Zu Weihnachten gibt es die “Brücker Stadttoraktie”

Brück Zum diesjährigen Weihnachtsmarkt am dritten Advent in Brück (15. Dezember 2019) startet, wie bereits beim Erntefest angekündigt, offiziell die Ausgabe der „Brücker Stadttoraktie“. Die Brücker Stadttoraktie, eine sogenannte Spendenaktie, kann jeder Spender erhalten, der mit einem Betrag den Bau des Stadttores nach historischem Vorbild des ehemaligen Berliner Tores am Ortsausgang Richtung Beelitz unterstützt. Wir haben mit den Initiatoren Isabel Pesch-Kolarczyk und Matthias Baitz über die Hintergründe der Idee und deren Umsetzung gesprochen.

Matthias Baitz (links) und Isabel Pesch-Kolarczyk (rechts) an der vorgesehenen Stelle des “neuen” Brücker Stadttors. Rechts im Hintergrund ist der letzte z.T. Original-Pfeiler des ehemaligen “Berliner Tores”

Herr Baitz: Wie sind sie und Frau Pesch-Kolarczyk zu dieser besonderen Umsetzungsidee gekommen?

Die Frage könnte ich in mit wenigen Worten beantworten: Die Idee hat sich quasi von selbst ergeben! Ich wurde vor und nach der Kommunalwahl im Mai mehrfach auf das Stadttor angesprochen. Aus dem Tenor der daraus resultierenden Gespräche habe ich mitgenommen, dass etliche Brücker im Stadttor mehr als nur ein Bauwerk mit historischem Hintergrund sehen, an dessen Aufbau sie sich gern finanziell beteiligen möchten. Der Gedanke hat mich fasziniert. Isabel hat ähnliche Erfahrungen und so haben wir gemeinsam überlegt, wie wir diese Anregungen umsetzen können. Das Resultat stellen wir mit der Stadttor-Aktie vor.

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Aber hätten Sie das Projekt nicht auch über den Haushalt der Stadt realisieren können?

Ja klar, aber wann?! In den aktuellen Haushaltsdebatten für den Haushalt 2020 ist erneut deutlich geworden, dass die Ressourcen der Stadt begrenzt sind und wir Prioritäten setzen müssen. Ich will das hier nicht weiter vertiefen, erlaube mir aber die Bemerkung, dass alle Fraktionen/alle Stadtverordneten sehr verantwortungsbewusst den Haushalt mitgestaltet haben. Im Jahr 2020 ist es uns nicht gelungen, den Betrag -wir reden hier immerhin von 45.000-55.000 €- in den Haushalt einzupreisen. Wie es in den Folgejahren aussehen wird, ist auch noch völlig offen. Ich betone aber an der Stelle deutlich: Ganz offensichtlich wollen sich etliche Bürger das Tor nicht einfach „hinstellen“ oder „schenken“ lassen, sondern sich auch finanziell direkt daran beteiligen. Das haben die positiven Reaktionen nach dem Erntefest auch noch einmal deutlich unterstrichen, da haben wir ja das Vorhaben erstmalig öffentlich anklingen lassen.

 

Frau Pesch-Kolarczyk, Sie engagieren sich als Stadtverordnete seit mehreren Jahren auch für den Wiederaufbau des Stadttores. Wie kam es dazu und wie ist der Stand der Planung?

Genau. Ich bin fasziniert von der Historie unserer Stadt. Das hat mich bereits als Schülerin sehr interessiert. In unserem Ort und seinen Orts- und Gemeindeteilen gibt es so viele interessante Sachen zu entdecken, die uns so viele Dinge erzählen können – eine Geschichte, nämlich unsere Geschichte, die doch unserer Stadt auch irgendwie seine Identität verleiht. Dazu gehört eben auch das Stadttor! So ein Stadttor grenzt die Stadt ab bzw. zeigt, wo sie beginnt oder sollte sie sogar möglichst vor Feinden schützen. Bei einem Stadttor denkt man eigentlich eher an größere, erhabenere Bauwerke, wogegen das Brücker Stadttor wohl nur eine eher kleine Version von Stadttoren darstellte und mehr die Abgrenzung zeigen, vielleicht zeitweise auch zur Zollerhebung und Kontrollen dienen sollte.  Dennoch hat es was Ehrfurchtsvolles und verleiht unserem Ort eine gewisse Würde. Zudem gestaltet es unseren Ortseingang und begrüßt unsere Gäste.

