Naturschauspiel in Weiß – Die Großtrappen zeigen ihren Balztanz-

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Freienthal. Der Frühling ist da und die Balzzeit der Großtrappen ist in vollem Gange. Um so viele Weibchen wie möglich anzulocken, stülpt das Männchen sein Gefieder um, so dass der sonst grau-braune Vogel wie ein unförmiger weißer Schnellball aussieht. Der Hahn legt seinen Kopf weit zurück, plustert seinen Kehlsack auf und richtet seine Bartfedern nach oben. Die Flügel werden nach hinten gedreht und die Schwanzfedern nach vorn gerichtet. Dabei stampft er mit seinen kräftigen Beinen auf der Stelle und dreht sich um die eigene Achse. Somit stellt er sich von allen Seiten für die Hennen zur Schau. Sein Herz schlägt dabei zirka 600mal in der Minute. Mit einem kräftigen Pups endet diese männliche Demonstration, bevor der Hahn sich kurze Zeit später wieder „verwandelt“.

Die Naturwacht Hoher Fläming bietet Interessierten Touren an, um den „märkischen Strauß“ live in den Belziger Landschaftswiesen zu erleben. Dort befindet sich eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete Brandenburgs für viele Wiesenbrüter und ein Lebensraum der Großtrappen. Dank des Beobachtungsturmes bei Freienthal und eines guten Fernglases können Naturliebhaber zahlreiche Tiere entdecken und eine wunderschöne Aussicht in die Belziger Landschaftswiesen genießen.

Das rund 7600 Hektar umfassende siedlungsfreie Gebiet gehört zum Naturpark Hoher Fläming. 4435 Hektar der Belziger Landschaftswiesen sind seit 2005 als Naturschutzgebiet geschützt. Die Staatliche Vogelschutzwarte Brandenburg und die Naturwacht sichern diesen Schutz ab.

Die Großtrappe ist eine der schwersten flugfähigen Vögel der Erde. Die Hähne erreichen ein Gewicht von bis zu 17 Kilogramm bei einer Größe von bis zu 105 Zentimeter. Als Bewohnerin offener Steppen wanderte sie nach Rodung der Wälder und nach Entstehung weitläufiger Landwirtschaftsgebiete in die feuchten Niederungen Brandenburgs ein. Die Bestände des „märkischen Strauß“ nahmen jedoch drastisch ab, seit die Landwirtschaft intensiviert wurde. 3000 Exemplare lebten in den 1940er Jahren in Deutschland, in den 1990er Jahren nur noch 57 Tiere. Die Industrialisierung der Landwirtschaft und insbesondere die maschinelle Mahd führte zur drastischen Bestandsabnahme durch die Tötung der brütenden Hennen auf dem Gelege und die Zerstörung der Nester.

Daraufhin wurden große Anstrengungen unternommen, um die letzten Lebensräume der Großtrappen zu sichern. Zum Beispiel verzichtete die Landwirtschaft auf den Einsatz von Mineraldünger und Pestiziden, so dass wieder eine hohe Artenvielfalt der Flora entstehen konnte und somit die Insektenwelt überlebte. Diese eiweißreiche Nahrung ist existenziell für die Küken.
Nicht nur die Großtrappe profitiert vom Schutz des Lebensraumes. Zirka 170 andere Vogelarten, wie der Wiedehopf, Raubwürger, Ziegenmelker, Steinkauz und Kiebitz, leben hier dank der umweltverträglich gestalteten Landwirtschaft.

Gefahren für die Großtrappen lauern aber auch aus der Tierwelt. Der Waschbär, der Rotfuchs und der Marderhund fressen gern die Eier und Jungtiere der Bodenbrüter. Auf dem Speiseplan des Wolfes stehen sie nicht. Zwei errichtete Schutzareale schützen deshalb die Hennen beim Brüten, die die Räuber effektiv aussperren.

Zumeist werden zwei Eier in eine Bodenmulde gelegt und 21 bis 26 Tage lang bebrütet. Das Weibchen ist dabei auf sich allein gestellt. Vom Hahn hat es keine Unterstützung zu erwarten. Die Küken folgen ihren Müttern bereits am zweiten Tag, müssen allerdings zwei Wochen lang mit Insekten gefüttert werden.

In Deutschland leben momentan zirka 300 Exemplare in vier Schutzgebieten, die alle in Brandenburg und Sachsen-Anhalt liegen. In den Belziger Landschaftswiesen leben derzeit 60 dieser großen Vögel. Im Fiener Bruch, im Havelländischen Luch und im Zerbster Land finden die restlichen Großtrappen ihr Zuhause, wobei ein natürlicher Austausch der Lebensräume stattfindet.

Um die Zahl der Großtrappen weiterhin zu erhöhen, werden Eier des ersten Geleges eingesammelt und in Buckow, nördlich der Stadt Brandenburg, künstlich ausgebrütet. Die künstliche Brut und die zielgerichtete Auswilderung sind aktuell unverzichtbar, um das Aussterben der Großtrappen zu verhindern. „Erklärtes Ziel des Großtrappen-Schutzes ist es, mit der Auswilderung die wild lebenden Bestände zu stützen. Und zwar nur so lange, bis eine natürliche Reproduktion dies überflüssig macht“, so heißt es beim dortigen Förderverein Großtrappenschutz, der mit ehrenamtlichen Mitarbeitern die schwierige Aufgabe der Auswilderung übernimmt.
„Nachdem die Eier des ersten Geleges entnommen wurden, richten sich die Hennen ein zweites Gelege ein“, erklärte Marina Czepl von der Naturwacht Hoher Fläming, so dass eine natürliche und eine künstliche Brut erfolgen kann. Im Mai werden dann die ersten Küken schlüpfen.

Die Balzzeit dauert noch den April über an. Wer eine kostenlose Führung der Naturwacht mit vielen weiteren Informationen wünscht, kann sich für die folgenden Termine über das Informationszentrum des Naturparks unter der Telefonnummer 033848/60004 anmelden. Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich, da der Platz auf dem Beobachtungsturm begrenzt ist. Termine sind: 12.04., 17-20 Uhr; 15.04., 7-10 Uhr; 16.04., 17-20 Uhr; 22.04., 7-10 Uhr; 29.04., 7-10 Uhr oder 30.04., 17-20 Uhr.

(Artikelfoto: © Katrin Dörrwand (Naturwacht))

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