300 Jahre Schulgeschichte in Oberjünne und Cammer

Oberjünne, Cammer. „Er war ein guter Schüler, fleißig“, sagte Jutta Haage lächelnd über Norbert Fröhndrich. Kleine Spitzen zwischen der ehemaligen Lehrerin und dem Schüler wurden jedoch während des Vortrags von Fröhndrich immer wieder ausgetauscht und sorgten für Lacher. Fröhndrich stellte am Montag im Pfarrhaus Golzow sein Buch „300 Jahre märkische Schulgeschichte in Oberjünne und Cammer“ vor, das gerade im Selbstverlag des Autors erschienen ist.

Unter den Zuhörern waren auch ehemalige Mitschüler Fröhndrichs, wie zum Beispiel Wilfried Meier, sowie Oberjünner und Cammeraner Bürger. Alle wollten etwas über ihre Schule und die Nachforschungen erfahren. Fröhndrich berichtete vor allem über seine Forschungsarbeit. Allein fünf Monate verbrachte er im Pfarrhaus beim Studium der Kirchenbücher, die immerhin seit 1644 vorhanden sind.

Der Hausherr, Famulus Oliver Notzke, war von der Akribie und Ausdauer des Heimatforschers angetan. „Wir haben gern die Bände zur Verfügung gestellt“, sagte der gebürtige Damelanger.

Anschaulich zeigte Fröhndrich wie die Arbeit vor sich ging. Die Funde aus den Kirchenbüchern, die unter anderem belegten, dass der erste Schulmeister schon im Jahre 1664 in Cammer belegt ist, wurden in Faksimile auf eine Leinwand projiziert und erläutert. Dazu weitere Funde aus dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv hinzugezogen und es wurde auch auf Familienarchive der Oberjünnschen Bürger zurückgegriffen. „Ursprünglich sollte die Schulgeschichte ein Kapitel einer Büdner-Chronik werden, die Fülle des Materials führte jedoch dazu, dass es ein eigener Band wurde“, erzählte der Verfasser der immerhin 280 Seiten starken Veröffentlichung. Darin sind alle Lehrer von 1643 bis 1945 verzeichnet und auch eine Lister der Pfarrer ist angefügt, waren diese doch Aufseher über die Lehrerschaft.

Fröhndrich beschränkt sich jedoch nicht auf Biographien, er zeichnet ein Sittenbild des Berufstandes, er zeigt die Probleme auf, die unter anderen mit der Besoldung und den Abhängigkeiten zusammenhingen und zeigt die Verhältnisse in den Klassenräumen auf. So wurden in der kleinen Schule bis zu 174 Schüler unterrichtet, in zwei Durchgängen also mehr als 80 Schüler in einer Klasse und es gab nur einen Lehrer. Die Oberjünnschen Kinder mussten die 3,6 Kilometer je Richtung jeden Tag zu Fuß zurücklegen.

Erst um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert besserten sich die Verhältnisse, das Schulgebäude wurde ausgebaut und ein zweiter Lahrer Standard.

„Besonderer Dank geht an Sabine Hönow, die Enkelin des langjährigen Lehrers Franz“, betonte Fröhndrich und zeigte Fotos der Lehrer an der Cammerschen Schule, die sich in einem alten, im Familienbesitz der Hönows befindlichen Album erhalten haben.

Nachdem Oberjünne in den Kreis Brandenburg eingegliedert worden war und Cammer dem Kreis Belzig zugeschlagen wurde, endete die die gemeinsame Schulgeschichte der Kinder aus Oberjünne und Cammer. Die einen verblieben in ihrem Dorf, die anderen musste jetzt nach Golzow in die Schule gehen. Diesen Teil der Schulgeschichte überlässt Fröhndrich anderen. Seine Dokumentation endet hier.

Wer will kann das in 100 Exemplaren erschienenes Buch für 24 Euro beim Autor oder unter anderem in der Bäckerei Wernitz in Cammer erwerben.

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