An der Stelle des alten Berliner Tores findet man noch einen letzten originalen Pfeiler des ehemaligen Stadttores. In der Vergangenheit regten viele Bürger und Stadtväter immer wieder den Wiederaufbau an, doch scheiterte es stets an verschiedenen Dingen. Das es doch immer wieder versucht wurde dem Tor wieder seine Form zu geben, zeigte mir das Interesse der Bürger an dem Bauwerk. Das noch bestehende Überbleibsel des Tores sowie diese scheinbare Sehnsucht nach unserem Tor, machte die Sache für mich noch spannender, so dass ich Ende 2016 bei den Planungen zum Bau der Straße des Friedens die Gelegenheit ergriff, mir konkrete Gedanken zum Tor zu machen. Unter einigen Stadtverordneten herrschte damals Einigkeit den Bau des Tores mit dem Ausbau der B246 noch einmal in Angriff zu nehmen und kurzzeitig sah es auch ganz danach aus, den Bau nach Abschluss des Straßenausbaus nahtlos mit anschließen zu können. So kam es, dass ich eine Handskizze zu einem möglichen Stadttor entwarf und diese zusammen mit einem fachkundigen Planer zu einem konkreten Plan werden ließ. Dafür habe ich stundenlang alte Fotos angeschaut und die Chroniken von Brück gewälzt. Nicht nur um herauszubekommen, wie das Tor einmal aussah, sondern wie man es wieder gestalten könnte. Denn ein historisch einwandfreier Wiederaufbau an gleicher Stelle war zum einen nicht möglich und hätte zum anderen auch hohe Denkmalschutzauflagen mit immensen Kosten mit sich gebracht. So wurde das Tor als moderne Interpretation nach historischem Vorbild an ähnlicher Stelle geplant. Dabei ließ ich die beiden Backsteintürme unseres Stadtwappens in die äußere Gestalt des Stadttores einfließen und passte die Maße an die heutigen Gegebenheiten an. Deswegen wird das Tor nicht verputzt werden, wie einst das Berliner Tor, sondern in Ziegelmauerwerk errichtet werden.

Leider scheiterte der Bau des Tores im Anschluss des Straßenausbaus wieder an diversen Kleinigkeiten. Abgesehen vom finanziellen sind baurechtliche Genehmigungen erforderlich, die die zuständigen Mitarbeiter der Amtsverwaltung bereits in die Wege geleitet haben. Auch wenn momentan die Aussicht auf grünes Licht positiv scheint, bleiben hier noch einige Antworten abzuwarten. Doch sind wir mittlerweile so enthusiastisch, da jetzt weiterhin am Ball zu bleiben. Wenn wir nun schon mal bis hier gekommen sind…

 

Frau Pesch-Kolarczyk, wie genau sieht nun die Umsetzung der Stadttoraktie aus?

Wir geben Spendenaktien im Wert von 20, 50 und 100 € sowie zusätzliche Sonderaktien heraus. Mit dem „Kauf“ einer solchen Aktie erwirbt der Spender einen ideellen Anteil am Bau des Stadttores, nach dem Motto: „Ich habe meine Aktie daran“. Da es aber grundsätzlich eine Spendenaktie darstellt, steht die freiwillige Zuwendung allein zum Zwecke der Errichtung des Stadttores im Vordergrund, für die man quasi als Dankeschön eine „Brücker Stadttoraktie“ mit einmaliger Seriennummer als einzigartiges Dankeschön erhält. Die Herausgabe haben wir insgesamt auf 55.000 € limitiert. Dieses Spendenziel beruht auf einer Schätzung der Baukosten im Jahr 2017, die von Baukosten in Höhe von ca. 25.000 – 35.000 € ausgeht. Dazu kommen u.a. die seitdem eingetretenen Baukostensteigerungen sowie einige andere Faktoren, die wir berücksichtigen mussten und wollten!

Als Besonderheit gilt es zu erwähnen, dass ausschließlich „Erwerber“ einer einzelnen 100 €-Aktie als Dankeschön die Möglichkeit erhalten, ihren Namen in einem Ziegelstein des Stadttores verewigen zu lassen; jedoch ist die genaue Position des Steins im späteren Mauerwerk nicht wählbar. Alle anderen Spender werden wir auf einer separaten Tafel erwähnen, sofern die datenschutzrechtliche Einwilligung des Spenders vorliegt. Die Tafel wird dann in unmittelbarer Nähe des Stadttores aufgestellt.

 

Was hat es mit den Sonderaktien auf sich, Herr Baitz?

Für diese Variante haben wir uns vorsorglich entschieden. Wir wollen dem Gedanken Rechnung tragen, dass sich vielleicht Handwerker oder Unternehmen mit Sach- oder Dienstleistungen beteiligen möchten. Weiterhin sind auch einzelne Großspenden nicht ausgeschlossen bzw. Bürger, die sich in einem besonderen Maß am Aufbau des Tores verdient machen, in welcher Art oder in welchen Rahmen auch immer. Die Sonderaktien sind als „besonderer Dank“ gedacht und werden mit Beschluss des Brücker Bürgervereins auf Antrag des Vorsitzenden überreicht.

Und ab wann würden Sie das Projekt als Erfolg ansehen?

