Brück: Furioser Abschied der Titanen der Rennbahn

Brück, Rottstock. Sonnencreme, Sonnenschirm und viel Wasser waren wohl die Hauptutensilien der Besucher der letzten Ausgabe der „Titanen der Rennbahn“ in Brück. Bereits am Freitag begann das diesjährige Spektakel. Und es hatte viele Überraschungen parat.

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100 Wildpferde zum Testen

Heinz Bley, Koniks-Wildpferde, Titanen der Rennbahn
Koniks-Wildpferde

Ehe es richtig losging, testeten 100 Wildpferde von Heinz Bley aus Thüringen die Rennbahn – ein einmaliges Erlebnis für die Zuschauer. Und die kamen aus ganz Deutschland angereist. Viele hatten ihre Karten schon in den vergangenen beiden Jahren erworben, als die Veranstaltung coronabedingt ausfallen mussten. Familie Hornig hatte bereits am Morgen eine dreieinhalbstündige Anreise hinter sich. Sie kamen aus Aue im Erzgebirge und hatten bei einem Besuch in Leipzig einen Flyer gefunden. So machten sie sich zeitig auf den Weg, um nichts zu verpassen.

Nur mit Ehefrauen

Weit über 300 Pferde zeigten sich bereits beim Einmarsch den Zuschauern. In den Begrüßungsworten von Detlev Seeliger schwang jedoch schon etwas Trauer mit. Seit der ersten Veranstaltung im Jahre 2002 engagierten sich nicht nur fantastische Aktive, sondern auch viele fleißige Helfer, um zum Gelingen des Spektakels beizutragen. Besonders würdigte Seeliger den Verein und vor allem die Ehefrauen, ohne deren Verständnis alles nicht möglich gewesen wäre. „Sonst hätte man so eine kommerzielle Veranstaltung nicht auf die Beine stellen können, auch wenn die Kasse nicht immer gestimmt hat“, so Detlev Seeliger. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm der Besuch beim Stallmeister der Queen in England und der Treck von Brügge nach Brück. Und so versprach er mit dem Segen von Pfarrerin Ines Jäger ein ganz großes Finale. Damit die Zuschauer auch alles genau verfolgen konnten, waren zwei Spiegelparcours aufgebaut mit gleichen Hindernissen.

20-Spänner und Ladies Cup

Titanen der Rennbahn

Den Auftakt machte der große 20 Spänner des Vereins, geführt von David Haseloff. Nicht einfach zu lenken, denn er hatte 16 Leinen gleichzeitig in den Händen. Zum Anspannen benötigt man etwa 25 Helfer. Diesmal endlich wieder dabei – der Ladies Cup. Hier zeigten nicht nur junge Frauen und Mädchen ihr Können im Parcours. Auch Sigrid Klink, Bürgermeisterin in Linthe, hatte sich zur Teilnahme entschieden. Die 64 jährige hatte Freunde überredet, mit ihr die Prüfungen zu absolvieren. Fast zauberhaft waren dann auch die Ergebnisse. Annemarie Blohm hatte die Nase vorn. Nicht nur ihr Kostüm als „Pippi Langstrumpf“ erregte Aufsehen, passend dazu hieß ihr Pferd „Kleiner Onkel“. Auch beim Rennreiten zeigte sie Klasse und Können und gewann beide Wettkämpfe in furiosen Zeiten.

Kuh auf der Rennbahn

Völlig außer Konkurrenz zeigte Lucy Müller, dass auch eine Kuh so einen Parcours bewältigen kann. „Betty“ meisterte die Hindernisse perfekt, konnte aber natürlich mit der Geschwindigkeit der Pferde nicht mithalten. Beim Wagenrennen der Zweispänner gab es ein Novum, es wurden zwei zweite Plätze vergeben. Man musste die Tausendstel zu Rate ziehen und hatte immer noch Gleichstand. Der Sieg ging jedoch nach Österreich an Hannes Pichler. Bei den Zugprüfungen zeigte sich wieder einmal, welche Kraft die Tiere besitzen und warum sie gerade in der Forstwirtschaft in unwegsamem Gelände eingesetzt werden.

