Ziegeleien, Erdlöcher, Heimatmuseum, Backofen und Planetenweg – Deetz ist eine Reise wert.

Deetz. Eigentlich war das Ziel meiner Reise nach Deetz ein Museumsbesuch. Jedoch drängt es mich grundsätzliches loszuwerden: Deetz ist eine Reise wert. Wer sein Fahrzeug zwischen Kirche und Dorfgemeinschaftshaus abstellt und mit dem Drahtesel vom Havelradweg hierherkommt, der kommt aus dem Staunen nicht heraus. Propere Bürger und Bauernhäuser, Werkstätten aus Backstein, Feldsteindorfkirche mit dem obligatorischen Storchenhorst auf dem Dach, Bilderbuchkulisse, die Zeit scheint stehengeblieben zu sein.

Nur einige wenige Meter entfernt hat der Heimatverein Deetz einen Backofen wiedererrichten lassen, hier wird regelmäßig das Feuer entzündet und gebacken. „Einmal im Monat“, sagt Chris Rappaport vom Verein und verweist auch auf die Unterstützung durch den Ortsbeirat. Der Heimatverein ist einer von fünf Vereinen im Dorf. Der größte ist der FC Deetz mit rund 300 Mitgliedern. Dann sind noch die Angler, die Freiwillige Feuerwehr und die Jugend. Die Sänger und die Karnevalisten gibt es nicht mehr.

Deetz, Heimatmuseum Deetz
Schaukasten vor dem Heimatmuseum Deetz

Der Heimatverein hat 25 Mitglieder, von denen zehn aktiv sind. Dazu gehört Christiane Letz, die besonders stolz auf das Heimatmuseum ist. „Allerdings fände ich schön, wenn wir auch den dritten Raum nutzen könnten, er ist groß und repräsentativ mit seiner Stuckdecke, es würde den Objekten mehr Luft geben und Raum für die Präsentation schaffen“, sagt sie. Und wer durch die beiden engbestückten Räume wandelt versteht, was sie meint. Die Dreschflegel sind an einem Regalende hängend kaum wahrnehmbar. In den Regalen finden sich viele Dinge des täglichen Gebrauchs von Ehedem. Krüge, irdene Wärmekissen, aber auch Fernsehapparate aus den 60ern und Schreibmaschinen. Lederne Löscheimer gehören ebenso dazu wie die Schusterwerkstatt von Herbert Meyer oder eine Urkunde des Ulanen Belling samt Uniformrock. Stolz ist Frau Letz auf wiedergefundene Exponate aus der DDR-Vergangenheit wie die Wandzeitung des FDJ-Jugendklubs von 1979, an der sie noch mitgewirkt hat oder der Stammbaum des Bauerngeschlechts Pape.

Das Deetz jedoch ein alter Zigeleiort ist, davon zeugen viele Ausstellungsstücke im Museum. Zwei Regale sind mit Ziegelsteinen gefüllt, die hier gefertigt wurden und die vor allem in Berlin benötigt worden sind. „Berlin wurde vom Kahn aus gebaut“, heiß in der Hauptstadt ein geflügeltes Wort, und dass es stimmt, zeigen auch die Deetzer. Von hier aus ging es über die Havel und Spree in die Innenstädte von Berlin und Spandau mit den Steinen an Bord. Die Modelle eines Ziegeleiwerks und eines Hoffmannschen Ringofens, gefertigt von Günter Fillies, kann man hier ebenfalls besichtigen. Ein Rundwanderweg im Ort führt zu den einzelnen Lehmlöchern, aus denen der Stoff für die Ziegel gewonnen worden ist.

Erinnerungen an den Mandolinenverein samt historischer Vereinsfahne und den Sängerverein schmücken die Wände, und ein originaler Brennabor-Kinderwagen schmückt die Mitte des Raums.

Im Museum kann man auch die inzwischen sechs unterschiedlichen Bücher über den Ort erwerben, und dass es mehr werden könnten, beweisen die vielen Ordner mit weiterem Material über Deetz.

Der Kampf der Deetz gegen die Begradigung der Havel und den Erhalt des Havelknies spiegelt sich jetzt in einem neuen Deetzer Logo, das auch auf T-Shirts und Mützen verewigt erworben werden kann, um die Heimatverbundenheit zu zeigen. Es wurde aus Anlass des 20sten Vereinsjubiläums im Jahr 2018 vorgestellt, das alte Wappen bleibt selbstverständlich weiterhin erhalten. Der Ort hat mehrfach am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilgenommen, hat 2002 zu den Kreissiegern gezählt und 2022 eine Anerkennungsurkunde samt 500 Euro Prämie erhalten. Im Erdgeschoss, das mit einem Aufzug auch für Mobilitätsbehinderte erreichbar ist, befindet sich eine Bücherstube, im Dorf auch eine Bücherzelle, wo Lektüre abgegeben und mitgenommen werden kann.

Die Veranstaltungsreihen, die pandemiebedingt ruhten, haben jetzt wieder begonnen. So gibt es jetzt wieder den monatlichen Kaffeeklatsch, der Dorfputz wird am 9. April stattfinden, und das Backofenfest mit dem Tanz in den Mai ist ebenfalls für den 30. April und 1. Mai terminiert. Am 4. Juni wird der Backofen ebenfalls angeheizt, um Pizza zu backen. Der große Adventsmarkt am ersten Adventswochenende ist über Deetz hinaus ein Anziehungspunkt, dann ist das Museum ebenso geöffnet wie am Aktionstag „Feuer und Flamme“ am letzten Samstag im Oktober. Sonst kann man es jederzeit nach Voranmeldung besuchen. Wechselnde thematische Ausstellungen bereichern das Angebot, und Filmabende sind geplant. Erwähnen sollte man auch, dass der Deetzer Heimatverein gerade aus einer Sammlung 850 Euro an die Ukraine-Hilfe überwiesen hat.

Übrigens, wer gut zu Fuß ist und mit der Bahn bis Groß Kreutz gefahren ist, der kann den Sonnensystemweg, auf dem die Planeten erklärt werden und kleine Findlingssteine auf die einzelnen Sonnentrabanten verweisen, nutzen. Der Weg führt vom Bahnhof aus über Feld und Flur direkt nach Deetz.

(Artikelfoto: Christiane Letz erklärt an einem Model die Funktion eines Hoffmannschen Ringofens)

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