Thema Schulgesundheit bleibt in guten Händen – Stadt Beelitz übernimmt Finanzierung des bisherigen Modellprojektes

Beelitz. Die Kinder und Jugendlichen an den Beelitzer Schulen haben auch in Zukunft eine Anlaufstelle, wenn sie sich eine Verletzung zugezogen haben, sich plötzlich unwohl fühlen – oder auch von seelischem Kummer geplagt werden. Denn die drei „Schulgesundheitsfachkräfte“, die seit mehreren Jahren hier erfolgreich im Einsatz sind, werden auch weiterhin in der Spargelstadt arbeiten können. Das gleichnamige Pilotprojekt des Landes läuft zwar zum Jahresende aus, die Stadt Beelitz übernimmt aber jetzt die Finanzierung der Stellen. Ein entsprechender Trägerschaftsvertrag mit der Awo ist abgeschlossen worden.

Die Stadtverordneten hatten sich in ihrer Novembersitzung unlängst dafür ausgesprochen, dass die Stadt für eine Weiterbeschäftigung sorgt – entweder indem sie eine Verlängerung des Kooperationsprojektes auf Landesebene erreicht, oder indem sie selbst dafür Mittel aus dem kommunalen Haushalt bereitstellt. „Ich bin sehr froh, dass der politische Raum unserer Empfehlung einstimmig gefolgt ist, denn die drei Gesundheitsfachkräfte leisten eine hervorragende und wichtige Arbeit“, erklärt Bürgermeister Bernhard Knuth. „Das Modellprojekt ist aus Beelitzer Sicht ein echter Erfolg geworden, sodass eine Fortsetzung nur gut und richtig ist. Da von Landesseite her im Moment keine Mittel zur Verfügung gestellt werden – was für uns als Stadt nicht nachvollziehbar ist – übernehmen wir das erst einmal in der Hoffnung, dass in naher Zukunft wieder Gelder für diese wichtige Aufgabe freigemacht werden. Wenn nicht in vollem Umfang, dann aber zumindest unterstützend“, so der Bürgermeister.

Das Aufgabenspektrum der Schulgesundheitsfachkräfte ist enorm vielschichtig, natürlich gehört die gesundheitliche Versorgung dazu, also die akute Behandlung von kleineren Verletzungen wie Schürfwunden und Prellungen einschließlich der Information der Eltern. Aber auch die Pflege der Erste-Hilfe-Ausrüstung und die Sicherstellung der Ersten Hilfe bei schulischen Veranstaltungen fallen mit in die Zuständigkeit. Darüber hinaus übernehmen die drei Fachkräfte Präventionsaufgaben und die Gesundheitsförderung in Form von eigenen Projekten zu Gesundheitsthemen und der Begleitung des Unterrichts, wenn entsprechende Themen auf dem Lehrplan stehen. Gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, haben sich die drei als unschätzbare Hilfe erwiesen, wenn es um die Aufklärungsarbeit in punkto Hygiene ging.

Eine weitere wesentliche Aufgabe ist die Früherkennung zum Beispiel von gesundheitlichen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen, der Kinderschutz allgemein und die Beobachtung der gesundheitlichen Entwicklung der Schüler. Gegebenenfalls werden auch konkrete Ansprechpartner vermittelt. Und nicht zuletzt werden Kinder mit chronischen Krankheiten im Schulalltag unterstützt, wenn zum Beispiel jemand Diabetes hat und gerade am Anfang noch Hilfe bei der Kontrolle der Blutzuckerwerte braucht.

Nicht ganz zufällig erinnern all diese Aufgaben an die „Schulkrankenschwester“ aus DDR-Zeiten. Heute noch gibt es vor allem im englischsprachigen Raum sogenannte „school nurses“ an den Bildungsstätten. Während Brandenburg gemeinsam mit Hessen als Partnerland mit dem 2017 initiierten Pilotprojekt eine bundesweite Vorreiterrolle übernommen hatte, steht Deutschland im internationalen Vergleich in diesem Punkt weit weniger fortschrittlich da.

Zumindest in Beelitz soll sich die Pionierarbeit aber gelohnt haben und eine reguläre Fortsetzung finden. Auch aus Sicht der drei Schulen – der Diesterweggrundschule Beelitz, der Oberschule und der Grundschule Fichtenwalde – sind die Schulgesundheitsfachkräfte unverzichtbar geworden. „Lehrer sind eben keine medizinischen Experten und können keine Diagnosen stellen“, so die Leiterin der Diesterweggrundschule Anja Chzranowski. Zudem hätten sie oft gar nicht die Zeit, dem kranken Kind die angemessene Aufmerksamkeit zu widmen:

„Es ist gut, wenn wir fachliche Unterstützung haben, die sich um das verletzte Kind intensiv kümmern kann, und die Lehrerin um den Rest der Klasse.“

„Die Schulgesundheitsfachkräfte sind ein weiterer Baustein einer Kinder- und familienfreundlichen Kommune wie Beelitz“, resümiert Bürgermeister Knuth:

„Denn das Gefühl, seine Kinder auch im Schulalltag in guten und im Falle des Falles auch versierten Händen zu wissen, gibt auch den Eltern Sicherheit und trägt dazu bei, dass sich alle in unserer Stadt gut aufgehoben fühlen.“

(Thomas Lähns | Artikelfoto: Michaela Keller arbeitet seit 2017 als Schulgesundheitsfachkraft in Beelitz und ist aus dem Schulalltag an der Diesterweggrundschule nicht mehr wegzudenken. (c) Antje Schroeder)

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