Oberjünne. Der Planebrucher Bürgermeister Stephan Burow ist sauer. Mit der Fahrplanänderung am 1. Juni 2026 wird der Bus der Linie 580 nicht mehr ins Dorf Oberjünne fahren.
Bis zum Jahr 2007 gab es an der Landesstraße L86 an der Ortszufahrt in Richtung Oberjünne eine Bushaltestelle. Hier konnten die Fahrgäste in die zwischen Bad Belzig und Potsdam verkehrenden Busse einsteigen. Jahrelang kämpften die Oberjünner um eine Haltestelle im Dorf. Im Jahr 2008 wurden ihre Bitten und Forderungen erhört, die Gemeinde Planebruch stellte 55.000 Euro in den Haushalt ein, um die notwendigen und normgerechten Haltestellen zu bauen und ebenso zwei Wartehäuschen aufzustellen.
Ganz ohne Einschränkungen ging es dann doch nicht. „Von Linienbussen wird Oberjünne allerdings nur nach Aufforderung angesteuert. Die im Bus befindlichen Fahrgäste müssen durch Knopfdruck im Businneren den Fahrer auf ihren Haltewunsch aufmerksam machen. Wer in Oberjünne zusteigen will, muss mindestens eine halbe Stunde vor Abfahrt seine Fahrabsicht bei der VGB in Belzig telefonisch anmelden“, so die damaligen Aussagen.
Nun wird das alles zurückgefahren. Die Linienbusse fahren nicht mehr ins Dorf, und die Halte an der L86 gibt es auch nicht mehr.
„Es ist richtig, dass Oberjünne ab 1. Juni 2026 mit der Linie 580 nur noch im Schülerverkehr angebunden wird. Morgens gibt es eine Fahrt und nachmittags zwei Fahrten in Richtung Potsdam. Nachmittags gibt es zwei Fahrten im Schülerverkehr. Wie bisher auch, wird Oberjünne hauptsächlich aber durch die Linie 542 mit einem überwiegenden 2 Stunden Takt angebunden. Mit dieser Linie besteht Anschluss in Golzow an die 580 (Wartezeit ca. 15 Minuten) bzw. an den RE 7 in Brück. Verspätungen oder Überfüllungen auf dem RE 7 können wir in unserer Fahrplangestaltung selbstverständlich nicht berücksichtigen. Das aktuelle Angebot entspricht auch den Vorgaben des Nahverkehrsplanes des Landkreises. Oberjünne hat ca. 90 Einwohner. Somit erfolgt ein ÖPNV-Angebot nur nach Bedarf. Dies bedeutet eine ausschließliche Bedienung im Schülerverkehr. Das derzeitige Angebot geht schon weit über diese Angebotskategorie des NVP hinaus. Daher wird es hier keine weitere Anpassung auf der Linie 580 mit einer direkten Anbindung an Oberjünne geben“, teilte Melanie Gäbler von der Verkehrsplanung des Landkreises Potsdam-Mittelmark in einem Brief an Bürgermeister Burow mit.
Burow sieht es anders. „Es ist unglaublich und gleicht Schildbürgertum, wenn nun Vorschläge im Raum stehen, in Oberjünne an der Landesstrasse einen zusätzlichen Stopp zu installieren, obwohl wir jahrelang dafür gekämpft haben, die Haltestelle in den Ort zu holen. Ausgehend von einem schweren Verkehrsunfall haben wir viel Geld investiert. Ich fordere den LK daher auf, auf die Gemeinde zuzukommen, um eine ehrliche und angemessene Lösung zu finden“, so der Bürgermeister. Tatsächlich wird nach dem Abbruch des Haltepunktes vor 18 Jahren jetzt an einen Neuaufbau gedacht.
„Bezüglich der Haltestelle an der L 86 sind wir als Aufgabenträger für den ÖPNV sowie auch unser beauftragtes Verkehrsunternehmen die regiobus Potsdam Mittelmark GmbH dieser Idee nicht abgeneigt. Bisher konnte dies aber noch nicht umgesetzt werden. Hier muss der zuständige Straßenbaulastträger zustimmen. Dies wäre das Land Brandenburg. Gemeinsam mit dem Amt Brück könnten wir dieses Thema aber durchaus noch einmal aufgreifen und an das Land herantragen. Kurzfristig ist die Einrichtung einer Haltestelle aufgrund von Sicherheitsbelangen aber nicht möglich“, so Gäbler.
Somit ist klar, wer von Potsdam kommt wird bis Golzow fahren müssen und dort in den Bus 542 umsteigen müssen. Da der Potsdamer Bus stündlich verkehrt und die zwischen Golzow und Brück fahrende Linie 542 alle zwei Stunden, kommt es zu längeren Wartezeiten.
„Meine Gespräche mit der Regio bzgl. Mitwirkung bei Haltestellen und Busfahrplan sind komplett ins Leere gelaufen. Anscheinend hat man hier vergessen wer Auftraggeber und wer Dienstleister ist. Wundert aber keinen wirklich, da das Unternehmen Regio ja zum LK gehört. Also zu dem, der auch die Linien und den Fahrplan bestimmt. Die Kommunen als Auftraggeber haben keinerlei Mitbestimmungsrechte“, beklagt Stephan Burow, der auch Ortsvorsteher von Oberjünne ist.
Burow liegt die Korrespondenz einer Bürgerin mit der regiobus GmbH vor. „Mir ist klar, dass die Busgesellschaft Kosten sparen will, aber das ist doch nun wirklich albern. Da wurde Geld in eine Bushaltestelle investiert und jetzt fährt ausgerechnet die wichtigste Buslinie diese nicht mehr an? Dass der Rufbus nicht häufig genutzt wurde, ist kein Wunder, denn die Zuverlässigkeit war nicht gegeben. Wenn man sich nicht drauf verlassen kann, dass ein Bus auch kommt, nutzt man ihn nicht, insbesondere wenn man Termine hat“, schrieb die Frau. „Ich weiß nicht genau, was das Konzept hinter dem immer schlechter werdenden ÖPNV auf dem Land ist. Wie sollen die Menschen dazu gebracht werden, das Auto stehen zu lassen, wenn der ÖPNV immer schlechter wird?“, fragt die Dame und setzt fort:
„Nur eines noch zur Klarstellung: Es geht hier keineswegs um gestrichene Fahrten, sondern um einen gestrichenen Halt einer weiterhin bestehenden Linie. Der Bus fährt an Oberjünne vorbei (!!!), und das, nachdem (für wahrscheinlich viel Steuergeld) die Bushaltestelle aus Sicherheitsgründen in den Ort verlegt wurde. Das erscheint mir wenig logisch und die Einsparungen einer max. 3 min dauernden Durchfahrt durch Oberjünne dürften den Landkreis nicht reicher machen“.
Burow könnte sich eine Haltstelle an der Landesstraße höchsten als Notlösung vorstellen und sich wünschen, dass die Rufbus-Möglichkeit erhalten bleibt.
„Auch wenn die Haltestelle dann außerhalb von Oberjünne liegen würde, haben Sie und die Einwohner von Oberjünne zumindest die Möglichkeit ,den Bus zu erreichen“, weiß er.
(Artikelfoto: Haltestelle der Linie 580 in Oberjünne)
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