52 mal Zauche, Teil 3: Ronald Hoffmann und die “Allee der Kinder“

Der Mensch

Ronald Hoffmann ist von Beruf Meliorationsingenieur, ein Beruf, den man automatisch mit Wetterfestigkeit und Zupacken verbindet. Tatsächlich strahlt Hoffmann genau das aus. Als Chef des Wasser- und Bodenverbandes Plane-Buckau mit Sitz in Golzow muss er das auch. Immerhin ist er mit seinen 10 Mitarbeitern für ein riesiges, 118.000 ha großes Gebiet verantwortlich. Es reicht vom Südrand Brandenburgs über die Zauche bis Niemegk, Bad Belzig, Wiesenburg und Ziesar.

Aufgewachsen ist der heute 54jährige Hoffmann in Damelang. Er besuchte die Schulen in Cammer und Damelang, die es damals noch gab, und später die in Brück. Als er zwölf Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm in das unweit gelegene Planestädtchen. Er machte das in der DDR populäre Abitur mit Berufsausbildung. „Man hatte einen Beruf und das Abitur, eine tolle Sache“, findet Hoffmann noch heute.

Die künftige berufliche Entwicklung war ihm schon in die Wiege gelegt worden:

„Auch mein Vater arbeitete in der Wasserwirtschaft. Da habe ich bereits als Jugendlicher viel kennen gelernt.“

Ronald Hoffmann, Damelang, Allee der Kinder
Ronald Hoffman

 

Hoffmann wurde von der Meliorationsgenossenschaft Brück auf die Agraringenieurschule Fürstenwalde geschickt. Drei Jahre lang studierte er dort. Danach, es ist schon die Wendezeit, bekommt er einen Job bei der Genossenschaft, die ihn zum Studium delegiert hatte. Als sich seine damalige Projektierungschefin selbständig machte, folgte er ihr in den neuen Betrieb. Später ergriff er die Chance für seinen heutigen Job.

Im Jahre 1994 kaufte Hoffmann eines der Damelanger LPG-Häuser und zog zurück in seinen Heimatort:

„Mein Ziel war immer Damelang!“

Er will sich einbringen, seine Heimat voranbringen:

„Viele klagen, hier ist nichts los. Aber man muss selbst etwas los machen!“

Nach vier Jahren zurück in Damelang kandidierte Hoffmann als Einzelkämpfer für die Gemeindevertretung – und wurde gewählt. Recht bald schloss er sich der Fraktion „Freie Bürger und Bauern“ an. Die Eigenständigkeit der Gemeinde Planebruch ist für ihn sehr wichtig:

„Wir haben zwar wenig Geld, aber darüber können wir selbst entscheiden.“

Immerhin haben alle zugehörigen Dörfer einen Jugendclub und bis auf Oberjünne alle auch ein Gemeindehaus. Aber auch dort soll in den nächsten Jahren ein Gemeindehaus entstehen.

Bei der bevorstehenden Kommunalwahl will Hoffmann wieder kandidieren. Zwei Anliegen sind ihm dabei besonders wichtig. Der Schulbus soll wie in seiner Kindheit wieder in das Dorf hineinfahren. Bisher warten die Kinder auf einem schmalen Bürgersteig an der L 85 auf den Bus:

„Es muss ja nicht erst etwas passieren.“

Genauso engagiert kämpft er mit vielen aus den Dörfern entlang der L 85 für einen Radweg von Golzow nach Brück:

„Im Osten haben wir den Truppenübungsplatz, im Westen die geschützten Belziger Landschaftswiesen. Wir können uns nur entlang der L 85 bewegen.“

Das soll sicher und nicht nur im Auto möglich sein.

