Golzow, Agrar Planetal Golzow, Rehkitzrettung Brandenburg, Rehkitz

28 Kitze gerettet – Rehkitzrettung Brandenburg auf Rettungsmission in Golzow

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Golzow. Um 3.00 Uhr morgens stiegen die ersten Drohnen auf, ausgerüstet mit einer Wärmebildkamera machten sich die Tierschützer der Rehkitzrettung Brandenburg auf die Suche nach dem Rehnachwuchs. Während im Disney-Film „Bambi“ das Kitz allein blieb und sich durchschlagen musste, geht es hier um die Rettung der „Bambis“, denn die Jungtiere werden von der Mutter im hohen Gras abgelegt und nur zur Pflege und Fütterung wieder aufgesucht, sonst bleiben sie unsichtbar sowohl für Mensch als auch für die Fressfeinde – und eben Mähdrescherfahrer.

Golzow, Agrar Planetal Golzow, Rehkitzrettung Brandenburg
Landschaft bei Golzow

Die Kitze kommen zwischen Mai und Juli zur Welt und genau dann beginnt die erste Mahd der Landwirte.

„Wir freuen uns, wenn die Unternehmen auf uns zukommen, es sollte jedoch mindestens 48 Stunden vorher geschehen, da wir uns vorbereiten müssen“, sagt die für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Silvia Passow.

Der Verein wurde vor fünf Jahren gegründet und hat im Frühsommer alle Hände voll zu tun. Die Saison ist in diesem Jahr am 13. Mai gestartet. Bei dem Einsatz wurde ein Zwillingskitzpärchen gerettet. Drei Tage später waren die Tierretter in Golzow. „Es war nicht das erste Mal, das machen wir schon seit Jahren“, berichtet der Geschäftsführer der Agrargesellschaft Planetal, Florian Wernitz. Von einem Vorarbeiter ging die Initiative aus und wurde fortgeführt.

Wie erfolgreich die Suche in diesem Jahr war, weiß Wernitz nicht mehr ganz genau. „Es sollen so um die 20 gewesen sein“, glaubt er sich zu erinnern. Nicht ganz richtig, denn es waren insgesamt 28 Kitze, die gerettet wurden. Der Einsatz dauerte zwei Wochen und begann am 16. Mai. „Wir trafen uns um 3.00 Uhr morgens an der Kirche, und dann ging es los“, berichtet Anika Fischer. Die 36jährige Frau ist seit einem Jahr dabei. Sie ist auf der Internationalen Grünen Woche 2025 auf den Verein aufmerksam geworden:

„Ich wusste, dass es Rehkitzrettung gibt, dass es sie in meiner Nähe gibt, das wusste ich bis zur Grünen Woche 2025 noch nicht. Ich fand das so spannend und interessant, dass man mit der Drohne die Kitze suchen kann“.

Das Interesse stieg und auch die Tatsache, dass man sofort mitmachen konnte, hat sie zum Mitmachen animiert.

„Für mich ist es eine wertvolle Aufgabe, noch so kleines unschuldiges Leben vor dem Sonnenaufgang zu retten. Mit diesem Einsatz bewirkt man wirklich etwas, man sieht es sofort. Es ist ein einmaliges Gefühl“, ist Anika Fischer immer noch mit Engagement dabei. Am 30. Mai 2026 stand sie an einem Infostand am Skuddenhof in Weseram, wo es ein Hoffest gab, und am Folgetag ging ist in den frühen Morgenstunden wieder zum Einsatz.

In Golzow gab es eine Besonderheit, am 20.05. fand man zwei Junghasen im Gras. „Diese werden nicht aus der Wiese entnommen. Eine großzügige Fläche wird markiert, so dass der Fahrer drumherum mähen kann“, erklärt Fischer.

„Anfang Mai werden die ersten Wiesen gemäht. In Brandenburg sind die Flächen vergleichsweise groß. 100 Hektar und aufwärts sind da keine Seltenheit. Die Landschaft an sich gibt dies her, eher flach und wenig Erhebungen. In Ostdeutschland kommt noch die Historie dazu. Zu DDR-Zeiten bewirtschafteten nicht mehr einzelne Bauern ihre Flächen, sondern sogenannte Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, kurz LPGs. Nach der Wende wurden daraus vielfach große Agrarbetriebe mit entsprechend großen Flächen. Hier liegt ein deutlicher Unterschied zur Landwirtschaft in den alten Bundesländern. Wo in Bayern oder BW kleine Flächen im landwirtschaftlichen Nebenerwerb bewirtschaftet werden, sind es im Osten der Republik oft große Betriebe. Mehr Fläche heißt auch, große Geräte fahren über die Wiesen und Äcker“, heißt es seitens des Vereins.

Und weiter wird erklärt:

„Im Mai begegnen uns überwiegend sehr junge Kitze. Manche sind allein, andere liegen in „Gesellschaft“ ihrer Geschwister. Wobei dies nicht allzu wörtlich zu sehen ist. Zwillinge liegen zumeist nicht direkt zusammen. Das hat ganz pragmatische Gründe. Wird eines doch von einem Fressfeind entdeckt, hat das andere Kitz noch eine Überlebenschance. Zwillinge kommen recht häufig vor, Drillinge sind selten, Vierlinge sehr, sehr selten. Wie viele Kitze eine Ricke setzt, scheint von Jahr zu Jahr, so unsere Beobachtung, zu schwanken. Die Einsätze erfolgen zumeist in den frühen Morgenstunden. Dann ist der Unterschied zwischen der Körpertemperatur des Kitzes und der Umgebung am größten. Unmittelbar im Anschluss an der Absuche sollte die Mahd erfolgen. Damit soll verhindert werden, dass eine Ricke mit Kitz in die bereits abgesuchte Wiese zieht.

Der Pilot fliegt die Fläche ab. Ihm zur Seite steht das „Wiesenteam“. Erscheint dem Piloten etwas verdächtig, geht dieses Team in die Wiese und klärt auf. Was wurde gesehen. Rehkitze werden in mit Gras gefüllte Kisten gesetzt. Dabei tragen die Helfenden Einweghandschuhe und nehmen Grasbüschel in die Hände, wenn sie das Kitz greifen.

Die Kisten werden verschlossen und an einen Platz außerhalb der zu mähenden Fläche in die sogenannte Deckung gestellt. Das kann ein Baum, ein dichtes Gebüsch oder ein Schilfgürtel sein. Der Standort wird mit GPS markiert und vor Ort auch noch mal mit rot-weißer Flatterleine kenntlich gemacht. Nach der Mahd wird das Kitz nicht direkt am Fundort, da ist ja nun keine Deckung mehr, aber in der Nähe entlassen. Wichtig ist hier, das Kitz muss wieder in die Deckung, also „versteckt werden“, damit es nicht von Fressfeinden entdeckt wird. Die Mission gilt als abgeschlossen, wenn Ricke und Kitz wieder vereint sind“.

Der Verein hat 60 Mitglieder und rund 400 Freiwillige, die bei der Rettung helfen. Sie sind untereinander vernetzt und jeder entscheidet selbst, wann und wo er/sie an einem Einsatz teilnehmen will und kann.

Für Geschäftsführer Wernitz eine tolle Sache, die auch in den kommenden Jahren fortgeführt wird.

Übrigens wurden bei Einsätzen am 16. und 19. Mai keine Kitze gefunden und am 22. Mai gleich neun, am 27. Mai waren es sieben und einen Tag später sowie am 18. Mai je fünf.

Infos: Rehkitzrettung Brandenburg

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Bereitstehende Kisten zur Rehkitzrettung

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