Die Backschwein-Tenne in Gömnigk feierte zehnjähriges Bestehen: Lecker Essen und Geschichten gratis dazu

Gömnigk. Fast unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit feierte die Backschwein-Tenne am ersten Juni-Wochenende ihr zehnjähriges Bestehen, während gleich nebenan eine Friedensglocke gegossen wurde. Am 20. Mai 2010 war die Backschwein-Tenne im Beisein des damaligen Staatssekretärs im Landwirtschaftsministeriums und späteren Landrates der Uckermark Dietmar Schulze offiziell eröffnet worden. Heute ist sie eine Institution in der Zauche, die man sich nicht mehr wegdenken kann. Dass das so ist, verdankt sie insbesondere ihrem öffentlichen Gesicht, Bernd Schulz, einem Original im besten Sinne.

Lecker Backschwein, Backschein-Tenne, Gömnigk
Lecker Backschwein

Der Beginn der Backschwein-Tenne

Wer Schulz erlebt, versteht sofort, warum vor zehn Jahren die hiesigen Wirtschaftsförderer „der Idee des umtriebigen Bio-Bauern“ vertrauten, wie damals eine regionale Zeitung schrieb. Schulz steckt voller Ideen, kann hervorragend netzwerken, und Erlebnissen und Geschichten sprudeln nur so aus ihm hervor. Er selbst beschreibt es berufsnah so:

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„Mindestens einmal im Monat muss man eine Sau durchs Dorf treiben.“

Gömnigk, Backschein-Tenne, Bernd Schulz
Mobiles Backschwein

Bereits vor 2010 bot er gelegentlich Mobiles Backschwein auf Wunsch an. Damals ließ er noch backen. Doch dann wollte er es allein wagen. Neben der Gastronomie in der hergerichteten Scheune boten Schulz und seine Lebenspartnerin, Gudrun Brinschwitz, die er am Baikal kennengelernt hatte, weiter den mobilen Service an. Schulz kümmerte sich um die Schweinezucht und das mobile Angebot, Brinschwitz um die Tenne. Das Geschäft lief hervorragend. Am 1. November 2015 stand der zweite Ofen auf dem Hof:

„Damit konnten wir zwei Veranstaltungen parallel bedienen. Manchmal waren es sogar vier Veranstaltungen am Tag, zwei am Mittag und zwei am Abend.“

Dreimal war Schulz mit seinem Angebot auf der Grünen Woche, 2005, 2006 und 2007. Er ist Mitglied im Förderverein Ökologischer Landbau und macht bei den Offenen Höfen mit. Gemeinsam mit dem Bad Belziger Bierbrauer Eggenstein veranstaltete er Champagnerwochen mit Champagnerroggenbier und Backschwein.

Seine „Wurst mit Gesicht“ meinte nicht ein Produkt wie man sie an unzähligen Fleischtheken Deutschlands findet. Vielmehr klebt auf dem Wurstglas ein Bild des Schweins, aus dem die Wurst hergestellt wurde. Die Idee dahinter ist, dem Verbraucher wieder einen Bezug zu seiner Nahrung zu ermöglichen. Die Wurst mit Gesicht, Geburtsdatum und Schlachttermin ging durch alle Presse. Überhaupt findet Schulz immer wieder Eingang in Zeitungsartikeln und sogar Filmen.

Backschwein-Tenne, Gömnigk, Bernd Schulz
Backschwein-Tenne: Der allererste Flyer

Bernd Schulz

Gömnigk, Backschein-Tenne, Bernd Schulz
Backschein-Tenne: Bernd Schulz

Schulz ist ein Pfundskerl, ein Bauer aus dem Bilderbuch, nur mit Abitur und Studium:

„Man muss mir schon abnehmen, dass Backschwein lecker ist.“

Geboren wurde Bernd Schulz vor 63 Jahren in Gömnigk. Seinen Vater hatte es nach dem Krieg hier her verschlagen. Sein Abitur machte er gemeinsam mit dem Politiker Günter Baaske. Von 1977 bis 1982 studierte er Diplom-Agraringenieur an der Humboldt-Universität in Berlin Nach dem Studium wurde er Zuchtleiter in der Sauenzucht-Anlage der ZGE Schwanebeck. Zusammen mit ca. 110 Beschäftigten betreute er damals 2000 Sauen. Nach der Wende baute er den Schweinezuchtverband Berlin-Brandenburg mit auf.

