Beelitz: Tempo 30 für mehr Nachtruhe in den Ortsteilen

Die Stadt Beelitz will für mehr Ruhe in den Ortslagen sorgen: Im Zuge der sogenannten Lärmaktionsplanung wird jetzt ein neuer Anlauf für ein nächtliches Tempolimit von 30 Km/h auf den besonders stark befahrenen Straßen genommen. „Was in Treuenbrietzen und im Amt Brück geht, sollte doch wohl auch in Beelitz möglich sein“, erklärte Bürgermeister Bernhard Knuth unlängst im Hauptausschuss. Bislang hatte sich die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises gegen solche Geschwindigkeitsbegrenzung in der Spargelstadt gesperrt. Mit der Lärmaktionsplanung, welche die Kommune auf Grundlage des EU-Rechtes fortschreiben muss, aber vor allem mit dem zunehmenden Umleitungsverkehr von den Autobahnen, habe die Stadt Argumente, über die niemand hinwegsehen könne, unterstrich der Bürgermeister.

Konkret angedacht ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 22 bis 6 Uhr entlang der innerörtlichen Landesstraße 88 – also in den Ortsteilen Fichtenwalde und Beelitz – sowie entlang der B 246 in Beelitz umzusetzen. „Die Überlastung dieser Hauptverkehrsverbindung ist durch die Umleitungs- und Ausweichverkehre im Zuge des Ausbaus des Berliner Ring / A10 offenkundig geworden“, heißt es in dem Maßnahme-Katalog, der den Stadtverordneten im Sommer zur Abstimmung vorgelegt werden soll. Auch entlang der B2 im Ortsteil Buchholz sowie der L 73 in Zauchwitz und Rieben soll das nächtliche Tempolimit beantragt werden, ebenso in der Ortslage Salzbrunn. Für die Beelitzer Altstadt gibt es indes seit Jahren Überlegungen, eine durchgängige Tempo-30-Zone einzurichten – um die Verkehrssituation zu vereinfachen, mehr Sicherheit für die immer zahlreicher werdenden Passanten zu sorgen und den Schilderwald zu vermeiden. Dazu soll es im Herbst eine Vorlage für die Stadtverordneten geben.

Auch weitere Schritte werden vonseiten der Stadt angeregt, um die Schallbelastung für die Bürger in Grenzen zu halten: Vor allem der Autobahnlärm von der A9 beeinträchtige große Bereiche von Fichtenwalde und Beelitz-Heilstätten, aber auch Schäpe und Reesdorf, heißt es in dem Papier. Daher müsse der Verkehr „entschleunigt und verstetigt“ werden, also durch Geschwindigkeitsbegrenzungen vor allem für den Schwerlastverkehr und zumindest nachts. Bauliche Schallschutzmaßnahmen wie Wände und Wälle würden die Lärmimissionen ebenfalls senken, vor allem dort, wo die Autobahn großflächige Schneisen durch den Wald schlage und besonders dicht an besiedeltem Gebiet vorbeiführt. Auch sogenannter Flüsterasphalt, also geräuschmindernder Fahrbahnbelag, wird als wirksamer Lärmschutz angeführt. All das ist seit Jahren Thema in den betroffenen Ortsteilen. Bei einer Bürgerversammlung vor fünf Jahren in Fichtenwalde hatten die Anwesenden schon damals ihren Unmut geäußert, „dass die Vorschläge der Stadt Beelitz nicht erkennbar in ein konkretes Handeln der verantwortlichen Stellen umgesetzt worden sind“.

„Warum passiert nichts – das ist eine Frage, die man noch heute auf Bundes-, Landes- und Kreisebene stellen muss“, sagt auch Bürgermeister Knuth. Denn die Stadt selbst könne nicht viel bewirken, da die überörtlichen Verkehrswege als Lärmquelle nicht in ihre Baulast fallen. „Wenn wir eine solche Lärmaktionsplanung machen sollen und zu Vorschlägen aufgefordert werden, dann widmen wir uns dem Thema mit aller Ernsthaftigkeit. Wir erwarten dann aber auch, dass diese ebenso ernsthaft geprüft und auch umgesetzt werden.“

Jene Maßnahmen, die sie in der Hand hat, setzt die Stadt Beelitz indes seit Jahren um, so habe schon die Sanierung von kommunalen Straßen den Verkehrslärm in den jeweiligen Abschnitten reduziert. Und dort, wo gebaut wird, setze man auch auf die bauliche Verkehrsberuhigung, unter anderem durch Mittelinseln und Kreisverkehre. Beim Thema Windkraft – auch die wird als potenzielle Lärmquelle angeführt – schöpft die Stadt ebenfalls alle Möglichkeiten aus, um geplante Abstände zu bewohntem Gebiet noch weiter zu vergrößern. Die Umsetzung von Geschwindigkeitsbegrenzungen in den Ortslagen wäre nun ein weiterer Schritt für mehr Ruhe und damit auch für mehr Lebensqualität, betont der Bürgermeister. (Thomas Lähns)

Foto: Die Clara-Zetkin-Straße gehört zeitweise zu den am stärksten belasteten Abschnitten im Stadtgebiet. Zumindest nachts soll nach Wunsch der Stadt durchgängig nur noch Tempo 30 möglich sein.

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