Leselust für alle: 2700 Bücherzellen in Deutschland, 100 in Brandenburg

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Sie war die Mutter aller Bücherzellen in der Zauche, „Frieda“ die Bücherzelle in Borkwalde. Rund 250 Euro ließ sich 2013 der Kulturverein Zauche e.V. die ausgediente Telefonzelle kosten, eine Anregung der pensionierten Bibliothekarin Ute-Ilse Thilo.

Seit Anfang der 90-er Jahre gibt es Initiativen, die so genannte Bücherschränke im öffentlichen Raum aufstellen, darin können Bücher kostenlos, anonym und ohne jegliche Formalitäten zum Tausch oder zur Mitnahme aufbewahrt und angeboten werden

Eine Borkwalder Pionierarbeit, die in unserer Region Früchte trug.

Im benachbarten Borkheide war es eine Privatperson, Sabine Schüler, die eine für alle zugängliche Bücherecke geschaffen hat. Sabina Schüler ist eine Leseratte.

“Ein Buch muss mich schon nach den ersten Seiten fesseln, sonst lege ich es weg”, sagte sie. Mit Weglegen meint sie es ernst. Da sie Bücher nicht wegwerfen kann, verschenkt sie sie. “Irgendwann hatten wir keinen Platz mehr, in jeder Ecke waren Bücher”, lächelt die ausgebildete Bauingenieurin. Als sie zur Kur war, ging ihr Mann ans Werk. In einer Gartenecke, direkt an der Schäperstraße in Borkheide baute er ein Regal. Wettergeschützt, mit Tür und sogar einer Solarlampe, die beim Öffnen angeht und einem Spiegel an der einen Wand, der das ganze größer erscheinen lässt und auch die Beleuchtung am Abend verstärkt. Hier können Bücherfreunde etwas mitnehmen, aber auch abgeben.

Die Mittelmärker Landfrauen haben inzwischen ebenfalls die Initiative ergriffen. Nach Krahne, Radewege, Reckahn, Groß Briesen und Golzow wurde auch in Linthe eine Bücherzelle gestiftet. Demnächst soll in Fohrde ebenfalls eine Bücherzelle der anderen Art entstehen. Hier gibt man sich geheimnisvoll. Die Vorsitzende Petra Müller ärgert sich jedoch, dass professionelle Trödelhändler immer wieder die Bücherzellen leer räumen. „Deshalb möchte ich jetzt alle Bücher mit einem Stempel der Landfrauen versehen“, sie hofft, dass dadurch die Mitnahme für Händler weniger attraktiv wird.

Dabei unterscheidet sich die Bücherauswahl in den einzelnen Zellen kaum. Bestseller, Kinderbücher und Schmöker aus DDR-Zeit wechseln sich mit Ratgeber-Werken ab.

In dem beschaulichen Baitz hat Familie Wolff, die Besitzer einer Ferienunterkunft sind, eine selbst gebaute Zelle vor die Tür gestellt, und auch dort kann man Bücher mitnehmen oder einstellen.

In Netzen gibt es ebenfalls das Angebot, die Zelle ist gut mit Büchern besetzt.

Bücherzellen sind in Brandenburg an der Havel selten, aber vorhanden. „Ich habe meine ganze Sammlung Karl May Bücher dort abgegeben, am nächsten Tag waren die Bände alle weg“, freut sich Klaus Voigt vom Görden über das Interesse an seiner Sammlung.

Ein neue Art Bücherschrank wird jetzt in Kirchmöser entstehen. Hier will die Stadt Brandenburg einen ausgedienten Trafo umwandeln. Die Kosten sollen um 15.000 Euro betragen und damit ein Vielfaches dessen, was die Zelle für Borkwalde gekostet hat. Allerdings sind die ausgedienten Zellen auch nicht mehr so preiswert. Denn die Nachfrage ist enorm. Allein im Land Brandenburg gibt es mehr als 100 der Einrichtungen. In der Bundeshauptstadt 76. Zu den Brandenburgern zählen auch zehn Bücherzellen in Potsdam sowie weitere in Fichtenwalde, Michendorf, Langerwisch, Nudow, Philippsthal, Saarmund, Caputh, Ferch und gleich zwei in Geltow.

Kein Wunder also, dass die Telekom bremst und man inzwischen auf die Überlassung, die wohl um die 500 Euro kosten soll, warten muss. Damit könnte der Wunsch aus Cammer auf seine Umsetzung noch länger warten. Demgegenüber werden es die Damelanger und Freienthaler wohl leichter haben. Die Zellen sind schon in den Dörfern eingelagert und warten auf die Aufstellung. Das Netz wird dichter. Übrigens sind es deutschlandweit inzwischen knapp 2.700 Bücherschränke, davon ausgehend, dass mindesten 100 Bücher darin entnommen werden können, sind rund eine Viertelmillion Bände für alle verfügbar.

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