Schäpe hat wieder eine Orgel

Schäpe. Nach 76 Jahren sind im Beelitzer Ortsteil Schäpe endlich wieder Orgelklänge zu hören! Der Förderverein Schinkelkirche Schäpe e.V. hat jetzt ein Instrument für das in den vergangenen Jahren liebevoll sanierte Gotteshaus angekauft und aufstellen lassen. Finanziert wurde es aus Spenden von Schäper Bürgern, welche der Verein im Vorfeld eingeworben hatte, sowie aus Mitteln des Vereins selbst. „Damit ist für uns alle ein Traum wahrgeworden“, freut sich der Vorsitzende des Fördervereins Hartwig Remy.

Schäpe, Schinkelkirche
Schinkelkirche Schäpe

Das Instrument hat eine weite Reise hinter sich, denn ursprünglich stand es in der Domkirche St. Victor in Xanten (Nordrhein-Westfahlen), also am anderen Ende der Bundesrepublik. Es war eines von fünf Angeboten, aus denen die Schäper, allem voran der Gemeindekirchenrat und der Förderverein, mit Unterstützung des Bad Belziger Kantors Winfried Kuntz auswählen konnten. Kuntz ist auch Orgelsachverständiger der Evangelischen Landeskirche und hatte bereits vor drei Jahren seine Hilfe angeboten. Nun hatte er auch mit den Anbietern verhandelt, der Kaufpreis wurde letztendlich auf 8000 Euro festgesetzt.

Bei dem Instrument handelt es sich um eine Simon-Orgel mit sechs Registern. Sie hat eine Höhe von gut 2,50 Metern und ist 1,90 Meter breit. Aufgestellt wurde sie Anfang März vom Michendorfer Orgelbaumeister Stegmüller, nachdem sie aus Xanten abgeholt worden war. Aufbau und Transportkosten lagen noch einmal bei 4500 Euro.

Zur ursprünglichen Schäper Orgel gibt es übrigens recht detaillierte Informationen:

Sie kam am 6. April 1886 in Beelitz-Heilstätten an und wurde damals per Fuhrwerk nach Schäpe gebracht. „Diesen Transport übernahmen die Bauern Friedrich Bölke und Albert Schwericke“, berichtet Hartwig Remy. Eingebaut wurde sie dann von den Zimmerleuten Wilhelm Frohloff und Otto Zimmermann, beide aus Beelitz. Die Kosten für die Orgel betrugen damals 576 Mark, hinzu kamen Transport und Einbau, was noch einmal unterm Strich gut 110 Mark kostete. Die Malerarbeiten übernahm Walter Klingbeil aus Beelitz, so verraten es die Aufzeichnungen. „Es gab noch lange keine Elektrizität, und somit musste der Balg noch getreten werden musste“, so Remy. Auch dazu gibt es einen Namen: An Karl Hornig wurden in der ersten Zeit 40 Mark im Jahr für genau diese Aufgabe gezahlt.

Zerstört wurde die Orgel am 29. April 1945 durch Granaten-Beschuss, der auch die Kirche selbst stark in Mitleidenschaft gezogen hatte – was für Folgeschäden bis in unsere Zeit gesorgt hatte. 2012 begann nach langen Vorüberlegungen und -arbeiten die Sanierung der Schinkelkirche. Schon damals hatte man im Hinterkopf, dass man auch eine Orgel brauchen würde, doch trat diese Aufgabe erst einmal hinter dem weitaus größeren Kirchensanierungs-Projekt zurück. Nachdem das Turmdach durch den Förderverein saniert werden konnte, begleitete die Stadt Beelitz als Partner die weiteren Bauabschnitte und konnte dafür auch Eigen- und Fördermittel von der EU einsetzen.

Heute, nach Abschluss der Sanierungsarbeiten, kann das Gotteshaus dann auch für kulturelle Zwecke wie Konzerte genutzt werden – jetzt auch mit Orgelbegleitung. Hartwig Remy:

„Wir freuen uns sehr darüber – und wir freuen uns, wenn wir unsere Orgel gemeinsam mit den Schäpern einweihen können.“

Schäpe, Schinkelkirche
Schinkelkirche Schäpe

(Thomas Lähns | Fotos: Thomas Lähns und Förderverein)

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