Cammer. Der Kontrast könnte kaum deutlicher sein. Die neu angebrachten Flügel leuchten im hellen Holzton der Lärche, die restliche Bockwindmühle Cammer ist dunkel gebeizt. Der Unterschied zwischen neu und alt ist genau auszumachen.
Den Winter über wurden die neuen Flügel angefertigt, die alten sind im Herbst abmontiert worden. Der Anblick der flügellosen Bockwindmühle verstörte die in Richtung Cammer fahrenden Fahrzeugführer.
Nun ist der gewohnte Anblick wieder da. David Wippich und Erik Grenda, Mitarbeiter der Zimmerei Ulrich Blümmer aus Bismark in der Altmark haben am 24. Februar 2026, die ersten Frühlingslüfte waren zu spüren, die Flügel montiert. Allein der Flügelbau dauerte drei Wochen. Das geübte Auge wird jedoch feststellen, dass etwas anders ist. Die Windmühlenflügel sind 80 Zentimeter länger als die Vorgänger. Dadurch dürfte sich die Mühle auch bei leichteren Brisen in Bewegung setzen. „Ich finde, dass es so gut aussieht, mir gefällts“, lobt Charlier, der Vorsitzende des Dorf- und Heimatvereins. Der Verein betreibt die Mühle im Namen der Gemeinde.
Auch Gerhard Rettig und Joachim Richter strahlten mit der Sonne um die Wette. Die beiden haben in den vergangenen Jahren als Hobbymüller die Obhut über das technische Denkmal gehabt und bei Führungen Schulklassen sowie andere Interessierte mit der Mühlentechnik vertraut gemacht.
Cammer hat eine beinahe 500jährige Mühlentradition und wird bis heute als Zweimühlendorf bezeichnet. Denn neben der Bockwindmühle am Ortsausgang Richtung Golzow, gibt es noch die Erdholländer am anderen Dorfende. Die Rosenmümmer-Mühle gibt es seit 1833, und dort wird bis heute gearbeitet.
Die Tischlerei Blümmer ist auf Mühlenbau spezialisiert, egal ob Windflügel oder Wasserräder, ob in Berlin-Britz oder Technikmuseum Berlin, überall, und das in ganz Deutschland, werden die Dienste abgefragt, nun auch in Cammer. Seit etwas über 20 Jahren kümmern sich die beiden Zimmerleute hauptsächlich um Mühlen. In einem historischen Silberbergwerk, „Grube Samson“ in St.Andreasberg im Harz, haben sie unter Tage ein 12 Meter im Durchmesser großes Wasserrad eingebaut.
In Cammer wurden nicht nur die Flügel erneuert, auch die Außentreppe wurde erneuert. Sie ist schon fertig und in Cammer eingelagert und wird demnächst angebracht.
Die Gesamtkosten der Sanierung sollten 64.000 Euro betragen, nun sind es wohl sieben Tausend mehr geworden. Lars Charlier freut sich, dass das Land 32.000 Euro für die Sanierung dazugibt, 5.000 Euro steuert der Landkreis Potsdam-Mittelmark hinzu, die Gemeinde als Besitzer schießt 19.000 Euro zu, und der Dorfverein beteiligt sich mit den restlichen 8.000 Euro an den Arbeiten. Jetzt hofft man, auch die letzten Gelder auftreiben zu können.
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