“Was bewegt dich?” – Interview mit Halyna Sushynska aus Kiew, zur Zeit in Damelang

Damelang. Zauche 365 und Fläming 365 fragen 30 Menschen, was sie aktuell besonders bewegt. Unser Ziel ist eine Momentaufnahme des Denkens und Fühlens der Menschen in der Region, insbesondere vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine und der in der Folge auftretenden Probleme und Konflikte. Wir wollen Leserinnen und Leser zum eigenen Nachdenken anregen.

Interviewpartnerin in diesem Interview ist Halyna Sushynska, 48 Jahre alt, Mathematiklehrerin, März 2022 aus Kiew geflohen. Das Interview fand mit freundlicher Unterstützung von Marina Polinna statt, die als Übersetzerin tätig war.

Was bewegt Sie im Augenblick?

Ich besuche momentan einen Deutschkurs. Ich bin sehr beschäftigt mit den Papieren. Wenn ich wieder als Lehrerin arbeiten möchte, muss ich viele Papiere übersetzen und nach Bonn schicken. Irgendwann muss ich eine Prüfung machen für mein Diplom. Als Lehrerin brauche ich ein C1-Zertifikat. Andere Berufe brauchen das nicht. Als Lehrerin brauche ich das. Das dauert natürlich alles ein bißchen. Ich werde lange lernen müssen. Bis zum C1-Zertifikat ist es ein wenig kompliziert. Ich würde gern als Mathematiklehrerin in Deutschland arbeiten. Dafür brauche ich gute Sprachkenntnisse.

Wie sieht Ihr Alltag zur Zeit aus?

Ich besuche einen Deutschkurs viermal in der Woche von 12.30 Uhr bis 15.30 Uhr. Um 6 Uhr stehe ich auf. Ich fahre mit dem Bus von Damelang nach Golzow und dann nach Brandenburg. Ich habe das Problem, dass ich in Golzow zwei Stunden auf den Bus warten muss. In Golzow gibt es nicht viele Möglichkeiten, zwei Stunden irgendwo zu warten. Ich kenne nicht viele Menschen in Golzow, wo ich warten könnte. Zeit ist Gold. In zwei Stunden könnte ich viel zu Hause machen. Ein Radweg von Damelang nach Golzow wäre eine Lösung, aber es gibt keine Wege. Auf der Straße zu fahren, ist zu gefährlich. Es ist dunkel. Ich habe einen Führerschein, aber kein Auto. Ich möchte nicht ständig um ein Auto bitten müssen.

Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?

Ich habe keine Familie in der Ukraine. Ich bleibe hier. Ich mag Deutschland. In Deutschland gibt es viele Möglichkeiten. Ich bin allein. Warum nicht? Die Menschen in Deutschland verdienen mehr. Hier ist es ruhig, es gibt frische Luft und nette Leute. Ich bin dankbar, dass es hier so nette Leute gibt, was die alles getan haben, um zu helfen. Das ist Wahnsinn. Sie sind hilfsbereit gewesen mit den Papieren und allem. In einer Großstadt wie Berlin zu leben, könnte ich mir nicht vorstellen.
Bis Mai geht mein Deutschkurs. Dann kommt die Prüfung für das B1-Zertifikat. Danach geht es weiter über B2 bis hin zum C1-Zertifikat. Danach möchte ich gern arbeiten als Lehrerin. Wie es genau weitergeht und wie lange das noch dauert, kann ich nicht sagen.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Alle Was-bewegt-dich-Interviews auf Zauche 365 findest du HIER. Außerdem empfehlen wir dir auch die entprechenden Interviews auf Fläming 365)


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