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52 mal Zauche, Teil 9: Norbert Fröhndrich und das Büdner-Museum in Oberjünne

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Der Mensch

Norbert Fröhndrich kann sich und seine Mitmenschen begeistern. Anders wäre sein privates Museum nicht das, was es heute ist: eine Schatzkammer, die an viele Facetten des Lebens vor über 200 Jahren in Oberjünne erinnert. Fröhndrich wurde 1958 geboren und ist in Oberjünne in einer ehemaligen Büdnerkate aufgewachsen. Zur Schule ging er in Golzow, zum Abitur nach Ziesar. Danach folgten, wie damals für Jungen, die studieren wollten nicht unüblich, drei Jahre bei der Armee. „Drei sinnlose Jahre“, ärgert sich Fröhndrich noch heute. Danach wollte er eigentlich Journalistik studieren, aber er bekam keinen der wenigen Plätze. Also folgte er der Empfehlung seines Heimleiters aus Ziesar und studierte von 1980 bis 1985 Philosophie an der Karl-Marx-Universität Leipzig.

Norbert Fröhndrich, Büdner, Büdnermuseum, Oberjünne, Planebruch
Norbert Fröhndrich

Allerdings wollte er nach dem Abitur in Ziesar und der Armeezeit nicht schon wieder in einem Internat wohnen. Er suchte sich ein Abrisshaus, besetzte es und zahlte pünktlich Miete. Nach dem Studium begann er eine vierjährige Aspirantur am Zentralinstitut für Schulfunk und Schulfernsehen, einem Institut der Pädagogischen Hochschule Potsdam.

1989 endete diese Zeit und er ging zur Stadtverwaltung Brandenburg a.d.H. ins dortige Sozialamt. Bald wurde er dort Amtsleiter. Im Jahr 2004 verließ er die Verwaltung wieder: „Zum Glück war ich nicht verbeamtet; wer weiß, ob ich sonst diesen Schritt gewagt hätte.“ Statt dessen ging Fröhndrich in die Sozialwirtschaft und wurde Geschäftsführer eines größeren Pflegeunternehmens, das heute 280 Mitarbeiter beschäftigt: „Wir machen alles, was in der Altenpflege zu machen ist.“

Bereits 2002 wurde er zum Ortsvorsteher von Oberjünne gewählt, in das er 1998 wieder gezogen war. Aber schon 2006 gab er diese Funktion wieder auf:

„Ich hatte beruflich einige Herausforderungen zu meistern und musste mich voll darauf konzentrieren und das erforderte meine ganze Kraft.“

Dennoch hat die kurze Zeit als Ortsvorsteher für ihn Auswirkungen bis heute. In diese Zeit fiel die 225-Jahre-Feier von Oberjünne im Jahr 2006, die Fröhndrich zu verantworten hatte. Er schrieb eine Chronik seines Ortes. Oberjünne wurde als Vorwerk von Cammer gegründet. Früher, d.h. vor ca. 300 Jahren gab es in Oberjünne eine Teerbrennerei. Und als dieser Wirtschaftszweig nicht mehr in dem erforderlichen Umfang gebraucht wurde, entstand in dem Vorwerk eine größere Schäferei. Dann bekam der damalige Gutsherr von Cammer, von Brösigke, eine Förderung vom Staat Preußen und ließ 13 Büdner-Häuser errichten. Fröhndrich überlegte, „wie ich diesen Teil unserer Geschichte illustrieren kann.“ Er suchte zusammen, was sich in seinem Elternhaus noch fand. Das war der Anfang zu einem einzigartigen Büdner-Museum. Trotz der Arbeit als Geschäftsführer und als Büdnerhistoriker findet er noch immer Zeit zum Joggen, sogar zum Marathon, und zum gelegentlichen Schreiben von Gedichten.

