Golzow, Lehnin. Die Beschlussvorlage ist als Tagesordnungspunkt 20. der Sitzung der Lehniner Gemeindevertreter weit hinten versteckt und sorgt trotzdem für Aufregung. „Änderung der Satzung über die Schulbezirke der Grundschulen“ lautet die Überschrift, und der Inhalt hat Brisanz.
Aus Kostengründen beabsichtigt die Gemeinde Kloster Lehnin die Schulbezirksgrenzen so zu verändern, dass die Kinder aus Krahne und Reckahn ab dem Schuljahr 2027/2028 nur noch in Lehnin und nicht in Golzow eingeschult werden können.
„Derzeit besuchen 48 Schulkinder aus den Ortsteilen Reckahn und Krahne die Grundschule „Friedrich-Eberhard-von-Rochow“ in Golzow. Für die Beschulung entstehen Kosten in Höhe von 184.000 € jährlich. Zusätzlich fallen für die integrative Betreuung am Nachmittag weitere 81.000 € an. Insgesamt zahlt die Gemeinde Kloster Lehnin somit einen jährlichen Betrag von 265.300 € an das Amt Brück für die Beschulung und Betreuung der Kinder aus ihrem Gemeindegebiet“, wird in den Erläuterungen aufgeführt und zusätzlich mitgeteilt:
„Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltssituation sowie rückläufiger Kinderzahlen soll geprüft werden, ob eine Anpassung der Schulbezirkssatzung erfolgen kann. Ziel ist es, perspektivisch eine Beschulung der Kinder aus Reckahn und Krahne innerhalb des Gemeindegebietes an der Grund und Gesamtschule Lehnin „Heinrich Julius Bruns“ zu ermöglichen. Dies soll insbesondere die Auslastung der Gesamtschule sichern und die Kosten der Gemeinde minimieren.“
Der Bürgermeister von Kloster Lehnin, Uwe Brückner bekräftigt diese Ansicht. „Es bestehen seit dem Wechsel der Gemeinde Golzow vom damaligen Amt Lehnin zum Amt Brück Regelungen, wonach Golzow die zuständige Grundschule für die Kinder aus Krahne und Reckahn ist. Es ist nun – nach mehr als zwei Jahrzehnten – vor dem Hintergrund der aktuellen Veränderungen (verbesserte Bildungsangebote, moderne Ausstattung und neuen Kapazitäten am Schulstandort Lehnin, im ÖPNV sowie der teilweise schwierigen Bedingungen an der Schule Golzow) beabsichtigt, die Satzung über die Schulbezirke mit Wirkung zum Schuljahr 2027/2028 zu ändern. In diesem Zusammenhang wird diskutier, ob die Grund- und Gesamtschule Lehnin künftig der zuständige Schulbezirk für die Kinder aus den Ortsteilen Reckahn und Krahne sein soll“, teilt Brückner mit.
Bislang haben sich die Ortsbeiräte der beiden Dörfer noch nicht dazu geäußert. Die Aufregung in den beiden Ortsteilen ist jedoch groß. Die Eltern fühlen sich nicht informiert. „Wer schaut sich schon die Tagesordnung der Gemeindevertretung so genau an“, sagt Katrin Weigert. Sie ist zwar selbst nicht betroffen, denn ihr Sohn besucht schon die Golzower Schule und die Neuregelung bezieht sich nur auf die Neueinschulungen. Wer schon in Golzow ist, soll auch dableiben.
Weigert hat jetzt ein Infoschreiben verfasst, mit dem sie die Bürger informiert. Sie hofft, dass viele die Sitzung der Gemeindevertretung besuchen werden, um zu zeigen, dass sie in Golzow bleiben wollen.