Der besondere Ort

Den Ort, mit dem ihn in der Zauche besonders viel verbindet, hat Hoffmann gemeinsam mit anderen Damelangern selbst geschaffen. Zur 800-Jahr-Feier 2015 befragte das Festkomitee, bei dem Hoffmann den Hut aufhatte, die Einwohner nicht nur, welche Veranstaltungen sie wollten, sondern überlegte auch, wie sie etwas für künftige Generationen schaffen könnten. Man sammelte Kochrezepte für ein Damelanger Kochbuch und errichtete einen Gedenkstein. Es gab fast 30 Veranstaltungen.

Aber das alles reichte Hoffmann und seinen Mitstreitern noch nicht. Bis heute schwärmt Hoffmann von der Idee einer Damelanger Familie, die sie schließlich am 1. November des Jubiläumsjahres umsetzten, von der „Allee der Kinder“. Alle Einwohner wurden aufgerufen, entlang der Alten Dorfstraße für ihre Kinder, Enkel und sich selbst einen Baum zu pflanzen. Ausgesucht wurden Traubeneichen, heißt doch Damelang übersetzt „Eiche auf morastigem Grund“.

Damelang, Allee der Kinder
“Allee der Kinder” in Damelang im Januar 2019

Das Festkomitee besorgte die Bäume, bereitete die Pflanzlöcher vor, stellte Pflanzstöcke und Wasser bereit. Der Damelanger Fastnachts- und Freizeitverein e.V. (DFFV) sponserte außerdem vier Bänke. Vor der Aktion musste noch der Weg, der im Laufe der Zeit ein wenig aus seinem Flurstück herausgewandert war, teilweise neu angelegt werden. Außerdem konnte jede teilnehmende Familie sich eine eigene Plakette anfertigen lassen. Die Baumstellen wurden nach dem Losverfahren verteilt. Zum Start wurde noch einmal erklärt, wie die Bäume richtig gepflanzt werden.

Ronald Hoffmann, Damelang, Allee der Kinder
Ronald Hoffmann mit dem Baum seiner Familie in der Damelanger “Allee der Kinder”

Insgesamt wurden 96 Bäume an diesem Tag gemeinsam von den Einwohnern eingesetzt. Mit Erfolg, obwohl sie entgegen dem Dorfnamen auf sandigem Grund angepflanzt wurden. Nur ganz wenige Bäume wuchsen nicht an und mussten erneuert werden. Sorgen bereitet jetzt der letzte extrem trockene Sommer. Hoffmann hofft jetzt, dass alle im Frühjahr wieder grün werden:

„Dann kann man dort verweilen, seinen Gedanken nachhängen, den eigenen Baum besuchen.“

Wenn man ihm zuhört, sieht man bereits die künftigen Dorfbewohner unter den mächtigen Kronen der eigenen Eichen flanieren und über die weitere Entwicklung des Ortes sprechen.

Der Stolz und die Begeisterung sind Hoffmann jedenfalls bis heute anzumerken, wenn er über die 800-Jahr-Feier und besonders über die „Allee der Kinder“ spricht:

„Da haben wir alle gemeinsam eine tolle Sache gestemmt!“

Ronald Hoffmann, Damelang, Allee der Kinder
Die Plakette der Hoffmanns

Die „Allee der Kinder“ zeigt, was ein Dorf erreichen kann, wenn alle an einem Strang ziehen:

„Mit der 800-Jahr-Feier ist unser Dorf noch mehr zusammengewachsen.“

Zwei, dreimal im Jahr gibt es jedes Jahr einen Arbeitseinsatz. Federführend ist dabei der Damelanger Fastnachts- und Freizeitverein e.V. Beim letzten wurde eine Terrasse am Gemeindehaus angelegt:

„Wenn man die Leute anspricht, machen sie mit.“

Es braucht nur einiger, die die anderen mitziehen. Solche Leute gibt es in Damelang. Hoffmann ist einer von ihnen.

(Die  Bilder von 2015 wurden vom Festkomitee zur Verfügung gestellt.)

Die Reihe “52 mal Zauche” wird gemeinsam mit der “BRAWO/Ausgabe Bad Belzig” publiziert und stellt Menschen und ihre besonderen Orte vor.

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