Groß Kreutz (Havel), Jeserig. Wie auch in anderen Gemeinden wurde kürzlich in der Gemeindevertretung Groß Kreutz über die Verwendung des Sondervermögens beraten. Wohin mit 3,2 Millionen Euro? Zunächst hört sich dieser Betrag immens hoch an. Blickt man jedoch auf die Prioritätenliste des Fachbereichsleiters Bauen und Entwicklung, eröffnet sich das berühmte Fass ohne Boden.
„Es wurden zahlreiche Investitionsrückstaus offensichtlich. Mit Bau- und Sachverstand wurde diese Prioritätenliste erstellt“, erklärte Fachbereichsleiter Frank Strehlau den Gemeindevertretern. Die vielen Gespräche mit den Ortsvorstehern, in den Ausschüssen und die vielen Ortsbesichtigungen trugen dazu bei, die zukünftig notwendigen Maßnahmen schriftlich zu bündeln. „Die Umsetzung neuer Vorhaben soll aber nicht durch die Sanierung alter Objekte vernachlässigt werden“, so Strehlau.
Die Gemeindevertreter einigten sich, die ersten vier Punkte auf der Liste anzugehen.
An oberster Stelle stehen die Sanierungen gemeindlicher Objekte. „Es ist feststellbar, dass wir im Bereich der Kitas, der Feuerwehren und der Dorfgemeinschaftshäuser viele Schäden durch Regenwasser haben, wie zum Beispiel undichte Dächer, schadhafte Fassaden, Sockelschäden oder fehlende Traufstreifen“, zählte Strehlau auf:
„Der Bedarf zieht sich durch alle Ortsteile.“
Priorität Nummer zwei liegt bei der Sanierung der Halle des Bauhofes in Jeserig. Hier ist das Dach sanierungsbedürftig, und neue Lagerflächen für Salz und Schüttgut für den Winterdienst sollen geschaffen werden.
Der Ausbau von Photovoltaikanlagen brachte es auf Platz drei der Dringlichkeiten. Zum Beispiel scheint eine Erweiterung der PV-Anlage der Grundschule in Jeserig auf den Küchenbereich und auf der Sporthalle möglich.
Des Weiteren bedürfen eine Vielzahl der Straßen in der Gemeinde Groß Kreutz ebenfalls der Aufmerksamkeit und sollen nicht nur punktuell repariert und Löcher gestopft werden, sondern mit einem neuen Deckenüberzug und einer Versiegelung längerfristig den Anforderungen standhalten.
Bereits mit diesen ersten vier Punkten der langen Prioritätenliste wird fast die Hälfte des Sondervermögens aufgebraucht sein.
„Danach schauen wir weiter“, so Bürgermeister Reth Kalsow.
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Ein Kommentar
Schade, wie hier am Ende vorgegangen wurde. Der Aufschlag war super: eine Projektliste mit über 35 Punkten wurde breit gesammelt. Mehrere Beratungen, viel Transparenz und die Möglichkeit der Mitsprache für alle.
Dann wurde es in der letzten Gemeindevertretersitzung plötzlich ganz intransparent: Die Verwaltung stellte eine eigene Liste hervor, in der nur die selbst befürworteten Projekten quantifiziert waren. Diese ist bis heute nicht öffentlich verfügbar. Es war nicht mal eine Beschlussvorlage vorhanden. Der mündlich kommunizierte Beschluss lautete Prio 1-4 der nicht verfügbaren Liste sollten „angeschoben“ werden, was auch immer damit gemeint ist. Nun scheint der Großteil des Geldes verplant, die Verwaltung verfolgt, was sie ohnehin verfolgen wollte, die Fraktionen der CDU und IG Havel folgten der Verwaltung. Und es besteht die Gefahr, dass die breit gesammelten Ideen wieder in einer Schublade verschwinden.
Das Sondervermögen sollte Momentum entfachen, Neues und Zusätzliches ermöglichen. In Groß Kreutz werden damit jetzt fehlende Traufstreifen finanziert und Schlaglöcher geflickt. Bestimmt auch sinnvoll, aber kaum neu, zusätzlich oder gar Momentum entfachend.
Etwas mehr Mut täte gut! Wie wäre es, dem Wunsch von 1400 Bürgerinnen und Bürgern nachzukommen und mit dem Radweg von Groß Kreutz nach Deetz das Radwegenetz zu vervollständigen, mehr Verkehrssicherheit zu schaffen und Touris anzulocken? ;o)