Golzow. Ich habe mich nach langem Überlegen dazu durchgerungen, zu den geplanten Änderungen der Schulbezirke und der daraus resultierenden Kündigung des Vertrages durch die Gemeinde Kloster Lehnin Stellung zu nehmen – wohl wissend, dass die Worte einer ehemaligen Lehrerin und Schulleiterin, die über 40 Jahre in Golzow tätig war, vielleicht von manchen belächelt werden.
Umso mehr freue ich mich, dass die Entscheidung zunächst abgewendet werden konnte. Die Golzower Schule liegt mir seit meiner Kindheit am Herzen. Hier wurde ich eingeschult und ging 8 Jahre lang in die Schule, die damals noch aus vier verschiedene Gebäude bestand. Hier absolvierte ich als Studentin mein Schulpraktikum, hier begann ich 1980 meine pädagogische Laufbahn, und hier durfte ich sie 2020 auch beenden. In den 40 Jahren war die Golzower Schule meine berufliche Heimat, manchmal auch private, denn die Zeit, die ich dort verbrachte, überschritt um viele Stunden die Familienzeit. Immer standen das Wohl der Kinder und eine gute Allgemeinbildung im Mittelpunkt meines Handelns.
Von Beginn an bestand zur Reckahner Bildungslandschaft eine besonders enge Beziehung. Die Grundschule trägt mit Stolz den Namen des Reformpädagogen Friedrich Eberhard von Rochow. Die Reckahner Museen waren über all die Jahre ein wichtiger Bildungspartner unserer Schule. Unzählige Projekte, historische Schulfeste, Modenschauen, Filmdrehs, Schulstunden im Schulmuseum und viele weitere Veranstaltungen haben Generationen von Schülerinnen und Schülern, deren Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern unvergessliche Erinnerungen geschenkt. Diese gewachsene Verbindung ist ein wertvoller Teil unserer schulischen Identität. Lasst uns das Verbindende nicht trennen, liebe Reckahner.
Die Golzower Schule hat viele Höhen und Tiefen erlebt: Nach den Jahren als 8klassige Schule gab es 1981 mit Krahner, Reckahner und Göttiner Kindern erstmals im neuen Gebäude eine POS – zweizügig. Nebengebäude in Golzow und das Schloss in Reckahn wurden weiterhin für die Unterbringung der großen Anzahl von Schülern genutzt.
Nach der Wende ging aus der ehemaligen POS „Rudolf Schulz“ zwei getrennte Schulen hervor: eine Grundschule unter Leitung von Ingrid Ecker und die Realschule, geführt von Bernd Schönefeld. Bei fallenden Schülerzahlen Ende der 90iger Jahre kämpften die beiden Schulen ums Überleben. Zuerst traf es die Grundschule. Der Rettungsring hieß: Kurze Wege für kurze Beine – eine Kleine Grundschule mit jahrgangsübergreifendem Unterricht. Hier war es Frau Ingrid Ecker, übrigens in Reckahn wohnhaft, zu verdanken, dass dieses Konzept aufging. Die Realschule musste 2005 geschlossen werden. Mit nur 56 Schulkindern startete ich als Schulleiterin mit 5 weiteren Kolleginnen 2006 ins neue Schuljahr.
Gemeinsam mit einem kleinen, aber unglaublich engagierten Team gelang es uns, die Grundschule Golzow erfolgreich zu etablieren. Durch die hohe Qualität unserer pädagogischen Arbeit, durch die Einbeziehung der ortsansässigen Vereine und Betriebe und die enge Zusammenarbeit mit dem Hort erwarb sich die Schule Anerkennung weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Die Schülerzahlen stiegen kontinuierlich an. Familien aus Cammer, Freienthal und Damelang entschieden sich bewusst für die Golzower Grundschule. Diese positive Entwicklung war schließlich die Grundlage dafür, dass die Gemeinde von 2017 bis 2020 eine Sanierung des Schulgebäudes mit Fahrstuhl und der Turnhalle auf den Weg brachte.
In den 14 Jahren meiner Tätigkeit als Schulleiterin wuchs die Schülerzahl auf 130 Kinder. Zum Schuljahr 2020/21 durfte die neue Schulleitung eine vollständig sanierte, neu möblierte, moderne Inklusionsschule übernehmen – mit einer zweizügigen 1. Klasse.
In diesem Erfolg steckte die Arbeit vieler Menschen:
- eines engagierten Kollegiums und eines hervorragend organisierten Hortes, die durch Kooperationsverträge ihre Arbeit verlässlich absteckten
- einer Gemeindevertretung, die die Bedeutung der Schule erkannt und die notwendigen finanziellen Entscheidungen getroffen hat,
- einer Elternschaft, die uns über viele Jahre großes Vertrauen entgegenbrachte und uns unterstützte
- und nicht zuletzt der vielen Betriebe und Vereine, die uns Praxis lehrten und unsere Schule zu einem Ort des Lernens und Lebens werden ließen.
Mein herzlicher Dank gilt deshalb allen Eltern, Großeltern, ehemaligen Schülerinnen und Schülern sowie allen Unterstützern der Golzower Grundschule, die sich derzeit mit großem Engagement für den Erhalt dieses Schulstandortes einsetzen. Dieses Engagement verdient Respekt und Anerkennung.
Ich wünsche mir sehr, dass auch künftig Entscheidungen getroffen werden, die vor allem unseren Kindern dienen und der Golzower Schule eine sichere Zukunft ermöglichen.
(Artikelfoto: Die ehemalige Schulleiterin Cornelia Brand © privat)
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