Stadt Beelitz. Ende letzter Woche erhielten die Beelitzer Stadtverordneten (SVV) eine anonyme E-Mail mit Vorwürfen, die es in sich haben, und die mitten im Wahlkampf um den neuen Bürgermeister wohl platziert wirkt. Es geht um die Sicherheit zum Beispiel bei Veranstaltungen, die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr sowie im Hintergrund um die Angst, nicht offen Kritik äußern zu können.
Die Kritik der anonymen Verfasser
Die Verfasser der E-Mail verfügen offenbar über Insiderwissen und kommen nach eigenem Bekunden aus den Reihen der Feuerwehr. Sie bemängeln u.a., dass
- es noch keinen neuen stellvertretenden Stadtbrandmeister der Feuerwehr Beelitz gibt,
- die Qualifikation verschiedener Funktionsträger möglicherweise nicht ausreichend ist,
- die erste Ortswehrführerversammlung 2026 erst nach der Kommunalwahl stattfindet,
- die Ortsfeuerwehr Beelitz seit 2019 ohne Ortswehrführer ist,
- die Feuerwehrleute nicht gut mit Einsatzbekleidung ausgestattet sind,
- der Gefahr- und Abwehrbedarfsplan aktuell ausläuft,
- es keine freiwillige Feuerwehr in Beelitz-Heilstätten gibt,
- aktuelle Sicherheitskonzepte und Großübungen, beispielsweise für Spargelhöfe und Spargelfeste fehlen und
- die Bevölkerung nicht ausreichend informiert wird.
Die Verfasser der E-Mail hoffen, dass die Stadtverordneten einige zentrale Fragen aufgreifen, sie an das Rathaus stellen und „vor allem eine SVV vor der Wahl einberufen“.
Die Antwort der Stadtverwaltung
Stadtverwaltung und der Stadtwehrführer haben gleich mittels Pressemitteilung direkt reagiert. In dieser heißt es:
„Die Stadt Beelitz besitzt eine leistungsstarke Feuerwehr mit rund 250 ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden in zehn Ortswehren, die hervorragend ausgestattet und jederzeit einsatzbereit sind.“
Auf einen der größten Kritikpunkt, die ausstehende Besetzung der Posten der stellvertretenden Stadtwehrführer und die weitere Beschäftigung der früheren Stellvertreter in anderen Positionen erklärt die Stadt, dass die „im vergangenen Jahr erfolgte Ausschreibung der Stelle des Stadtwehrführers … noch nicht beendet“ ist.
Der Gefahrenabwehrbedarfsplan der Stadt Beelitz wird demnach derzeit fortgeschrieben. Es fehlt noch die Zuarbeit von zwei Ortswehren. Im Plan wird auch klar geregelt, dass die Ortswehren in Beelitz und Fichtenwalde den Brand- und Katastrophenschutz für Beelitz-Heilstätten gewährleisten.
Abschließend bedauer die Stadtverwaltung bedauert, dass diese Vorwürfe sie nur indirekt und anonym erreicht haben und die Einreicher nicht mit dem Wunsch nach einem klärenden Gespräch an sie herangetreten sind.
E-Mail und Pressemitteilung im Wortlaut
Anonyme Verfasser
Sehr geehrte SVV,
Sie sind eng in die bestehende politische Landschaft eingebunden. Das sehen wir ausdrücklich als Chance.
Nach 16 Jahren ohne spürbaren politischen Wettbewerb ist aus unserer Sicht eine gewisse Selbstzufriedenheit entstanden; kritische Stimmen finden nur selten Gehör.Das Thema Innere Sicherheit erhält nach unserem Empfinden zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Innerhalb der politischen Gremien besteht offenbar die klare Haltung eines Wahlerfolg von Herrn Knuth.
Vielleicht können auch Sie einige zentrale Fragen aufgreifen (Die Sie alle validieren können, Sie können öffentliche Fragen an das Rathaus stellen und vor allem eine SVV vor der Wahl einberufen können):
- Warum gibt es keinen neuen stellvertretenden Stadtbrandmeister der Feuerwehr Beelitz, was ist aus der Ausschreibung geworden
- Laut Herrn Jahn und Herrn Knuth haben sich wieder Herr Hermann und Herr Klamt beworben, sonst niemand weiteres, entscheiden soll das jetzt der Kreisbrandmeister, das ist die Aufgabe von Herr Knuth!?