Denn es soll wohl am Morgen eine Busdirektverbindung zwischen Reckahn und Lehnin geben, jedoch wird es am Nachmittag und in Sonderfällen problematisch. „Müssen die Kinder dann längere Zeit am Schulcampus auf den passenden Bus warten? Oder fahren sie zunächst zurück nach Golzow, damit Eltern oder Großeltern sie dort abholen können? Welche zusätzlichen Belastungen entstehen dadurch für Familien im Alltag?“, fragen sich einige Eltern in einem weiteren Brief. Immerhin ist dann die Fahrt rund 20 Minuten länger und vor allem, die Schüler fahren an der Golzower Schule vorbei, ohne aussteigen zu dürfen.
„Gerade zum Schuleintritt ist außerdem zu bedenken, dass eine kleinere, familiäre und wohnortnahe Grundschule vielen Kindern Sicherheit, Orientierung und einen sanfteren Einstieg in den Schulalltag bietet“, heißt es weiter.
„Viele von uns sehen die Qualität der pädagogischen Arbeit in Golzow und die bestehenden sozialen Bindungen der Kinder gefährdet. Ein solcher Umbruch allein aus finanziellen Erwägungen sollte nicht ohne den Widerstand und die Stimme der betroffenen Eltern stattfinden“, meint Weigert
Brückner führt auch pädagogische Argumente ins Feld. „Lernen von der 1. bis zur 13. Klasse am Standort Lehnin, ohne die üblichen Brüche (Lernumfeld, Schüler und Lehrer) bei einem Schulwechsel miterleben zu müssen. Diese Prozesse lassen sich auf einem Campus unter dem Dach einer Schulleitung erheblich besser organisieren und gestalten“, meint der Bürgermeister, und die Eltern widersprechen. „Ein großer Schulcampus mit Schülerinnen und Schülern von der 1. bis zur 13. Klasse stellt für viele Einschulungskinder eine völlig andere Umgebung dar als eine überschaubare Grundschule im direkten Wohnumfeld“, sind die engagierten Eltern überzeugt.
Im Amt Brück bleibt man gelassen. „Ich teile die Auffassung nicht. Die Schulbezirkssatzung gründet auf der Schulentwicklungsplanung des Landkreises. Von daher bleibt die Golzower Schulbezirkssatzung unverändert. Zudem haben die Eltern ein Wunsch- und Wahlrecht nach dem Brandenburgischen Schulgesetz. Die Lehniner Grundschule bedeutet schon einen deutlichen zeitlichen Mehraufwand für die Schülerinnen und Schüler aus Krahne und Reckahn. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass der Landkreis den ÖPNV ausdünnen wird und dies bei uns im ländlichen Raum besonders in den Ferienzeiten zu spüren sein wird. Von daher wird die Lehniner Grundschule in den Ferienzeiten deutlich schwerer zu erreichen sein. Das sollten die Eltern bei ihrem Anwahlverhalten nicht vergessen“, betont Sozialamtsleiter Lars Nissen. Und sein Chef, Amtsdirektor Mathias Ryll glaubt, dass die Qualität überzeugen wird:
„Die Grundschule Golzow ist eine verlässliche und attraktive Schule mit einem Angebot für Ganztagsbetreuung. Wir können und werden der Gemeindevertretung nicht empfehlen, die Schulbezirkssatzung zu ändern.“
In Golzow will man die Krahner und Reckahner halte, „Es wäre eine Belastung für Eltern und Kinder, und in diesem Fall kann es nicht nur um das liebe Geld gehen“, beteuert der ehrenamtliche Bürgermeister von Golzow, Ralf Werner. In Golzow wird allerdings befürchtet, dass nach einem möglichen Rückzug der Kinder aus den beiden Ortsteilen die Schule auf der Kippe stehen könnte.
Auch wenn aktuell noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde, beginnen wichtige Entwicklungen bereits jetzt in der Beratungsphase:
„Nur wenn Eltern sichtbar präsent sind, können die Auswirkungen auf Kinder und Familien ausreichend wahrgenommen werden“
Die Eltern wollen am Dienstag da sein.
Die Sitzung der Gemeindevertretung Kloster Lehnin findet am 12. Mai2026 ab 19.00 Uhr im Lehniner Rathaus statt.
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