Besondere Hilfe in der Not – Gedanken zur Palliativstation im Krankenhaus Lehnin

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Lehnin, Brück. Wie wunderbar ist es, wenn in der Familie ein Kind geboren wird. Niemand denkt daran, dass dieses Kind im hohen Alter einmal sterben wird. Die Eltern kümmern sich liebevoll, den Weg ihres Kindes mit Kraft und Bildung zu begleiten, um es dann in das raue Leben zu entlassen. Oft ist es so, dass diese Eltern sich nach ihrer aktiven Arbeitszeit dann um ihre Eltern kümmern müssen. Sie werden immer älter und ihre zunehmenden kleinen Krankheiten können heute wunderbar geheilt oder gut behandelt werden. Die Betreuung der Eltern wird intensiver, und es kommt der Tag, an dem die Ärzte merkwürdige Formulierungen gut ausgesucht und wohl verpackt dem Patienten und den Angehörigen mit auf den Weg gegeben.

Alle wissen aber, dass es nur noch ein kleines Zeitfenster bis zum letzten Atemzug geben wird. Ab diesem Zeitpunkt haben Christen und auch andere Religionen es einfacher, den letzten Weg zu begleiten. Die Menschen, die fest daran glauben, dass es nach dem Tod eine unendliche Zeit in Frieden ohne Krankheit, verknüpft mit dem Segen des Herrn weiterzuleben, erlebt die letzten Tage des irdischen Lebens viel leichter. Die Nachricht aus einem Krankenhaus, der Patient ist leider verstorben, ist für die Angehörigen eine schockierende Nachricht, ähnlich der: Sie haben Krebs, der nicht behandelbar ist. Das Papier zum Krankheitsverlauf  aus dem Krankenhaus ist von Ärzten für Ärzte, nicht für medizinische Laien verfasst und auch nicht mehr wichtig.

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Ja, da kommt der Tag, die Mutter, Großmutter, Urgrossmutter, Tante Wanda Eichhorn hat mit 88 Jahren plötzlich große Schmerzen und wird mit starken Schmerzmitteln behandelt. Sie hat aber weiterhin große Schmerzen und will auch nicht mehr Leiden. Die behandelnde Ärztin entscheidet, sie in die Palliativabteilung in das Evangelische Krankenhaus Lehnin zu verlegen, weil man die Schmerzbehandlung zeitnah gestalten kann. Wir Angehörigen erleben dort eine so warmherzige Betreuung der Patientin, die uns noch nie zu Ohren gekommen und uns auch nie in  anderen Krankenhäusern begegnet ist.

Dann kommt der Tag, an dem der Dienst habende Oberarzt  Reichardt uns die letzte Botschaft übermitteln muss.

Wie fahren dort hin und wollen eine christliche Aussegnung unserer Mutter vollziehen. Für diese Aussegnung stehen vor Ort ausgebildete Kirchenvertreter zur Verfügung. An diesem Tag – ein Feiertag – sind beide örtlich nicht erreichbar. Oberarzt Reichardt bringt uns diese Botschaft und schlägt vor, gemeinsam den letzten Rahmen mit uns zu gestalten. Er holt die Dienst habenden Schwestern, betritt das Sterbezimmer ohne Kittel in seiner normalen Tageskleidung. Im Halbkreis  singen wir ein letztes Lied.  Er erzählt, wie Ärzte und Schwestern die Patientin erlebt haben. In dieser warmen Atmosphäre sprechen wir über das erfüllte Leben und auch schlimm erfahrene Zeiten ihres Lebens.

Als Abschluss beten wir gemeinsam das „Vater unser“, der tief greifende Vorschlag des Lebens direkt von Jesus an uns Menschen..

Dieses warme und ehrlich empfundene Mitgefühl hat uns unfassbar berührt. Wir sagen herzlich Danke und wollen dem Team der Abteilung Anerkennung spenden. Im Gebet bitten wir den Herrn diese Einrichtung zu fördern und zu erhalten.

(Helmut Kautz / Der Text und das Foto sind vom Ehepaar Gottfried und Gerti Schramm aus Borkheide, Mitglieder der Kirchengemeinde Brück)

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