- Ist Herr Jahn Hauptamtlicher Stadtwehrführer oder ist dies eine ehrenamtliche Tätigkeit? Wie ist Herrn Jahn Qualifiziert um auf einer Verwaltunsstelle zu arbeiten?
- Warum arbeitet der entlassene Stellvertreter Herr Hermann weiterhin im Rathaus als Sachbearbeiter für Brandschutz, wenn das Vertrauensverhältns nicht mehr gegeben ist?
- Wie ist Herr Hermann qualifiziert eine solche Sachbearbeiterstelle auszuführen, den angeblich besitzt dieser keinen Berufsabschluss und sitz auf einer Verwaltungsstelle?
- Warum ist Herr Klamt dann weiterhin Ortswehrführer der zweit größen Ortsfeuerwehr im Stadtgebiet, wenn das Vertrauen aus dem Rathaus nicht mehr gegeben ist?
- Warum findet die erste Ortswehrführerversammlung 2026 erst nach der Kommunalwahl statt (Wird das politisch ausgesessen)?
- Warum ist die Ortsfeuerwehr Beelitz seit 2019 ohne Ortswehrführer / Was ist mit Herrn Wilksch und Herrn Stielau?
- In einer gemeinsamen Versammlung der Ortswehrführer, Herrn Jahn und Herrn Knuth wurde von Herrn Knuth gefordert eine neue Ortswehrfürhung zu etabilieren, das war im Herbst 2025, wissen Sie davon?
- Anfang 2025 lud Herr Knuth alle Ortswehrführer ins Rathaus ein, danach wurden die Stellevertrenden Stadtwehrführer abgesetzt, was ist das Ergebnis dieser Gespräche?
- Es ist ein Brief der Ortswehr Beelitz bei Herrn Knuth eingegangen, sind Sie davon in Kenntnis?
- Wo sind aktuelle Sicherheitskonzepte und Großübungen, beispielsweise für Spargelhöfe und Spargelfeste (Die Feuerwehr wird nicht involviert)?
- Warum gibt es keine freiwillige Feuerwehr in Beelitz Heilstätten einem Ort mit mehr als 2000 Einwohnern (Werden die Hilfsfristen eingehalten)?
- Warum wird die Bevölkerung nicht ausreichend über die Arbeit im Bereich Katastophenschutz der Stadt Beelitz informiert, denn das ist nicht Aufgabe der Feuerwehr?
- Wie sieht es mit einem Verwaltungsstab in Beelitz aus und wird dieser regelmäßig beübt?
- Die Feuerwehrleute sind nicht gut mit Einsatzbekleidung ausgestattet?
- Im MAZ Talk wurde klar gesagt, dass nichteinmal die Finanzierung des Umbaus der Feuerwehr Fichtenwalde gesichert ist?
- Zusammengefasst (basierend auf öffentlichen Aussagen Knuths und dem Kontext): Er hat typischerweise gesagt, dass Beelitz durch die Leuchttürme und andere Maßnahmen des Landkreises sehr gut aufgestellt ist im Katastrophenschutz
- Der Gefahr- und Abwehrbedarfsplan läuft aktuell aus, wann beschließen Sie als Stadtverordneten den neuen GAP?
- Die Fachaufsicht des Landkreis bitet Hilfe und Unterstützung an, diese wird aber nicht angenommen und künstlich in die Länge gezogen, stehen Sie im Austausch mit dem Kreisbrandmeister und dem Landrat zu dieser Thematik ?
Die Feuerwehr stellt zahlenmäßig nur eine kleine Bevölkerungsgruppe dar, genießt jedoch ein hohes Ansehen. Umso sensibler ist dieses Thema, wenn es öffentlich diskutiert wird.
Wir selbst sind aktive Feuerwehrangehörige und äußern uns aus Sorge vor möglichen Konsequenzen nicht offen. Es besteht die Angst, unser Ehrenamt – unsere Berufung – zu verlieren.
Wir bitten Sie daher, sich für eine sachliche und transparente Auseinandersetzung einzusetzen. Es geht nicht um parteipolitische Auseinandersetzungen, sondern um kommunale Pflichtaufgaben und die Sicherheit einer schnell wachsenden Stadt.
