Spargelreihen zur Pacht: Aktion “Row of asparagus for rent” des Beelitzer Spargelvereins

Beelitz. Auch die Produzenten des köstlichen Beelitzer Spargels haben unter der Coronakrise zu leiden. Insbesondere fehlen seit Saisonstart Erntehelfer. Mit wärmeren Termperaturen droht das Problem noch größer zu werden. Zwar melden sich viele freiwillig, aber sie sind ungelernt. Den Spargel, den sie stechen, kann man essen, aber nicht verkaufen. Doch jetzt hat der Beelitzer Spargelverein eine besonders kreative Idee, wie sein Vorsitzender Jürgen Jacobs berichtet:

“Wir vermieten ab sofort Spargelreihen zum Selbststechen.”

Der von Laien gestochene Spargel wird dadurch zwar auch nicht besser, aber “da ihn diejenigen, die ihn gestochen haben, auch selbst essen, wird das ja wohl kein Problem mehr sein”. Die Preise stehen zwar noch nicht endgültig fest, wie Jacobs betont:

“Aber unsere ersten Kalkulationen legen einen Preis um zehn Euro pro Woche für einen Meter Spargelreihe nahe. Wir werden den Preis den Temperaturen und damit dem Ertrag anpassen. Auch ob mit oder ohne Folie wird eine Rolle spielen.”

Einen Haken hat die Sache allerdings für die Interessenten noch:

“Um Schäden durch eine eventuelle unsachgemäße Behandlung vorzubeugen, müssen wir eine Kaution von 5.000 Euro je Meter verlangen, die bei unbeschädigten Reihen selbstverständlich zurück gezahlt wird.”

Die Summe ist deshalb so hoch, weil sie notfalls nicht nur die Wiederherstellung der Reihe, sondern auch mögliche Ernteausfälle in den Folgejahren ausgleichen muss.

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Selbstverständlich hat man bei der Idee auch an das coronamäßige “social distancing” gedacht:

“Wir werden jeweils nur Abschnitte von mindestens drei parallelen Reihen mit einer Länge von mindestens 1,5 Metern verpachten.”

Spargelstecherinnen, Richard Muth
Spargelstecherinnen, gezeichnet von Richard Muth

Damit können die Neu-Spargelstecher jederzeit den erforderlichen Mindestabstand einhalten. Darüber hinaus setzen die Spargelbauern auf das Verantwortungsbewusstsein der Menschen.

Starten soll die Aktion am Donnerstag auf dem Spargelhof Schlunkendorf.  Die anderen Höfe folgen in den nächsten Tagen. Eine Übersicht über die teilnehmenden Höfe findet man auf der Seite des Beelitzer Spargelverein. Sollte die Aktion gut angenommen werden, dann ist eine Wiederholung in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen, sind sich die Spargelbauern der Zauche einig.

Als Nebeneffekt der Aktion erhoffen sich die Spargelbauern künftig mehr Verständnis für ihre mühevolle Arbeit des Spargelstechens und den erforderlichen hohen Preis für ihren Spargel.

Spargelfresser
Spargelfresser

Auch der Beelitzer Bürgermeister, Bernhard Knuth, ist begeistert:

“Die Idee zeigt einmal mehr, dass kreative Leute nicht nur in Berlin, sondern auch bei uns in der Zauche zu finden sind.”

Nur Gina-Luise Schrey ist traurig:

“Wegen des Virus kann ich als diesjährige Spargelkönigin die Aktion nicht so gut begleiten, wie ich mir das wünsche.”

In der Region stößt die Initiative dennoch bereits auf großes Interesse. Lisa Müller aus Brück zum Beispiel denkt dabei nicht nur an die eigene Versorgung. Sie will ihren Nachbarn Spargel vor die Tür stellen:

“Das Geld können sie mir dann online überweisen. So kommen die Corona-Risikogruppen berührungsfrei zu ihrem Spargel.”

Das Spargelstechen macht ihr nichts aus. “Das habe ich früher im eigenen Garten auch gemacht”, fast scheint es, als freue sie sich auf die Plagerei.

Wer an dem Angebot interessiert ist, findet HIER alle notwendigen Informationen.

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