Golzow. Fünf Mal war der „Brandenburger Wünschewagen“ in diesem Jahr schon unterwegs, weitere fünf Fahrten mussten abgesagt werden. „Die Gründe sind unterschiedlich, entweder dem Menschen geht es inzwischen sehr schlecht, oder er ist gar schon verstorben“, erläutert Marcus Ludwig den zuhörenden Konfirmanden im Golzower Pfarrhaus.
Ludwig ist ehrenamtlicher Fahrer des vom Arbeiter Samariter Bund (ASB) betriebenen „Wünschewagens“. Damit versuch der ASB, letzte Wünsche schwer kranker Patienten zu erfüllen. „Am häufigsten geht es an die Ostsee, Erinnerungen an frühere Urlaubsreisen oder überhaupt der Wunsch, das Meer zu sehen, sind der Beweggrund“, weiß Ludwig, der im Hauptberuf Krankenpfleger ist.

„Ich möchte das Thema „Tod“ und „Sterben“ enttabuisieren“, erklärt der Golzower Geistliche, Oliver Notzke. Deshalb hat er den Wünschewagen eingeladen in den Ort zu kommen und den sieben Konfirmanden darüber zu berichten.
In Brandenburg gibt es ein Fahrzeug, das eigens für den Zweck gebaut worden ist. Der Wagen fährt seit zehn Jahren, um die letzten Wünsche zu erfüllen. „Mit dem Wünschewagen letzte Wünsche wagen“, ist das Motto und so werden Wünsche bald sterbender Menschen erfüllt. „Wir fahren mit den Fahrgästen an die See, in den Harz oder zum Konzert nach Leipzig, wir versuchen die Wünsche zu organisieren und zu erfüllen“, berichtet der Ehrenamtler mit Herz. Das Projekt finanziert sich einzig durch Spenden. Die Fahrer und Begleiter sind Ehrenamtler, nur im Büro ist jemand hauptamtlich beschäftigt und für die Organisation zuständig.
Der erste Wünschewagen fuhr im Jahr 2014 im Ruhrgebiet. Die Idee selbst stammt aus den Niederlanden und wurde übernommen. Inzwischen gibt es in ganz Deutschland 23 Wünschewagen und ein Team von 80 registrierten Kollegen, die alle ein eine eintägige Fortbildung absolviert haben. In Berlin und in Brandenbur ist jeweils ein Wagen stationiert.
In den zehn Jahren in Brandenburg wurden 353 Wünsche erfüllt, der Wagen hatte dabei 210.000 Kilometer absolviert. Das Durchschnittsalter der Fahrgäste beträgt 68 Jahre. Um einen Wunsch erfüllt zu bekommen, muss sich in einer palliativen Behandlung befinden, dabei ist es egal, ob diese zu Hause oder im Hospiz erfolgt. „Wir kommen dahin, wo der Fahrgast wohnt“, sagt Ludwig und betont, dass man ganz bewusst von Fahrgästen und nicht von Patienten spricht. Als Erinnerung erhalten die Fahrgäste ein Fotoalbum und eine Wünschemaus.
Hannes Steinborn wollte es genau wissen. „Was waren die krassesten Wünsche?“, lautete seine Frage. Die Antwort erstaunte den 14jährigen. „Wir sind mit der Megaziline mit rund 85 km/h über die Bodetalsperre „geflogen“, berichtete Marcus Ludwig, Adrenalinausschüttung und Abenteuer pur. Ein „Böhse Onkelz“-Konzertbesuch war ebenso dabei wie der Besuch eines Bayern München Spiels in der Münchner Arena samt Thomas Müller Begegnung. „Wünschefahrt ist keine Trauerfahrt“, lautet das Credo.
„Es klappt nicht immer alles, aber wir sind flexibel und die Menschen, die uns begegnen offen, aufgeschlossen und kooperativ“, ist Ludwig dankbar.
Der Wünschewagen wird auch beim Brandenburgischen Dorf- und Erntefest 2026 in Damelang vertreten sein und die Kirchengemeinde Golzow-Planebruch wird einen Teil der Adventskranzspenden an das Wünschewagenprojekt weiterleiten.
Wer spenden möchte kann es unter dem Verwendungszweck „Wünschewagen“ auf das Konto mit der IBAN DE38 5206 04100 105 01 9281, Kontoinhaber ASB- Landesverband Brandenburg tun.
Kontakt: Tel. 0331 600 879 62; wuenschewagen@asb-lv-bbg.de
(Artikelfoto: Konfirmanedenunterricht mit Oliver Notzke)
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