Cammer: „Herrentuter“-Bewerbung als Immaterielles Kulturerbe abgelehnt

Cammer. Die nur noch in dem Zauche-Dorf Cammer praktizierte Sitte des „Herrentutens“ wird nicht in das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen. Das teilte das Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe der Initiative jetzt schriftlich mit.

Herrentuten, CammerIm Anschreiben wurde gelobt, dass

„Das Herren-oder Hirtentuten ein dynamischer Brauch ist und in der Regel von Jugendlichen ausgeübt wird. Der Antrag hebt hervor, dass der Brauch früher nur Männern vorbehalten war. Heute steht er aber 14-16-jährigen Jugendlichen aller Geschlechter offen. Das Expertenkomitee würdigt die Beteiligung auch von Menschen mit Behinderung ebenso wie die lebendige Verankerung der Kulturform in der Dorfbevölkerung“

, schrieben Prof. Dr. Christoph Wulf, Vorsitzender des Expertenkomitees und der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Udo Michalik.

Als Ablehnungsgründe werden mehrere Punkte hervorgehoben.

„Die Expertinnen und Experten konnten anhand der vorgelegten Bewerbungsunterlagen jedoch nicht ausmachen, dass der Antrag die Geschichte der Kulturform ausreichend kritisch reflektiert. Dies gilt insbesondere für eine fehlende Auseinandersetzung mit der Wiederbelebung des Brauchs „zu Beginn der 30er-Jahre“.

Cammer, Herrentuter
Unterweisung

Damit bezog man sich darauf, dass der Brauch Anfang der 30-er Jahre vom Dorflehrer Franz Hönow wiederbelebt worden ist.  Die Tatsache, dass ein Alleinstellungsmerkmal der Sitte herausgehoben wird, wurde ebenfalls als Manko bewertet, da dieses Merkmal dem Immateriellen Kulturerbe nicht gerecht wird,

Cammer, HerrentuterDer Brief endet mit einem Lob für das gezeigte Engagement im Bewerbungsverfahren und es wird betont, dass eine erneute Bewerbung jederzeit wieder möglich ist.

Jede Bewerbung durchläuft ein mehrstufiges Verfahren. Die Bewerbungen werden zuerst im heimatlichen Bundesland geprüft und danach weitergereicht. Die Entscheidung trifft letztendlich ein Expertenkomitee, das bei der Kulturministerkonferenz angesiedelt ist.

„Wir sind leicht enttäuscht, aber wir haben es immerhin versucht“, sagt Initiator Andreas Koska. Eigens für die Bewerbung wurde ein Buch herausgegeben, dass die Geschichte des Brauchs darlegt und Ähnlichkeiten zu weiteren, ähnlich gelagerten Sitten aufzeigt. Das Buch ist in allen Buchhandlungen erhältlich und kann beim Ortssinn-Verlag bestellt werden.

Andreas Koska, Die Himmelsleiter hinab – Die Cammerschen Herrentuter, 12,00 Euro, ISBN 978-3-9820869-3-4

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