Best of

Das erste große Schaubild in der Arena war ein Blick in die Vergangenheit. Die Schaubilder standen jedes Jahr unter einem anderen Motto. In diesem Jahr sagten die Titanen mit einem Best Of aus den vergangenen Jahren Danke. Viel Beifall bekam die Oberländer Reitergruppe aus dem Umkreis Garmisch-Patenkirchen. Ihre Anreise dauerte etwa zehn Stunden. Stehend auf ihren Pferden zeigten sie Figuren aus dem Quadrille Reiten. Darin halten sie auch den Weltrekord. Am Freitag waren sie mit zwölf Paaren auf dem Rasen zu sehen.

Ein letzter großer Umzug durch Brück

Wer am Samstagabend mit dem Auto durch Brück fahren wollte, brauchte Geduld. Denn zum letzten Mal gab es die Parade von Gespannen und Reitern der „Titanen der Rennbahn“ durch den Ort.  Und wenn dann auch noch die Schranken herunter gingen und der Zug ins Stocken geriet, fingen selbst die sonst so ruhigen Kaltblüter an, mit den Hufen zu scharren.

Sowohl bei Veranstaltern als auch bei Zuschauern schwang jedoch etwas Wehmut mit. Neben den Besuchern der Veranstaltung in der Arena waren zum Umzug auch viele Besucher aus dem Umland gekommen. Sie wollten das Spektakel ein letztes Mal genießen. „Dass es so viele sind, hätte ich nicht gedacht“, schwärmte Henry Gafert. Er war extra mit Freunden aus Reetz gekommen. Rechtzeitig da zu sein, war am Abend ein Muss, denn Parkplätze waren Mangelware. Der Discounter Penny hatte zusätzlich mit einem Kundenansturm zu kämpfen. Am Rathaus hatte der Bürgermeister zum gemeinsamen Schauen und Grillen eingeladen.

Wer direkt an der Straße wohnte, hatte Logenplätze. Viele saßen auf Campingstühlen und auf Gartenmauern, um den Umzug verfolgen zu können. Im Umkreis von etwa 50 Kilometern um Brück war an diesem Wochenende kein freies Zimmer mehr zu finden. So wird sich das Aus der Veranstaltung wohl auch ein bisschen wirtschaftlich bemerkbar machen. Geschätzt 25.000 Besucher waren am gesamten Wochenende in Brück zu Gast. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Thomas Haseloff bei seinen Worten die eine oder andere Träne verdrücken musste.

Der Blick in den Himmel verhieß allerdings nichts Gutes und so fielen auch einige Regentropfen vom Himmel. Aber Petrus hatte wohl ein Einsehen und der große Schauer machte um Brück einen Bogen.

Alle Teilnehmer hatten sich und ihre Wagen noch einmal heraus geputzt. Aus mehreren Gefährten erklang zünftige Blasmusik. So bekamen alle noch einmal das zu sehen, worüber sich schon die Zuschauer in der Arena gefreut haben. Ein Hingucker waren auf alle Fälle der Pferdebus und der Wernesgrüner Wagen. Die Teilnehmer aus dem Spreewald hatten einen Kahn umgerüstet. Neben den Kaltblütern waren aber auch Mulis und Ponys zu sehen. An denen hatte besonders die Kinder ihre Freude. Das Ende des Trecks markierte die Straßenreinigung, die sofort alle Hinterlassenschaften der Pferde beseitigte.

So geht eine Ära zu Ende. Was bleibt sind schöne Erinnerungen aber auch die Hoffnung, dass sich der Kaltblut Zucht- und Sportverein in Brück etwas anderes einfallen lässt. Denn dass diese kräftigen Pferde nicht nur als Arbeitstiere taugen, hat die Veranstaltung über 20 Jahre gezeigt. Hier kombiniert sich Kraft mit Geschicklichkeit und Schnelligkeit.

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