Der besondere Ort

In Oberjünne verrät kein Schild, dass hier eine hervorragende Sammlung die Vergangenheit nicht nur dieses Ortes erlebbarer macht. Feste Öffnungszeiten oder eine Webseite gibt es nicht. Wie finden Besucher das Museum? Fröhndrich empfiehlt: „Am besten Sie fragen im Gasthaus Heidekrug“, und er setzt hinzu:

„Wenn ich zu Haus bin, ist es kein Problem.“

Büdner, Büdnermuseum, Oberjünne, Planebruch

Dann führt er seine Besucher in das Obergeschoss des fast 240 Jahre alten Wohn- und Stallhauses, in dem früher Heu gelagert wurde. Unten steht eine alte Wäschemangel, eine als Büdner gekleidete Figur nimmt die Besucher in Empfang. Oben angekommen entfaltet sich die Welt unserer Vorfahren. Alte Dinge heben viele auf; eine derartige Sammlung dürfte kaum wieder zu finden sein. Mit ihrem Schwerpunkt auf das Leben der Büdner ist sie nahezu einzigartig. Büdner gab es vorwiegend in Mecklenburg und in Preußen. Sie stellten die unterste Stufe im Dorfleben dar, besaßen ein kleines Haus mit Stall, einen Garten und nur wenig Ackerland. Da sie nicht spannfähig waren, mussten sie statt mit Pferden oder Ochsen mit ihren Milchkühen pflügen.

Büdner, Büdnermuseum, Oberjünne, Planebruch

Im Jahr 2011 öffnete Fröhndrich zum ersten Mal sein Museum. Damals war das Museum noch weit kleiner als heute. Gerade einmal die ersten beiden Abschnitte waren mit Exponaten gefüllt. Doch sehr bald brachten Bewohner von Oberjünne und Gäste aus den Nachbardörfern immer mehr Exponate. Heute ist die ganze obere Etage gefüllt. Irgendwann wurde es Fröhndrich zu unübersichtlich und er sortierte jeden Abschnitt neu. Wie wurde vor 200 Jahren Butter gemacht oder Brot gebacken? Wie kochte man in den alten Büdnerhäusern ohne Strom und ohne Gas? Wie groß waren die Betten, und wie wurden die Bretter dafür zugesägt? Wie sah es damals in der Schule aus?

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Dabei ist es ein lebendiges Museum. Alles darf angefasst werden. Wenn Fröhndrichs Enkelkinder kommen, wollen sie auf dem alten Herd kochen oder trotz Ferien Schule spielen. Fröhndrichs Frau Veronika ist dann die Lehrerin. Einmal im Jahr gestalten die beiden gemeinsam mit Nachbarn einen Tag der offenen Tür. Beim letzten Mal waren fast 70 Leute da, „obwohl wir nur vereinzelt Zettel in die Briefkästen geworfen hatten.“ Zu diesen Anlässen breitet Fröhndrich auch seinen zweiten Schatz aus. Bücher aus und über die Vergangenheit. Alte Bilderbücher und Fibeln, das älteste Foto einer Büdnerfamilie (um 1910) oder ein Büdnerbuch, in dem einer der ersten Oberjünner Büdner von Anfang an, ab 1780/81 seine Abgaben und Verpflichtungen eintrug.

Gefragt, ob noch Wünsche offen geblieben sind, muss Fröhndrich nur kurz überlegen:

„Alte Möbel wären schön. Das Bett ist von 1890 und damit zu neu.“

Büdner, Büdnermuseum, Oberjünne, Planebruch
Im Büdner-Museum Oberjünne, im Hintergrund das Bett

Aus dem Leben der Büdner

Vielen Dank an Norbert Fröhndrich für die Überlassung der Fotos aus seiner Sammlung.

Die Reihe “52 mal Zauche” wird gemeinsam mit der “BRAWO/Ausgabe Bad Belzig” publiziert und stellt Menschen und ihre besonderen Orte vor Jetzt alle Artikel lesen!

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