Doch er wollte weiter mit Tieren arbeiten. Außerdem hatte er inzwischen eine Allergie, mit der er nicht mehr im Stall arbeiten konnte. Deshalb studierte er ein halbes Jahr lang in England die Freilandhaltung von Schweinen. Zurück gekehrt arbeitete er bei der Freilandschwein GmbH unter anderem beim Aufbaue der 500 Freilandsauenanlage in Demerthin bei Kyritz bis diese durch eine Seuche kaputt ging. Anschließend baute er mit einem Partner zusammen die erste große Freilandanlage in Potsdam-Mittelmark auf. Nach fünf Jahren endete die GbR und wurde alleine weitergeführt.

Immer wieder hat er geholfen, Freilandanlagen vor allem für BIO-Betriebe aufzubauen:

„Insgesamt werden es wohl 20 sein, zwei davon im Ausland.“

Freilandschweine in Russland

Als er von 2007 bis 2009 in Russland half, eine Freilandhaltung mit Bioschweinen aufzubauen lieferte er zum ersten Mal Backschwein, in das Autowerk in Kaluga. Dem ZDF war dieses verrückte Russland-Abenteuer einen eigenen Film wert:

Überhaupt Russland. Sein Vater war unter anderem am Baikal in Gefangenschaft gewesen. Am Baikal lernte der Sohn seine jetzige Lebensgefährtin kennen, die mit ihm das große Abenteuer Freilandhaltung von Schweinen im kalten Russland wagte.

Die Sehnsucht nach diesem großartigen Land ist geblieben. Die Terrasse in der Backschwein-Tenne nennt Bernd Schulz russische Terrasse, weil die ersten Gäste auf dieser Terrasse am 21. Juni 2010 russische Partner waren.

Die Backschwein-Tenne heute und morgen

Gömnigk, Backschein-Tenne, Bernd Schulz
Lecker Backschwein

Bernd Schulz ist immer in Veränderung und voller Ideen. Zum 1. Januar 2018 hat er die Schweinezucht an Anja Koch übergeben, die diese unter dem Label Fläming-Schwein weiter betreibt. Auf dem Hofladen bietet sie neben Wurst und Fleisch auch Eier, Honig, Nudeln, Saft und frisches Getreide an.

SCHULZA – so wird er von seiner Familie intern gerufen (ein Relikt aus der Zeit in Russland) – hat derweilen die Verantwortung für die Backschweine von den Schultern seiner Lebenspartnerin genommen. Künftig konzentriert er sich ganz auf das Backen von Schweinen in würzigem Sud. Ganz sicher werden sich weiter viele Unbekannte und einige Prominente einfinden. Schulz konnte schon so manchen bekannten Politiker und Schauspieler in seiner Tenne (die ursprünglich den festen Boden einer Scheune bezeichnet) begrüßen. Aber auch Starköche wie Tim Mälzer und Ralf Zacherl wollten sein berühmtes Backschwein kosten.

An Aufhören denkt Schulz jedenfalls nicht, auch wenn ihm das Coronavirus erst einem einen Strich durch die Rechnung gemacht hat:

„Doch ist das jetzt auch ein Licht am Ende des Tunnels. Die Leute achten mehr auf regionale Herkunft ihres Essens und dessen biologische Erzeugung.“

Als nächstes will Schulz nach der berühmten Berliner Markthalle Neun die Hackeschen Höfe erobern. Einige Male verkauft hat er dort schon. Um die stärkeren Hygieneanforderungen eines mobilen Verkaufs erfüllen zu können, trägt er sich mit dem Gedanken einen speziellen Verkaufsanhänger zu erwerben.

Pünktlich zum Jubiläum hat Schulza gemeinsam mit der Nachfolgerin Anja Koch einen neuen Flyer drucken lassen. Und wenn er wieder sein „Lecker Backschwein“ serviert hat und einen Moment ausruhen kann, wird er gern die eine oder andere Geschichte aus seinem facettenreichen Leben zum Besten geben.

Etwas ist Schulz besonders wichtig:

„Ohne meine Mädels – namentlich Henriette, meine Tochter, meine Schwester Erika und meine Frau Gudrun – hätte ich das alles nicht geschafft – insbesondere nicht während meiner Abwesenheit 2018 als ich den Friedenstreck von Brück nach Weliki Nowgorod drei Monate lang begleitete.”

Backschwein-Tenne

Jeden 3. Freitag:
Backschweinabend ab 18 Uhr
Achtung: Nächster Termin am 19. Juni 2020

Außerdem
am 1. Sonntag im Mai, an Himmelfahrt und am 1. Sonntag im November, jeweils ab 11 Uhr

Hofladen

Jeden Freitag 15 bis 18 Uhr

Besuchen Sie die …

(Einige der Fotos sind privat.)

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