Beelitz: Ackerbürgerhaus wird zum Kunstraum

Beelitz. Seit vielen Jahren steht das kleine Häuschen in der Poststraße 29 leer. Vor kurzem wurde es von den Eigentümern an die Stadt übertragen. Die hat damit noch eine Menge vor:

Es wirkt sehr unscheinbar zwischen seinen beiden Nachbargebäuden. Und in seinem jetzigen Zustand kommt es auch recht trostlos daher: Das kleine Wohnhaus in der Poststraße 29 muss man schon genau suchen, wenn man durch die Beelitzer Altstadt läuft. Und doch könnte das seit den 1990er Jahren leerstehende Objekt bald zu einem Motor für das innerstädtische Leben werden: Die Stadt hat es von einer Erbengemeinschaft übertragen bekommen – und will es nun sanieren, um dort Ausstellungsflächen zu schaffen. Das Land Brandenburg hat eine hundertprozentige Förderung zugesagt.

„Hier ein weiteres reines Wohngebäude zu schaffen, würde den öffentlichen Charakter der Poststraße nicht gerade fördern“, erklärte Bürgermeister Bernhard Knuth unlängst im Hauptausschuss. Stattdessen brauche es gerade in der historischen Altstadt öffentliche Räume, in denen Menschen ein und ausgehen und dadurch für Leben sorgen. Von einer solchen Nutzung des Ackerbürgerhäuschens könnten auch die Geschäfte am Ende der Poststraße profitieren, denn zu ihnen würde eine Brücke geschlagen werden. Letztendlich ist eine stärkere Verankerung von Kultur- und Kunsträumen in den Altstädten auch in den Kommunalverbänden ein großes Thema: Nicht zuletzt durch die Geschäftsschließungen während der Corona-Pandemie wurde vor allem der Online-Handel gefördert. Um dem etwas entgegenzusetzen, müssten die Innenstädte wieder lebendiger, und das auch durch die öffentliche Hand.

Beelitz, Poststrasse 29
Beelitz, Poststrasse 29, Entwurfskizze des Büros Paul & Störmer

Das Gebäude in der Poststraße, zu dem auch ein kleiner Innenhof sowie ein Nebengelass gehören, wurde bereits umfassend bautechnisch untersucht, das Baujahr wird auf 1817 datiert. Das Haupthaus wurde zunächst als Fachwerkkonstruktion errichtet, um 1860 wurden die Wände teilweise durch Backsteinmauern ersetzt. Um die Wende zum 20. Jahrhundert erfolgte ein weiterer Umbau, erhielt das Haus einen Keller, wurde die Küche verlegt und ein Schornstein gemauert. Als damaliger Eigentümer wird der Schuhmachermeister Herrmann Jungnickel in einer Geburtsurkunde erwähnt. Insgesamt handelt es sich laut Experteneinschätzung um ein für die damalige Zeit typisches, einfaches Ackerbürgerhaus, das aber vor allem deshalb einen besonderen städtebaulichen Wert hat. Das Landesamt für Denkmalpflege hat sowohl das Haupt- als auch das Nebengebäude als Einzeldenkmäler unter Schutz gestellt.

In den nächsten Monaten soll das Gebäude nun saniert werden, um es dann mit Ausstellungen zu beleben. Die dafür nutzbare Fläche in den beiden Geschossen beläuft sich auf insgesamt 120 Quadratmeter. Mit einer Eröffnung während der Landesgartenschau im kommenden Jahr soll dann auch gleich die Initialzündung erfolgen und eine breite Öffentlichkeit erreicht werden, denn das LAGA-Gelände ist von hier aus nur ein paar Schritte entfernt. Nicht zuletzt fehlt es in Beelitz seit Jahren an Ausstellungsräumen, allenfalls im Rathaus gab es gelegentliche Foto- und Kunstausstellungen – was im Vergleich zu ausgewiesenen Kunsträumen aber kaum die gleiche Wirkung entfalten kann. Insoweit komme dem Projekt in der Poststraße 29 auch ein Modellcharakter zu. Und an möglichen Ausstellern mangelt es in Beelitz auch nicht.

(Thomas Lähns)

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