Das „Ur-Beelitz“ zwischen Wasser und Wiesen – Archäologische Funde belegen slawische Besiedelung auf der Archeninsel. Dort soll für die Landesgartenschau ein Slawendorf nachgebaut werden

Beelitz. Was bisher nur vermutet werden konnte, ist jetzt belegt: Auf der Archeninsel zwischen der Nieplitz und den Beelitzer Bullenwiesen befand sich bis ins Mittelalter hinein eine Siedlung slawischen Ursprungs. Bei Bodenuntersuchungen sind unlängst zahlreiche Keramikscherben, Knochenfragmente und mehrere Holzstämme gefunden worden. „Hier könnte das Ur-Beelitz gelegen haben“, schätzt Grabungsleiter Michael Böhm, der mit der Firma Archäokontrakt die Bauarbeiten auf dem künftigen Landesgartenschaugelände in der Spargelstadt archäologisch begleitet.

In einer Urkunde Kaiser Ottos III. aus dem Jahre 997 ist die Rede von einem „burgwardium belizi“ im slawischen Gau Bloni, also einer größeren Siedlung mit Zentrums- und auch Wehrfunktion. Die Lage zwischen einem Fluss und einem Nebenarm, der hier bis vor mehreren Jahrzehnten mit dem Mühlenfließ abzweigte, wäre eine ideale Voraussetzung gewesen. Dass das heutige Beelitz dann mehrere hundert Meter weiter nordöstlich errichtet wurde, könnte man so erklären: „Möglicherweise ist es in diesem Bereich irgendwann zu feucht geworden und die Menschen sind umgezogen“, schätzt Böhm.

Die Funde könnten vor dem Hintergrund der Landesgartenschau kaum passender sein: Genau an diesem Ort, wo sich die Siedlung nachweisen lässt, entsteht ein Slawendorf. Geplant sind mehrere kleine authentische Bauten aus Holz und Stroh, gruppiert um einen überdachten Dorfplatz. Hier sollen im Rahmen des „Grünen Klassenzimmers“ Schülergruppen einen Einblick in die heimische Natur erhalten, insgesamt 250 Veranstaltungen sind in Zusammenarbeit mit der Grünen Liga geplant. Auch danach soll das „Slawendorf an der Nieplitz“ Kindern und Jugendlichen für den Unterricht zur Verfügung stehen.

„Wir haben unser Slawendorf bewusst an dieser Stelle geplant, da es schon immer hieß, dass sich hier vor langer Zeit eine Burg oder etwas Ähnliches befunden haben muss“, so Bürgermeister Bernhard Knuth, der zugleich erster Geschäftsführer der Gartenschaugesellschaft ist:

„Dass wir nun handfeste Beweise dafür bekommen haben, ist eine kleine Sensation und zeigt, wie wertvoll die Arbeit der Archäologen ist. Nicht zuletzt sind die aktuellen Funde ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass es sich bei dem urkundlich erwähnten „belizi“ tatsächlich um unser Beelitz, oder zumindest eine Vorgängersiedlung an der Nieplitz, handelt.“

Im Grünen Klassenzimmer zur Landesgartenschau wird dann natürlich auch die Stadtgeschichte eine Rolle spielen, und die lässt sich vor dem Hintergrund der aktuellen Funde weiter zurückverfolgen als es jede Chronik schafft. Unter anderem wurden bei den Grabungen mehrere bearbeitete Baumstämme gefunden. Archäologe Böhm vermutet, dass sich an jener Stelle ein Lagerplatz befunden hat. Die Stämme sind innen ausgehöhlt, was darauf hindeutet, dass sie für eine Wasserleitung verbaut werden sollten. Ein weiterer Stamm indes dürfte als Bauholz vorgesehen gewesen sein: Circa fünf Meter lang und im unteren Bereich angekohlt. „Damit wurden Baumstämme konserviert, damit sie unter der Erde nicht schimmeln.“

Beelitz, LAGA, Bodenuntersuchungen, belizi

In einer Schicht, die in rund 40 Zentimetern Tiefe liegt, sind dann noch viele weitere Funde zutage gefördert worden, unter anderem Tierknochen und Werkzeuge wie ein Angelhaken. Auch die verzierten Keramikscherben stützen die These von der slawischen Siedlung, die dann später in eine mittelalterliche übergegangen sein dürfte. In einer noch tiefer gelegenen Erdschicht hat der Archäologe auch vereinzelt bronzezeitliche Keramikstücke gefunden. Erst vor einigen Wochen waren ähnliche Funde rund einen Kilometer flussabwärts bei Grabungen aufgetaucht. Die dortigen Scherben weisen in Verbindung mit Knochenfragmenten auf eine Begräbnisstätte hin. Noch viel älter, nämlich bis zu 9600 Jahre, sind Splitter von Feuerstein, die Michael Böhm auch an der aktuellen Grabungsstelle gefunden hat. Das Material wurde in der Mittelsteinzeit, dem Mesolithikum, für Waffen und Werkzeuge verwendet.

Das allerdings sind nur Indizien und keine echten Befunde. Trotzdem: „Die Menschen haben sich hier scheinbar schon immer wohl gefühlt“, erklärt Michael Böhm. Insgesamt habe man einen guten Ausschnitt der Siedlungsgeschichte finden können. Die Grabungen sind in diesem Bereich mittlerweile abgeschlossen, die Funde sind erfasst, kartographiert und gesichert worden, bleiben größtenteils im Boden. „In 500 Jahren können sich dann die Kollegen weiter darum kümmern“, so der Archäologe. Und bis dahin wird sicher wieder ein bisschen Material dazukommen – was dann unzweifelhaft belegt, dass in Beelitz nicht nur Menschen gelebt, sondern diese sogar eine Landesgartenschau ausgerichtet haben.

(Thomas Lähns)

Aufrufe: 121