Wenn am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig ist – Beelitzer Tafel versorgt Bedürftige in der Region

Beelitz. Für die Mehrheit der Bevölkerung arbeiten sie unbemerkt. Wenn sie die Supermärkte in der Region abklappern, dort Lebensmittelspenden entgegennehmen, sie nach Beelitz bringen, sortieren und dann an Bedürftige ausgeben, geschieht das ohne großes Aufheben. Doch für eben diese Bedürftigen ist die Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Beelitzer Tafel von unschätzbarem Wert. Manchmal ist es sogar die letzte Möglichkeit, irgendwie über die Runden zu kommen.

„Die Leute kommen zu uns, wenn am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig ist“, sagt Gabriela Schrader vom Kindersorgen-Sorgenkinder e.V.. Seit über zehn Jahren betreibt der Verein die Beelitzer Tafel und versorgt Menschen, bei denen Arbeitslosengeld II oder Rente zum Leben nicht reichen. Zu den Kunden gehören aber immer wieder auch Familien, die unvorhergesehen in eine Notlage geraten sind. Die Gründe können vielfältig sein, weiß Frau Schrader. Wenn die Waschmaschine plötzlich kaputt geht, man mit der allgemeinen Preissteigerung für die Nebenkosten nicht mehr Schritt halten kann und das dicke Ende im Januar kommt – also Ausgaben fällig werden, die sich nicht so einfach stemmen lassen.

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Bei der Beelitzer Tafel in der Berliner Straße 27 ist drei Mal pro Woche Ausgabetag:

  • Montags,
  • mittwochs,
  • freitags,

immer ab 14 Uhr.

Dann stehen 30 bis 50 Leute vor der Tür, um hier für den symbolischen Euro einen Einkaufsbeutel zu füllen. Die Zahl der Personen, die sie mitversorgen, ist ungleich höher: 100 bis 120 sind es aus der Region um Beelitz bis Michendorf, schätzt Gabriela Schrader. Auch Flüchtlinge sind darunter, auch Familien mit bis zu fünf Kindern.

Vor der Ausgabe ist der Verkaufsraum reich gefüllt: Brot und Brötchen, Konserven und jede Menge Obst und Gemüse liegen in Paletten und Regalen bereit. Obwohl es nach viel aussieht, wird immer alles alle. Streit um die Lebensmittel gibt es trotzdem nicht. Um den zu verhindern, wurde hier ein eigenes Ausgabeverfahren ausgetüftelt: Jeder in der Schlange bekommt, wenn er sich hier mit seinem Arbeitslosengeldbescheid oder anderen Nachweisen angemeldet hat, eine Nummer. Die wandert am Ausgabetag mit allen anderen in einen Lostopf. Jeder, der an der Reihe ist, zieht die Nummer für den nächsten. Fairer kann man es nicht machen.

Aber auch an jene wird gedacht, die nicht selbst herkommen können: Seit geraumer Zeit liefern die Ehrenamtlichen auch bis an die Wohnungstür. Vor allem Ältere, aber auch körperlich eingeschränkte, können diesen Service nutzen.

Beelitz, Beelitzer Tafel„Wie es jetzt ist, läuft es gut“, sagt die Vorsitzende des Kindersorgen-Vereins, der seit sechs Jahren seinen Sitz im früheren Polytechnik-Gebäude hat. Das war mit ehrenamtlicher Hilfe vieler Beelitzer Firmen und Bürger hergerichtet worden. Hier haben auch die Kleiderkammer, der Kindertreff und Gemeinschaftsräume Platz. Die Spendenbereitschaft der rund zehn Supermärkte sei unverändert groß. Und besondere Aktionen wie die Erntedank-Gaben der Kirchengemeinden, die jährliche Spendensammlung des Sally-Bein-Gymnasiums zu Weihnachten oder die traditionelle Großspende des Spargelhofes Klaistow am Jahresende, geben immer wieder neue Kraft.

Beelitz, Beelitzer Tafel

Auch die Bereitschaft der Leute mitanzupacken ist groß. Eine Mitstreiterin ist bereits seit 2003 im Verein tätig. Manche waren bereits als Kunden hier und unterstützen nun selbst, andere möchten einfach etwas zurückgeben. Und wenn bei der Ausgabe Not am Mann ist, dann werden sich auch Wartende geschnappt und mit eingesetzt. „Man kann nur Danke sagen an alle, die uns unterstützten“, bemerkt Frau Schrader. Und unterstützt wird in vielfältiger Form, wirkungsvoll – aber oft eben von vielen unbemerkt.

(Thomas Lähns)

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