Freiluft-Theater in Cammer – Umjubelte Premiere der Theatergruppe Michelsdorf an der Bockwindmühle

Cammer. Vor Beginn der Theatervorstellung am Samstagabend  begrüßte der Vorsitzende des Dorf- und Heimatvereins Cammer, Joachim Richter, die etwa 150 Besucher und hoffte auf einen gelungenen Abend. Nach der Vorstellung durfte er sich über einen langanhaltenden Applaus freuen. Der Abend war gelungen.

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„Die Gräfin und die Biester“ hat die Zuschauer begeistert. Nach rund zwei Jahren pandemiebedingter Pause freute sich auch die Michelsdorfer Theatergruppe, endlich wieder vor Publikum auftreten zu können.

Die sieben Schauspieler, dazu ein Souffleur, mehrere Techniker und weitere Unterstützer gaben alles. Die Schauspieler waren auch Requisiteure und für die Szenenumbauten zuständig. Die bei den Umbauten getragenen Weste zeigten auch die Funktion innerhalb der Truppe. Mücken-Macher, Klug-Scheißer, Requisiteur, Kicher-Generator, Unsere Zukunft sowie BOSSin war auf dem Rückenteil zu lesen.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Das Stück in sechs Akten spielt in einer Grafschaft des vermutlich 18. Jahrhunderts. Die verwaiste Gräfin Adelheid von der Fichte wird von einem in einem Spiegel eingesperrten Geist schlecht beraten. Er hofft dadurch dem Zauber zu entgehen und endlich wieder Mensch zu werden. Ihre Leibwache wird vom Grafen von Mückernich bestochen, er will die Gräfin heiraten und das Nachbarreich mit dem seinen vereinen. Dabei schreckt er nicht vor Zwang zurück und beschuldigt die Gräfin der Hexerei. Der “Klöschen” genannte Gardist ist seit einem angeblichen Unfall geistig behindert, sein Vater Gustav ist Müller und muss um die Mühle fürchten.

Nach mehreren Wendungen ist klar, dass der Graf für den Zustand von „Klöschen“ verantwortlich ist, in dem er einen Rivalen sah. Kurz bevor die Gräfin, die die Ehe verweigert, als Hexe verbrannt wird, wird aus „Klöschen“ dem Kindischen wieder Siegfried, der Held. Der Graf wird verbannt, der korrupter Gardist eingekerkert, der Spiegelgeist auf ewig verzaubert, der Müller behält die Mühle und die Gräfin wieder ihren Siegfried. Ende gut, alles gut. Im Publikum durfte gelacht werden.

Aus der Laiengruppe ragte Carolin Böttcher als Gräfin heraus. „Sie ist doch bestimmt vom Beruf Schauspielerin“, mutmaßten viele im Publikum. Weit gefehlt, auch Böttcher ist nur Schauspielerin aus Leidenschaft. Mit ihrer wunderbaren Stimme intonierte sie mehrere Lieder, war textsicher und souverän. Auch der Graf, gespielt von Daniel Hamnett überzeugt in der Rolle des verknöcherten Adligen. Ihm stand der Spiegelgeist, Walter Bohnert im Nichts nach. Durch das Stück führte Marion Stegner, die auch in der Rolle als Magd brillierte. Carsten Teichert hat die Transformation vom kindischen, verwirrten Mann zum Gardistenhauptmann wunderbar bewältigt und auch sein Kollege, der bestechliche Gardist Klaus, gespielt von Dominik Segner, überzeugte durch solides Spiel. Wenn überhaupt Kritik angebracht ist, dann am Müller, dargeboten von Helmut Maaß, der etwas holprig agierte. Anzumerken ist, dass der Souffleur Kevin Bellin sehr selten helfen musste. Den Zuschauern gefiel das Stück. Als der letzte Vorhang fiel war der Jubel groß und auch die Hoffnung, dass die Truppe im kommenden Jahr wieder kommt.

„Wir sind dabei ein neues Stück zu entwickeln und einzuüben“, verriet Marion Segner und setzte hinzu, dass auch die Darsteller den Auftritt genossen habe. Nach rund zwei Stunden, die Sonne, die Anfangs den Mühlenhügel und damit die Bühne erleuchtete, war schon längst untergegangen, machte sich das zufriedene Publikum auf den Nachhauseweg.

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