Zukunft in und für Beelitz gestalten – aber wie?

Stadt Beelitz. Entwicklung bringt immer auch Veränderung mit sich. Leider besteht Entwicklung in unserem Land viel zu oft darin, der Natur Gebiete zu entreißen. Wir nehmen der Natur ständig mehr Flächen und formen sie um für unsere Bedürfnisse. Wir nennen dies Entwicklung, Fortschritt und Wachstum – alles sehr positive Begriffe. Die nachteiligen Effekte dieses Vorgehens werden dabei meist billigend in Kauf genommen oder ausgeblendet. Täglich werden in unserem Land rund 56 ha Fläche der Natur entnommen und u.a. für Siedlung oder Verkehr neu entwickelt. Das Entspricht einer Größenordnung von ca. 79 Fußballfeldern – TÄGLICH!

(Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit – Flächenverbrauch, worum es geht?)

Auch Beelitz entwickelt sich – so nennen wir es und meinen eigentlich, es wächst und wächst mehr und mehr in ehemalige Naturräume hinein. Immer mehr Menschen sollen und wollen hier wohnen. Letzens war in einer großen Zeitung zu lesen, dass heute mehr Menschen in Deutschland wohnen als jemals zuvor – so viel zur demografischen Entwicklung und den Vorhersagen dazu (Welt vom 21.02.2021 – „Noch nie lebten in Deutschland so viele Menschen wie derzeit“ – aktuell mehr als 83 Millionen Menschen – zitiert aus dem Demografie politischen Resümee der Bundesregierung). Man kann das gut finden, muss es aber nicht! Und man muss sich die Konsequenzen klarmachen.

Und auch wenn die Städte gepriesen werden – wer es sich leisten kann und seinen Kindern ein gutes Umfeld bieten möchte, der zieht gerne raus ins „Noch-Grüne“. Sicher ist, immer mehr Menschen bedeutet neben immer mehr Wasserverbrauch z.B. immer mehr versiegelte Fläche, immer mehr Wohnraum und immer mehr Infrastruktur. Dieser Konflikt tritt grade an vielen Stellen im Beelitzer Stadtgebiet deutlich zu Tage.

In Beelitz-Heilstätten, dessen Ausbau gleich mit illegalen Baumfällungen von Jahrhunderte alten Bäumen begann, ist es Tag für Tag zu beobachten. Und hier soll es, wenn es nach dem Willen der Planer und Investoren geht, noch einmal zu einer weiteren massiven Zerstörung von Naturraum kommen. Zusätzlich zu den schon gefällten Flächen sollen noch einmal riesige Flächen in das angrenzende Waldgebiet hinein gefällt werden. Dazu die Pläne, das wenige Niederschlagswasser, von der Natur dringend benötigt, aufzufangen und in einem Teich zu sammeln. Sicherlich für die Kaufinteressenten ein Argument, noch tiefer in die Tasche zu greifen. Für die Bäume und Pflanzen in Beelitz Heilstätten ein weiterer Sargnagel.  Wie solche Pläne heutzutage überhaupt noch entstehen können muss man nicht verstehen! Natürlich sind wir alle froh zu sehen, wie die alte Bausubstanz endlich grundlegend saniert und erhalten wird. Aber einen riesigen neuen Ortsteil aus dem Boden zu stampfen mit dem entsprechenden Natur- und Wasserverbrauch – das muss diskutiert und in Frage gestellt werden dürfen.

Genauso kritisch darf die Ansiedlung der gesamten Kreisverwaltung von Potsdam-Mittelmark auf der anderen Seite der Gleise gesehen werden. Warum? Alle Behörden sind gut untergebracht und das z.T. in neuen Gebäuden. Warum muss hier zentralistisch und mit großem Naturverbrauch verbunden, alles neu untergebracht werden?! Auch die vielen zusätzlichen Fahrwege für die Angestellten seien in diesem Zusammenhang erwähnt. Dazu kommen noch weitere Abholzungen auf der anderen Seite der Landstraße für noch mehr Häuser. Hier bekommen das „grüne Image“ und die „grüne Entwicklung“ unserer Stadt schon einen gift-grünen Charakter.

BI Naturwald, Waldkleeblatt, Rodungen; Fichtenwalde
Rodungen in Fichtenwalde (c) privat

In Fichtenwalde ist erneut Wald für etliche Baugrundstücke hinter dem Wasserwerk gefällt worden. Diese Baugenehmigung wurde noch vor der Jahrtausendwende erteilt. Unfassbar aus heutiger Sicht – aber heute noch rechtskräftig und somit nicht zu verhindern. Bedauern und darauf hinweisen wollen wir trotzdem. Kaum nachzuvollziehen ist zudem, dass die Gesetzeslücke, die es Bauherren ermöglich, die Grundstücke komplett zu roden, immer noch nicht geschlossen werden konnte. Auch hier werden wir unbequem immer wieder darauf hinweisen und darauf drängen, diesen Missstand zu beseitigen.

