Großbrand bei Fichtenwalde: „Was für eine Leistung. Respekt und Danke!“

“Nahezu unvorstellbar…”

Der Jogger aus der Nachbarschaft nutzt heute den frühen Morgen, als es noch kühler ist. Eine lange Stecke wurde es dennoch nicht. Wer später draußen aktiv ist, der merkt schnell, dass das keine gute Idee ist. Wer kann, der sucht den Schatten oder das Schwimmbad und zieht aus, was Ästhetik und Moral zulassen. Die Feuerwehrleute am R1 bei Fichtenwalde aber stehen mit Montur im verrauchten Wald und halten die Wasserrohre. Nur die Oberteile haben sie gelegentlich abgelegt. „Nahezu unvorstellbar … Was für eine Leistung. Respekt und Danke“, twittert jemand. Dem kann man sich nur anschließen. Neben den Feuerwehrleuten züngeln noch die Flammen. Dem Kradmelder, der ankommt und gleich weiter muss, fehlt fast die Kraft, seine Maschine wieder zu starten. Der Schweiß rinnt ihm über den Kopf. Über dem Waldstück kreist ein Hubschrauber.

Vor der Evakuierung von Fichtenwalde

Die Feuerwehrleute stehen zwischen dem Brand und Fichtenwalde, das nicht nur an diesen Wald grenzt, sondern in diesem Wald steht. Bis zu 200 Leute sollen im Einsatz sein. „Wir stehen kurz vor der Evakuierung“, sagt der Abschnittsleiter, und bleibt in all dem Stress doch freundlich zu der Presse: „Wir brauchen euch auch.“ Aber dichter ran lässt er einen nicht mehr. Seinen Leuten ruft er zu:

„Erst mal nur die Flammen“.

Alle arbeiten ruhig und konzentriert. Sie wirken so, als ob sie genau wissen, was zu tun ist, und erschöpft. An anderen Stellen soll Munition explodiert sein. Dort wird nur noch am Rand gelöscht. Aber es gibt ein Problem. Es ist die Zauche, das „trockene Gebiet“. Deshalb helfen Landwirte und bringen Wasser in ihren Güllewagen.

Staus wegen des Waldbrandes bei Fichtenwalde

Die Fichtenwalder, die Zuhause sind, bereiten sich auf die Evakuierung vor. Ersatzquartiere sollen auf den Spargelhöfen und in Turnhallen eingerichtet werden. Viele der Fichtenwalder stehen da wie alle anderen noch im Stau rund um das Autobahndreieck. Die Autobahn ist komplett gesperrt. Was mag in ihren Köpfen vorgehen? Wo sind die Lieben? Ist jemand zu Hause, der sich kümmert? Wo sind überhaupt alle die Dokumente, die man zusammensuchen sollte? Wartet vielleicht der Hund im Zwinger oder die Katze im Haus? Doch sie stehen auf der Autobahn. Die Polizei schickt Autofahrer vorzeigt von der Autobahn. Es soll ausgeschlossen werden, dass Autofahrer auf der Autobahn vom Feuer eingeschlossen werden. Selbst alle möglichen Umfahrungen sind dicht. Im Radio wird an die Rettungsgassen erinnert, damit wenigstens die Feuerwehren durchkommen. Der Landkreis und das Technische Hilfswerk kümmern sich um die Liegengebliebenen.

Bis nach Potsdam sollen die Auswirkungen der Autobahnsperrung reichen, heißt es im Radio. Durch die Fichtenwalder Nachbarorte wälzen sich die Blechkolonnen im Schritttempo. Die Feuerwehr nutzt nach Möglichkeit die Radwege. Bei Netto in Borkheide warten die Verkäufer vergeblich auf ihre Warenlieferungen. Die Fahrzeuge kommen nicht durch und sind umgekehrt.

Waldbrand ist weithin sichtbar

Der Rauch ist weithin über die Zauche hin sichtbar. Selbst von Brück aus ist er zu sehen. In Borkwalde und Borkheide, die in Windrichtung im selben Waldgebiet wie Fichtenwalde liegen, riecht es brenzlig. Die Bewohner machen mit leichtem Grusel Fotos der Rauchwolke, die von hier aus aussieht, als würde es gleich am Ortsrand brennen. Zeitweilig wird die Sonne milchig, obwohl sie auf der vom Brand abgesandten Seite steht. Immer wieder sind die Feuerwehrsirenen zu hören. Vielleicht denkt der eine oder andere, der den roten Fahrzeugen Platz macht, an den Klimawandel und dass solche Sommer jetzt der Durschnitt werden könnten. In den Facebook-Gruppen der Zauche fragen Leute, ob und wie sie der Feuerwehr helfen können. Viele bringen Getränke. Aus Schäpe bietet jemand seine Ferienwohnung als Notquartier an. Es müssten mehr Leute mitmachen, aber das ist für den Moment zu spät. Was bleibt ist das ganz große DANKE an die Männern und Frauen der Feuerwehr und das Daumendrücken für die Fichtenwalder.

Vorläufige Entwarnung

Am Abend gibt es eine vorläufige Entwarnung. Ein Kind malt sein Dankeschön und hängt es an einen Laternenpfahl.

Wie wird es morgen weitergehen, wenn der Wind wieder auffrischt? Der Bürgermeister von Treuenbrietzen informiert, dass es auf Grund der notwendigen Löscharbeiten bei den größeren Waldbränden zu Huberschraubereinsätzen am dortigen Baggersee kommen kann. Er bittet darum, diese Einsätze nicht durch Baden oder andere Nutzungen des Sees zu behindern.

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