Brück. Es begann als Traum, wurde zu einer fixen Idee, erfuhr neue Mitstreiter und entwickelte sich zu einem Meisterwerk. „Mich faszinierte das alte Stadttor schon vor über 30 Jahren. Dieser letzte sichtbare Rest unserer Stadtgeschichte“, erzählte Isabel Pesch-Kolarczyk in ihrer Rede zur feierlichen Eröffnung des neuen Wahrzeichens der Stadt Brück:
„Was wir heute feiern, schien eine lange Zeit unerreichbar. Sechs Jahre voller Gespräche, voller Überzeugungsarbeit, voller Zweifel, Hoffnungen, kleiner und großer Durchbrüche liegen hinter uns.“
Das ließ erahnen, wie steinig der Weg bis zur Vollendung war.
Andererseits waren auch Steine die unkonventionelle Lösung für die finanziellen Hürden. Die „Brücker Stadttoraktie“ war und ist eine Spendenaktion des Brücker Bürgervereins e.V., bei der je nach Höhe der Spende der Name des Geldgebers in Stein oder auf der Spendentafel verewigt wurde. Seit Ende 2019 sammelten die Initiatoren unermüdlich. Insgesamt konnten über 500 Stadttoraktien vergeben werden.

„Schon die Grundsteinlegung im September 2024 war Gänsehaut pur“, sagte Nicole Pötner gerührt. „Die Einweihung erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit. Stolz, weil ich Teil dieses großartigen Teams war, und dankbar, dass sich so viele Menschen eingebracht haben. Das zeigt, dass Gemeinschaft Dinge schafft, die der Einzelne nie schaffen könnte“, so Pötner, die neben Isabel Pesch-Kolarczyk, Bürgermeister Matthias Schimanowski und Matthias Baitz das „Stadttorteam“ bildete. Zusammen glaubten sie an etwas, was viele für unmöglich hielten.
Mit drei Salutschüssen aus einer historischen Kanone ehrte der Brücker Schützenverein den Wiederaufbau und die Enthüllung dieses wunderschönen Bauwerks, aber auch die vielen Menschen, die dies gemeinsam schafften ohne öffentliche Gelder.

Matthias Baitz nahm seine Erfahrungen und sein gewonnenes Wissen zum Anlass, das Buch „Grenze. Tor. Gemeinschaft. – Die Geschichte eines Brücker Wahrzeichens“ zu schreiben, welches die Geschichte des damaligen Berliner Tores von der mittelalterlichen Stadtwerdung über die Zerstörung in der Kriegszeit, den Abriss in der DDR bis hin zur bürgerschaftlich initiierten Wiedererrichtung kurzweilig beschreibt. Der Kauferlös geht ebenfalls zu Gunsten des Stadttores, denn mit dem Wiederaufbau ist zwar ein Meilenstein erreicht, jedoch noch nicht das Ende. Der Brücker Bürgerverein e.V. sammelt weiterhin Spenden, um das Umfeld des Stadttores zu verschönern. Durch den entlangführenden Europaradweg R1 ist ein einladender Rastplatz mit Bänken, Beleuchtung, Informationstafeln, Aufladestationen für Elektrofahrräder, eventuell mit einer Kompostiertoilette und einem Trinkbrunnen in Planung.
Zudem führt hier der neue drei Kilometer lange Wanderweg „Rundweg Brücker Altstadt“ entlang, ein Herzensprojekt von Hans Friedrich Moll. „Ich bin Ur-Brücker. Solche Sachen kann man nur mit den Augen der Liebe machen, mit Blick auf seinen Heimatort. Wer die Vergangenheit kennt, versteht auch die Gegenwart besser“, so Moll. Zehn spannende Stationen machen die Geschichte, Technik und Landschaft der Stadt lebendig. Über QR-Codes an den neu errichteten Tafeln können ausführliche Informationen erlangt werden, während idyllisch angelegte Sitzgelegenheiten zur Pause einladen. Den während der Stadttoreinweihung offiziell eröffneten Wanderweg konnten Bürger und Bürgerinnen mit einer Kremserfahrt des Brücker Landwirtschaftsbetriebes Haseloff Agrar erstmals erkunden.
Brück besitzt nun zwei weitere Sehenswürdigkeiten, die durch engagierte Menschen mit Liebe zum Ort, mit Mut, Ideenreichtum und Hartnäckigkeit entstehen konnten.
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