Und dann noch die Pläne der Stadt, das Freibad in einen Bereich hinein zu bauen, der wunderbaren alten Baumbestand und schützenswerte Moorzellen aufweist. Auch hier sollte hinterfragt werden, warum nicht ein anderer Standort gefunden wird, der nicht so starke Eingriffe in die Natur darstellt. Auch wenn die Suche nach der besten und intelligentesten Lösung dauert und ärgerliche Verzögerungen mit sich bringt, so sollten wir diesen Preis für eine gute und nachhaltige Lösung gerne zahlen.

Warum werden in Brandenburg mit einem „grünen“ Umweltminister weiter WKA auch in Wälder gebaut? Andere Bundesländer machen es vor und stoppen diese wahnwitzige Entwicklung. Aber auch mit einem „grünen“ Umweltminister werden solch „gift-grünen“ Entscheidungen gefällt und unser Wald und die Tiere des Waldes getötet. Wenn Ideologie und Profitgier jedes Sachargument erdrücken, sollten bei uns Bürgern die Alarmglocken läuten!

Wie gesagt, wir sprechen uns nicht generell gegen eine Weiterentwicklung der Region aus. Diese Entwicklung aber immer mit Naturverbrauch zu ermöglichen, halten wir nicht für nachhaltig und versuchen im Gespräch auf unterschiedlichsten Ebenen andere Lösungen zu finden und zu forcieren.

BI Naturwald, Waldkleeblatt, Rodungen; Beelitz-Heilstätten
Rodungen in Beelitz-Heilstätten (c) privat

Wir als BI Naturwald und Teil des Waldkleeblattes e.V. machen uns in den verschiedensten Gremien und mit sehr unterschiedlichen Aktionen stark dafür, abzuwägen und sich nicht von Scheinargumenten wie „die Welt und das Klima retten“ verblenden zu lassen. Wir versuchen, der Vernunft und der Abwägung vor Ort wieder Gehör zu verschaffen und setzen uns weiter ein für den Erhalt der Natur in unserer Heimat. Wir finden schon dieses Ziel lohnenswert und herausfordernd. So halten wir z.B. die Entwicklung des versiegelten Bekina-Geländes hin zu einem Wohngebiet für gelungen. Und wir versuchen Einfluss zu nehmen auf die Entwicklung unserer Straßen um auch die Alleen zu schützen und weitere Abholzungen zu verhindern. Leider konnten wir die Abholzung der Jahrhunderte alten Eichen entlang der Bundesstraße B246, Brücker Straße in Beelitz nicht verhindern. Nun engagieren wir uns für die Alleebäumen in Fichtenwalde entlang der Berliner Straße, denen das gleiche Schicksal droht.

Derzeit können Sie sich in Fichtenwalde und auch in Borkheide ein Bild davonmachen, wie viele Bäume nur für den Standort eines Windrades gefällt werden. Wir informieren mit einem Flyer zu der Aktion und kämpfen weiter für unseren Wald.

Leider konnten wir aufgrund der Corona-Situation letztes Jahr nicht mit Kindern im Wald Laubbaum-Stecklingen setzen. Für dieses Jahr hoffen wir, es realisieren zu können. Die vielen tausend Stecklinge der Pflanzaktion 2019 mit Kindern der Grundschule Fichtenwalde sind toll angewachsen. Die Aktion fand in einem Waldgebiet statt, dass der Stadt Beelitz gehört. Ohne die Unterstützung der Stadt Beelitz und ihres Bürgermeisters, Herr Knuth, und des Stadtförsters Herrn Schmidt wären diese Aktionen nicht möglich.

Aktuell konnten wir ein Insektenhotel aufstellen beim Jugendclub in Fichtenwalde, dass von der Zimmerei Meyer GmbH aus Busendorf gespendet und aufgebaut wurde. Dieses hoffen wir nun gemeinsam mit Kindern des Kindergartens befüllen zu können, natürlich unter Einhaltung der Corona-Verordnungen. Die Stadt Beelitz und der Ortsbeirat von Fichtenwalde unterstützten dieses Projekt.

Zur Landesgartenschau 2022 planen wir mit Unterstützung der Stadt Beelitz eine Ess-Straße zu pflanzen mit vielen Früchte tragenden Bäumen in der Charlottenburger Straße. Der nächste Schritt für dieses Projekt wird sein, den Ortbeirat von Fichtenwalde von der Idee zu begeistern. Die Stadt Beelitz hat schon Unterstützung signalisiert. Vielleicht finden sich ja noch weiter Interessenten für dieses Projekt.

Wir bleiben auf alle Fälle engagiert für den Erhalt von möglichst viel Natur in unserer Heimat. Und wenn Sie mitmachen möchten – wir freuen uns über jede Unterstützung!

(Meike Johannink, Daniela Herstowski, Sprecherinnen BI Naturwald im Waldkleeblatt – Natürlich Zauche e.V. | Artikelfoto: Rodungen in Beelitz-Heilstätten (c) privat)

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