Feuerwehreinsatz in Fichtenwalde – Ein Rückblick aus Gömnigk

Vergangenen Donnerstag gegen 14:30 Uhr heulen die Sirenen der Feuerwehr in Gömnigk – nur wenig davor fand die erste Alarmierung in Fichtenwalde selbst statt. Der Pieper sagt: BSE. Das bedeutet für uns zunächst: sammeln an der Wehr in Brück. Dort werden wir schon erwartet und einem ausrückbereiten Fahrzeug zugeteilt. Noch schnell ein paar Sixpacks Mineralwasser in das Löschfahrzeug geworfen – man weiß ja nie, wie lange das geht. Es sollte sehr lange werden.

Brandschutzeinheit (BSE):

Die Brandschutzeinheiten des Landes Brandenburg (Abkürzung: BSE) sind Einheiten, die wegen der hohen Waldbrandgefahr geschaffen wurden. Generell sind sie aber auch für andere Brand- und Großschadenslagen vorgesehen.

Es existieren insgesamt 15 Einheiten. Die Brandschutzeinheiten haben jeweils eine Sollstärke von 1:73 (1 Einheitsführer und 73 Einsatzkräfte) und 15 Fahrzeugen.

Die Einsatzkräfte bestehen im Wesentlichen aus ehrenamtlichen Kräften der Freiwilligen Feuerwehren Brandenburgs. Die Fahrzeuge sind üblicherweise in Feuerwehrhäusern bzw. Feuerwachen dieser Feuerwehren untergebracht und werden auch für den regulären Einsatzdienst eingesetzt.

Im Einsatzfall sammeln sich diese je nach Anforderung an so genannten Sammelplätzen und begeben sich dann gemeinsam zum Einsatzort. Die Einheiten sind je nach Lage innerhalb von ca. 4 Stunden zum Abmarsch bereit. Daher eignen sich diese Einheiten, um die ersten Einsatzkräfte einer Großschadenslage abzulösen bzw. weiter zu unterstützen.

Der nächste Anlaufpunkt ist der Sammelplatz am Spargelhof in Klaistow. Schon in Borkheide kommt uns der umgeleitete Autobahnverkehr entgegen – Vollsperrung auf der A9. Außerdem ist hier bereits der Brandgeruch wahrnehmbar. Auf dem Sammelplatz herrscht emsiges aber wohlkoordiniertes Treiben. Uns wird ein Stellplatz zugewiesen, wo unsere Einheit zusammengestellt wird.

Im Sekundentakt treffen Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge aus sämtlichen umliegenden Gemeinden ein. Jeder wird eingewiesen und, sobald die Einheit vollständig ist, an seinen Einsatzort geschickt. Wir fahren direkt an die A9.

In Fichtenwalde stehen die Einwohner mit Sorgenfalten im Gesicht vor ihren Häusern. Am Löschbrunnen warten zahlreichen Löschfahrzeuge auf Befüllung. Wir fahren „im Gegenverkehr“ auf die A9 Richtung Berlin. Die Fahrbahn Richtung Leipzig ist schon voll gesperrt, die andere bald danach. Eine Riegelstellung soll aufgebaut werden: Schläuche entlang der Autobahn, in regelmäßigen Abständen ein Verteiler, von dem Strahlrohre zur Brandbekämpfung abzweigen. Wir besetzen unseren Bereich, und wenn der Wind im Wald Glutnester zum Aufflammen bringt, greifen wir ein.

Mal scheinen die riesigen Rauchwolken über dem Wald weniger zu werden, dann nimmt der Qualm wieder zu. Meist steht uns der Wind im Rücken, bläst also den Rauch von der Autobahn in den Wald. Für uns günstig. Nach mehreren Explosionen darf der Wald nicht mehr betreten werden. Es bleibt ein mulmiges Gefühl, wenn man näher an den Wildschutzzaun tritt, um entferntere Flammen zu erreichen. Auf der gesperrten Autobahn fahren Löschfahrzeuge im Minutentakt: Sie liefern das Löschwasser aus Fichtenwalde an. Auch die Kradmelder sind regelmäßig unterwegs.

Bei Einbruch der Dunkelheit bauen wir unsere Technik ab. Die Hauptleitung bleibt liegen, für den Fall der Fälle. Rückzug zum Einsatzlagezentrum in Klaistow. Das THW versorgt uns mit Essen, Privatpersonen haben Eis organisiert (Danke!). Nach der Mahlzeit geht es nochmal zurück zum Sammelplatz. Eventuelle weitere Einsätze an diesem Abend müssen geklärt werden. Doch Brandschutzeinheiten aus anderen Landkreisen übernehmen. Letztendlich heißt es für uns: Abmarsch! Abschließend folgt noch kollektives Tanken in Glindow – die ganze Tankstelle ist voller Feuerwehrfahrzeuge!

In Brück wird das Tanklöschfahrzeug aufgeräumt, danach zieht sich, wer noch Lust und Laune hat, zum Feierabendbier in die Wache nach Gömnigk zurück. Es ist 1 Uhr.

Am Freitag geht die Gömnigker Sirene um 8:42 Uhr. Wieder geht es los. Diesmal gibt es gleich am Sammelplatz in Klaistow Frühstück. Danach wird, ähnlich wie am Vortag, eine Riegelstellung aufgebaut, diesmal stehen wir aber am Europaradweg R1. Dank der Kameraden aus Magdeburg und Hannover werden heute bis zu 8000 Liter pro Minute aus dem Schwielowsee über knapp fünf Kilometer an den Einsatzort gepumpt. Zwischendurch gibt es Mittagessen in Klaistow, unser Einsatz ist gegen 18 Uhr beendet.

Diesen Einsatz werden wir so schnell nicht vergessen. Wir danken allen Kameraden für die professionelle Zusammenarbeit und sind glücklich und auch ein wenig stolz, dass wir dazu beitragen konnten, dass keine Menschen zu Schaden kamen.

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