Riviera-Feeling in Werder – Die in diesem Jahr bundesweit erste Bootsmesse

Werder. Wasser von oben und Wasser von unten, dem richtigen Seemann macht es nichts aus, dem Motorbootinhaber schon eher. Vielleicht begann deshalb die „Boot Fun Inwater“ etwas schleppend. Am Vormittag hielt sich der Besucherstrom in Grenzen. Das unsichere Wetter schien einige zurückzuhalten. Andererseits konnten andere die Eröffnung der ersten Bootsmesse in Deutschland kaum erwarten.

„Gäste aus Lübeck waren schon gegen 09.00 Uhr da, also vor Eröffnung und ganz aufgeregt“, berichtete Catina Burchardi von der Geschäftsleitung der „aqua marin“, auf deren Anlage in den Werderaner Havelauen die Messe stattfand. Normalerweise liegen hier 80 Boote und Yachten, diese wurden für das Wochenende zwischen 27.08. und 29.08.2021 ausgelagert und damit wurde der Platz für 150 neue Wasserfahrzeuge frei gemacht.

Boot Fun Inwater, Daniel Barkowski, Manuela Sass, Catina Burchardi und Uwe Seibt
Eröffnung der Messe durch v.l.n.r. Daniel Barkowski, Manuela Sass, Catina Burchardi und Uwe Seibt.

Was im Jahr 2018 mit drei Stegen begann, benötigt heute die doppelte Fläche. 88 Aussteller haben ihre Stände entlang der Havelpromenade aufgebaut und ihre zum Teil exklusiven Boote am Rand des Großen Zernsees verankert. Der bei der Messe Berlin für die „Boot & Fun“ zuständige Projektleiter Daniel Barkowski ist vom Standort begeistert. „Hier kann man anders als in der Halle die Boote gleich ausprobieren“, erklärt er den besonderen Reiz des Treffens in Werder. Motoryachten und -boote, Segelboote, klassische Boote, Hartrumpfboote, Sloepen, Hausboote und Elektroboote – so die ganze Palette, die es zu besichtigen gab, dazu Zubehör, Versicherungen und vieles mehr. Gleich am Eingang hat ein VW-Händler einige Elektro-Autos aufgebaut. Und nicht nur auf der Straße auch auf dem Wasser ist der Elektroantrieb im Kommen. Mehrere Anbieter setzen darauf, sogar E-Surfer werden angeboten.

Hausboote sind in Brandenburg im Trend und sind auch hier der Blickfang. Vor allem ein Fahrzeug der Firma „Houseboatyacht“, das verglaste Hausboot inklusive Sauna, Whirlpool, Schlafzimmer und Küche verfügt über bis zu 90 Quadratmeter Wohnfläche und bis 80 Quadratmeter Terrasse, Kostenpunkt ab 175.000 Euro, bei der genannten Größe ab 275.00 Euro.

Boot Fun Inwater, Autark mit Klärwerk und Solaranlage.
Autark mit Klärwerk und Solaranlage.

Ähnliche Dimensionen hat das 4,80 Meter breite Boot von Stefan Geiger, es verfügt über 120 Quadratmeter Freiraum und ist absolut autark. Neben Solarpaneelen verfügt das mit Elektroantrieb versehene Hausboot über eine eigene Biokläranlage. „In der Tourismusbranche, als Café, Praxis oder zum Wohnen auf dem Wasser“, das Prospekt verspricht fast grenzenlose Möglichkeiten.

„Für die Nutzung reicht ein Motorbootführerschein“, erzählt Silvia Schottenheim. Geigers Lebensgefährtin unterstützt ihren Mann. „Er hat schon lange davon geträumt, ein solches Boot zu entwickeln, da habe ich gesagt mach es“, erzählt Schottenheim, das Paar ist aus dem Taunus nach Werder gekommen. Unter den Ausstellern findet man Adressen aus ganz Europa.

Das große Interesse an der Messe ist für Uwe Seibt gut nachvollziehbar. „Der Wassertourismus macht uns aus, Brandenburg ist ein wichtiger Standort, hier in Werder lässt sich alles live erleben, wer einmal hier war kommt wieder“, so die Überzeugung des bei der IHK Potsdam für Tourismus und Gastgewerbe zuständigen Referenten.

Werders Bürgermeisterin Manuela Sass sieht es ähnlich. „Es ist eindeutig eine Boombranche“, sagt sie bei der Eröffnung. Alle 1.000 Liegeplätze rund um die Blütenstadt seien besetzt. Zwar erhebt die Stadt eine Sondernutzungsgebühr von 0,15 Euro je Quadratmeter, was immerhin einen fünfstelligen Betrag in die Stadtkasse spült, aber der Gewinn liegt woanders. „43 Unternehmen in Werder sind mit dem Wasser verbunden, an der Messe nehmen 14 Aussteller aus Werder teil, die Hotels sind ausgebucht“, zählte Sass auf.

Barkowski hoffte am Freitagvormittag auf steigende Besucherzahlen und wies schon auf die „Wasser und Fun“ im November in Berlin hin. Allerdings wird das an die Riviera erinnernde Flair am Havelufer, in den Messehalle sicher nicht aufkommen.

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