Beelitz-Heilstätten: In Schwung gebracht – Sensenmahd und Innovationen

Beelitz-Heilstätten. Sabrina Wild ist aus Fresdorf gekommen, mit dabei eine ältere Sense und die Lust endlich zu lernen, wie man das Mähgerät bedient und schonend einen Blühstreifen oder Wiese behandelt. „Bei uns auf dem Dorf können es alle und auch mein Bruder ist ganz schnell mit der Sense“, lacht die Tierarzttochter, die ihr Dorf für lange Jahre verlassen hat und in der Stadt lebte. Jetzt ist sie wieder da und will es wissen.

„Lutz Pahl hat schon das Sensenblatt gerichtet“, zeigt sie auf zwei Schrauben am Schafft. Sie wusste gar nicht, dass es möglich ist und dass der Winkel zwischen Griff und Schneide so wichtig fürs Gelingen der Mahd ist.

Eine erste, theoretische Einführung gab der Beelitzer Spargelbauer Gerhard Jahn, der die Handhabung und den Vorgang auf der Terrasse von Social Impact Lab in Beelitz-Heilstätten erklärte. Die Macher des Labs haben zu dem Workshop eingeladen. „Es war vor etwa zwei Jahren, da sah ich wie der Hausmeister mit dem Rasenmäher die Flächen vor unserem Haus bearbeitete und staunte über die rigorose Handhabung“, erzählt Michael Kreutzer, Mitarbeiter von „Social Impact Lab“. Er dachte ans Insektensterben und Nachhaltigkeit. Deshalb kontaktierte Kreutzer Kerstin und Lutz Pahl vom Verein „Blühstreifen Beelitz“. Die beiden Buchholzer sagten zu und am Dienstag, 27.07.2021, fand der inzwischen zweite Workshop statt.

„Die Wildpflanzen sind die Basis der ökologischen Pyramide an deren Spitze der Mensch steht, ohne Wildpflanzen erstirbt das Leben“, erläuterte Kerstin Pahl, weshalb eine schonende Mahd mit der Sense und Sichel so wichtig ist. „Aber bitte setzt etwa 15 Zentimeter über dem Boden an“, bat Pahl, denn die Mahd sorgt zwar für eine ausreichende Belichtung des Bodens, aber die Pflanzen sollten nicht gänzlich entfernt werden, um das Überleben der Bodenvegetation zu erleichtern.

An dem Workshop nahm auch Heiner Klemp teil. Der Grüne-Landtagsabgeordnete und zwei seiner Mitarbeiter mähten fleißig mit, und es machte Klemp offensichtlich Spaß. „Es ist das erste Mal, dass ich es unter Anleitung versuche“, sagte der Oranienburger und hatte schnell den Dreh raus. Etwas schwerer fiel es dem Geschäftsführer von „Social Impact Lab“, Norbert Kunz. Die Handhaltung der Sense ist entscheidend, musste der Ökonom lernen. Die rechte Hand an den unteren Griff, die linke oben und dann gleichmäßig ziehen, erläuterte Pahl dem Rechtshänder die richtige Arbeitshaltung. Kunz stellte sich der Aufgabe und nach kleinen Anlaufschwierigkeiten funktionierte es doch.

Wesentlich flüssiger agierte er kurz zuvor. Bei einem Fachgespräch an dem neben interessierten Zuhörern, unter anderem von der Gemeinde Wiesenburg und „Smart City Bad Belzig“, Klemp und die Grüne Bundestagskandidatin Anna Emmendörffer teilnahmen, erläuterte Kunz das Wesen des „Social Impact Lab“ und das Sozialunternehmertum.

„Social Impact“ berät Ideengeber und verhilft Start-ups zum Erfolg. „Inzwischen haben wir die Gründung von rund 800 Unternehmen begleitet, die heute mehr als 7000 Arbeitsplätze stellen“, erzählte Kunz. Ihm war sehr wichtig, zwischen Sozialunternehmertum und Wohlfahrtsunternehme zu unterscheiden:

„Es geht nicht um die Angebote der Sozialverbände, es geht um nachhaltiges Wirtschaften mit dem Blick nicht nur auf den Gewinn, sondern auch auf die ökologischen Kosten.”

„Ich halte zum Beispiel Fortbildung nicht für Aufwand, sondern Vermögensbildung, und genau dort sollten diese in der Bilanz auftauchen, denn der Betrieb gewinnt dadurch qualifizierte Mitarbeiter und das zählt doch“, war ein Beispiel, das Kunze nannte. Ein anderes die Landwirtschaft. „Nachhaltiges Wirtschaften ist doch nicht teuer, es erhöht den Bodenwert und mehrt doch das Vermögen des Bauern. Wenn man die ökologischen Folgekosten berücksichtigen würde und nicht den kurzfristigen Gewinn, würde man auf einen echt Wert kommen und merken, was tatsächlich teurer ist“, so Kunze. Er sieht sich als einen Pionier. „Wir entwickeln Innovationen“, sagt er selbstbewusst.

„Mit unserem neuen Projekt LANDVISIONEN starten, stärken und bewahren wir soziale Innovationen im ländlichen Raum Brandenburgs. Bis unsere Plattform mit Informationen, Beratungs­möglichkeiten, Lern­angeboten und vielem mehr im Januar 2021 live geht, könnt ihr uns gerne mit euren Wünschen, Anregungen und Informationen erreichen und euch per Mail an kommunikation@socialimpact.eu für den Newsletter zu sozialen Innovationen im ländlichen Raum anmelden“, heißt es deshalb auch in der Selbstdarstellung des Unternehmens. Neben weiteren Labs in acht deutschen Großstädten, ist man deswegen in Beelitz ansässig.

Das Land-Lab Beelitz-Heilstätten bietet Platz für Schulungen, Workshops und Konferenzen rund um „Social Entrepreneurship und Coworking“ im ländlichen Raum sowie aus allen Tätigkeitsfeldern der Social Impact.

Die Ausführungen und die Aussage, dass gewinnorientierte Unternehmen, die die ökologischen Folgekosten nicht berücksichtigen, es einfacher haben Fördermittel zu generieren, führten bei Heiner Klemp zu dem Fazit, dass man die Fördermittelkriterien überarbeiten sollte. „Dafür werde ich mich stark machen“, versprach der Grüne-Landtagsabgeordnete.

Übrigens auch das gewonnene Heu fand eine Weiterverwertung. „Daraus wird Futter für Esel und Alpakas in Buchholz“, sagtete Lutz Pahl.

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