sie. Auch in der Familie, im Freundeskreis und auf der Arbeit gilt es, Position zu nehmen.

Anja Paolucci fordert kämpferisch AfD-Verbot

Borkheide, Demo gegen rechts, Anja Paolucci
Anja Paolucci

Als letzte Einzelrednerin spricht die 22jährige Anja Paolucci den Teilnehmern sichtbar noch einmal so richtig aus dem Herzen. Die Enthüllungen von Correctiv seien schockierend gewesen, aber nicht überraschend. Ihre Forderung stößt bei den Zuhörern hörbar auf große Zustimmung:

„Die Möglichkeit, Parteien zu verbieten, ist eine Option, die das Grundgesetz uns genau für solche Situationen einräumt. Wir sind jetzt in der Pflicht, das auch zu tun.“

Unternehmer Marcel Mika: Menschen willkommen heißen!

Abschließend berichtet der Borkheider Unternehmer Marcel Mika in einem kleinen Interview mit Steffanie Plank, dass auch in seinem Unternehmen Integration nicht immer einfach ist. Zwar hat nur einer seiner 15 Mitarbeiter einen Migrationshintergrund, aber unterschiedliche Herkunft und anderer sozialer Hintergrund sind eine Herausforderung: „Aber wir arbeiten daran.“ Er verwies auf den Fachkräftemangel und schloss:

„Menschen gehen nicht in ein Land, in dem sie nicht willkommen sind.“

Zum Schluss ein Lied

Viele sind zum Veranstaltungsende schnell – von der Kälte vertrieben – nach Hause gegangen. Die Restlichen beendeten die Kundgebung nach eineinhalb Stunden mit einem kleinen Konzert:

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Eine Antwort

  1. „Menschen gehen nicht in ein Land, in dem sie nicht willkommen sind.“ …Vor Allem führt das auch dazu, dass wir früher oder später auch nirgends mehr Willkommen sind. Kein Urlaubsland wünscht sich menschenverachtende Besucher. Wir haben lange gebraucht um in der Welt wieder geachtet und respektiert zu werden oder auch Vertrauen zurück zu gewinnen. Das dürfen wir nicht zerstören.

    „Ich bin ein Mensch, und ich möchte als Mensch anerkannt werden“. … Alle die sagen “Deutschland zuerst” hat noch nie darüber nachgedacht wie er das Recht erlangt hat Deutscher zu sein. Den niemand hat sich das Recht verdient. Wir hatten nur das unsagbare Glück hier als Baby das Licht der Welt zu erblicken. Auch wenn es manchmal weh tut und wir etwas opfern müssen, ist es nur Richtig unsere Privilegien zu teilen. Wir sind alle Menschen und möchten auch so behandelt werden. Alle verdienen ein menschenwürdiges Leben. Egal welcher Herkunft.

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