Hier braucht es Fachkompetenz, klare Zuständigkeiten und verlässliche Strukturen, damit die Bevölkerung weiterhin ruhig schlafen kann. Wir glauben auch, das von vielen Themen die Stadtverordneten nicht informiert sind.Machen Sie etwas aus diesen Informationen, wir haben keine Kraft mehr zu kämpfen, ohne das jemand die Stimme für uns erhebt.
Wir bitten um Schutz nach Hinweisgeberschutzgesetz.
Vielen Dank für Ihre Arbeit
Die Pressemitteilung von Stadtverwaltung und Stadtwehrführer
„Wir haben eine leistungsstarke, sehr gut ausgestattete Feuerwehr“
Stadt weist Vorwürfe aus anonymem Schreiben entschieden zurück
Die Stadt Beelitz besitzt eine leistungsstarke Feuerwehr mit rund 250 ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden in zehn Ortswehren, die hervorragend ausgestattet und jederzeit einsatzbereit sind. In einem anonymen Schreiben an die Beelitzer Stadtverordneten wird signalisiert, dass kommunale Pflichtaufgaben im Bereich der Gefahrenabwehr momentan nicht vollumfänglich erfüllt werden könnten. Dem treten die Stadtverwaltung und der Stadtwehrführer entschieden entgegen.
„Wir haben eine extrem leistungsstarke Feuerwehr, die kontinuierlich arbeitet und stets einsatzbereit ist. Alle Aufgaben des Brand. und Katastrophenschutzes können zu jeder Zeit erfüllt werden“, bekräftigt der Stadtwehrführer Matthias Jahn.
Größter Kritikpunkt im Schreiben ist die ausstehende Besetzung der Posten der stellvertretenden Stadtwehrführer und die weitere Beschäftigung der früheren Stellvertreter in anderen Positionen. Hierzu stellt die Stadt klar: Die im vergangenen Jahr erfolgte Ausschreibung der Stelle des Stadtwehrführers ist noch nicht beendet. Die Vorschläge für die Besetzung wurden an die übergeordnete Dienststelle weitergeleitet, deren Einschätzung noch nicht vorliegt. Diese Einschätzung muss jedoch von der Stadt bei der Neubesetzung der stellvertretenden Stadtwehrführung beachtet werden. Die Abberufung als stellvertretende Stadtwehrführer hat keinen Zusammenhang mit der Qualifikation als Sachbearbeiter oder als Ortswehrführer.
Der Gefahrenabwehrbedarfsplan der Stadt Beelitz wird derzeit fortgeschrieben. Noch fehlt die Zuarbeit von zwei Ortswehren. Im Plan wird auch klar geregelt, dass die Ortswehren in Beelitz und Fichtenwalde den Brand- und Katastrophenschutz für Beelitz-Heilstätten gewährleisten. Eine eigene Feuerwehr für den Ortsteil war nie Teil der Quartiersplanung, da Beelitz-Heilstätten gleich von mehreren Feuerwehren innerhalb der vorgegebenen Zeit erreicht werden kann.
Die Stadt Beelitz hat in der Vergangenheit mehrfach beweisen müssen und auch bewiesen, dass im Notfall der Verwaltungsstab schnell zusammentritt und alle wichtigen Entscheidungen fällt. Sollte es sich wie bei den Waldbränden 2018 und 2022 um Katastrophenfälle handeln, liegt die Handlungshoheit zudem beim Landkreis, mit dem der Beelitzer Verwaltungsstab sehr eng zusammenarbeitet.
Die Stadtverwaltung bedauert ausdrücklich, dass uns diese Vorwürfe nur indirekt und anonym erreicht haben und die Einreicher nicht mit dem Wunsch nach einem klärenden Gespräch an uns herangetreten sind.
Selbst für einen Katastrophenfall verfügt die Stadt Beelitz über mehrere Leuchttürme, die entsprechend ausgestattet sind. So sind ausreichend Betten eingelagert und Notstromaggregate stehen bereit. Auch die Trinkwasserversorgung ist im Fall eines anhaltenden Stromausfalls dauerhaft gewährleistet.
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