Seddin. Wohnraum kann ein Argument sein, um eine neue Arbeitsstelle anzunehmen oder eine Ausbildung anzutreten. Deshalb hatte die Lokale Aktionsgruppe Fläming-Havel (LAG) zum 21. Forum für den ländlichen Raum am 16. März 2026 in die Heimvolkshochschule Seddiner See geladen. In der Vergangenheit wurden Themen wie Schulessen, Nahversorgung und erneuerbare Energien thematisiert, diesmal die Frage des knappen Wohnangebots.
„Es ist das Thema unserer Zeit“, sagte zur Eröffnung Landrat Marko Köhler, er ist auch Vorsitzender der LAG.
In Vorträgen und Referaten versuchte man sich des Themas „Wohnen auf dem Land – zwischen Wohnungsmangel und Leerstand, welche Lösungsansätze gibt es?“ anzunehmen.

Claudia Segbert von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Potsdam-Mittelmark stellte eine Umfrage unter Gewerbetreibenden vor, aus der hervorging, dass bei vorhandenem Wohnraum das Gewerbe profitiert und Mitarbeiter leichter zu bekommen sind. Es wurde eine Wohnraubörse gewünscht.

Sophia Wiedergrün vom Büro Regio Kontext stellte eine Untersuchung für das gesamte Land Brandenburg vor, aus der hervorging, dass 28 Prozent der Haushalte von Senioren bewohnt werden, häufig nur als Ein- oder Zweipersonenhaushalte. Hier sah man bei der Veranstaltung Chancen vorhandenen Wohnraum zu aktivieren, durch Umzug oder Untervermietung. Wiedergrün zeigte an einigen Beispielen, dass von Mitarbeitendenwohnungen nicht nur die Arbeitnehmer und -geber durch eine engere Bindung sondern auch Kommunen profitieren können, wie bei der Bäckerei Exner aus Beelitz oder der Werderaner Haveltherme, die entsprechende Angebote vorhalten.

Die Architektin Regina Bolck war praxisorientiert und zeigte anhand einiger Beispiele wie Wohnraum erschlossen werden kann in dem man landwirtschaftliche Nutzgebäude wie Scheunen oder Ställe entsprechend ausbaut. „Man muss nicht neu bauen“, ist die Architektin überzeugt.
Egal ob Neubau oder Ausbau, es kostet und muss finanziert werden. Welche Möglichkeiten und Förderung es gibt zeigte Sabine Pospischil von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB). Die ILB fördert mit Zuschüssen und Zinsgünstigen Darlehen sowohl die Modernisierung als auch Umnutzung und Neubau von Wohnungen.
Das es funktionieren kann, bewies Heike Köpping vom Bad Belziger Ernst-von-Bergmann-Klinikum. Hier wurde das ehemalige Schwesternwohnheim zum Appartementhaus ausgebaut. 23 Appartements, zwölf Doppelappartements sowie drei Wohnungen sind entstanden, alles ist vermietet. „Wir haben inzwischen 60 Auszubildende, mehrere so genannte Anerkenner, also ausländische Pflegekräfte deren Abschluss noch anerkannt werden muss und die bei uns tätig sind, sowie Ärzte in der gleichen Situation, für diese Gruppen stehen die Appartements zur Verfügung“, berichtete sie. Dieses Angebot ist für viele der Kräfte ein Argument, um nach Bad Belzig zu kommen.
Obwohl, wie allgemein festgestellt wurde, in vielen Einfamilienhäusern und Höfen in den Dörfern häufig nur ein bis zwei Personen wohnen, ist die Bereitschaft, jemanden bei sich wohnen zu lassen, eher gering, so die Feststellung unter anderen von Regina Bolck.
Dass es dennoch geht, zeigte Pia Jost von der Stadt Ludwigsfelde. Dort wurde eine Werbeaktion gestartet, um Azubi-Wohnungen zu finden. Unter dem Titel „Luisas neue Heimat“ wurde in der Stadt für die Aufnahme junger Auszubildender geworben, die Lehrstellen bei Industrie und Handwerk in der Stadt erhalten haben. Das Projekt wird von einer Koordinatorin geleitet und einer Sozialarbeiterin begleitet. Schon in den ersten zwei Monaten gab es zehn entsprechende Angebote. „Man muss allen klar machen, dass es ein Gewinn für alle ist. Die alleinlebende Person hat jemanden im Haus, der bei Bedarf helfen kann und die junge Person hat erste Kontakte in der Stadt“, erklärte Jost.
Der Geschäftsführer der LAG, Heiko Bansen, dankte den rund 70 Gästen für die Teilnahme und ermutigte die Anwesenden, unter denen sich auch Investoren und Gewerbetreibende befanden, in Wohnraum in den ländlichen Gebieten zu investieren und dadurch Menschen in der Region zu halten.
(Artikelfoto: Heiko Bansen (links, LAG Fläming-Havel) und Landrat Marko Köhler)
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