Eigentlich jetzt schon! Es ist doch erstaunlich, dass etliche Brücker den Wunsch an einer Beteiligung haben. Ich finde, das sagt sehr viel aus, und diesen Wunsch zu erfüllen, ist schon ein Erfolg! Meinen Sie die Frage finanziell, würde ich sagen, bei 1/3 der Baukosten. Dann wäre schon eine tolle Grundlage geschaffen. Ich hätte aber auch wirklich Garnichts dagegen, wenn wir 100 Prozent erreichen.

Wie sehen sie das Frau Pesch-Kolarczyk?

Im Prinzip sehe ich das ähnlich wie Herr Baitz. Wenn endlich alle baurechtlichen Genehmigungen erteilt und sonstigen gesetzlichen Regelungen bzw. Erfordernisse erfüllt sind und dann tatsächlich mittlerweile so viele Spenden eingenommen werden konnten, um mit dem ersten Bauabschnitt bereits beginnen zu können, wäre ein ganz toller Erfolg!

 

Herr Baitz, was würde passieren, wenn mehr Geld als nötig zusammenkommt?

Diese Frage haben wir auch beraten. Sollte es dazu kommen, wird der überschüssige Betrag zum weiteren Aufbau des Mehrgenerationenspielplatzes in der Nähe des Pavillons verwendet. Dies ist ein weiteres, mittlerweile ebenso langjähriges Herzensprojekt des Brücker Bürgervereins zusammen mit einigen Brücker Bürgern. Wir denken, dass das jeder für Gut heißt und das auch für Jeden einen direkten Nutzen hätte.

 

Aus welchem Grund wird die Aktie vom Brücker Bürgerverein e.V. herausgegeben, Frau Pesch-Kolarczyk?

Der Brücker Bürgerverein genießt in der Stadt ein sehr hohes Ansehen und hat schon viele schöne Aktionen in der Stadt realisiert. Zudem ist der Verein als gemeinnützig anerkannt und kann durch die Verankerung der derartigen Denkmalpflege in seiner Satzung Spenden zu diesem Zweck sammeln. Außerdem kam der Grundgedanke, welcher jetzt zu den Stadttor-Spendenaktien geführt hat, ja unmittelbar aus der Bürgerschaft. Da ist es nur folgerichtig, dieses Projekt dem Brücker Bürgerverein e.V. zu überlassen.

 

Herr Baitz, sind noch andere Vereine in das Stadttor-Projekt involviert?

Zum momentanen Zeitpunkt noch nicht bzw nicht direkt. Jutta Felgenträger, eine engagierte Brückerin und Unternehmerin, Mitglied sowohl im Brücker Bürger- als auch Gewerbeverein,  hat uns bei der Vorstellung unseres Herzensprojektes auf der Novembersitzung des Brücker Bürgervereins sofort ihre Unterstützung angeboten und uns zum Brücker Weihnachtsmarkt einen eigenen Stand zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus hat unser Amtsdirektor eine weitere Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein Brück angeregt. Dem Gedanken stehen wir sehr offen und positiv gegenüber, prüfen derzeit jedoch erstmal, inwiefern eine intensivere gemeinsame Verwirklichung des Projekts gestaltet werden kann. Da gibt es derzeit u.a. rechtliche Bedenken, die noch abgeklärt werden müssen. Wenn sich noch weitere Initiativen oder Vereine dem Projekt anschließen möchten, sind uns diese herzlich willkommen! Es geht ja hier um ein Gemeinschaftswerk, um eines unser Wahr- und Wappenzeichen.

 

Können Spendenquittungen ausgestellt werden?

Selbstverständlich! Da gelten die gesetzlichen Vorschriften. Der Brücker Bürgerverein e.V. ist wie bereits genannt anerkannt gemeinnützig und berechtigt entsprechende Quittungen herauszugeben.

Die beiden Initiatoren der “Brücker Stadttoraktie” am letzten Pfeiler des “Berliner Tores”

Vielen Dank für das Interview!

Nicole Pötner und Matthias Schimanowski vom Brücker Bürgerverein e.V.

 

Das ehemalige Stadttor von  Brück:

Zu den Befestigungen der Stadt gehörten zwei Tore, im Osten das Heidetor (später Berliner Tor genannt) und im Westen das Gällische resp. Belziger Tor. Es wird angenommen, dass das Heidetor ein hölzernes, die Straße überquerendes Torhaus war, welches mit Rohr oder Schindeln gedeckt war. Durch das Tor führte die Straße in Gestalt eines Knüppeldamms. Auch der Stadtgraben unterquerte dieses Bauwerk. Die Torflügel wurden mit beginnender Dunkelheit geschlossen. Im Torhaus lag die Wohnung des Torwächters, dazu Wachstuben und Arrestlokale. In der Zeichnung des Landbaumeisters Dillich von 1622 ist am östlichen Ende der Stadt ein etwas größeres Gebäude erkennbar. Es könnte dieses Tor gewesen sein.

In einem Reisejournal von Carl Philipp Moritz aus dem Jahr 1785 wird das Heidetor wie folgt beschrieben: „Beim Eingang von Brück war noch eine Art von Tor, neben den Überbleibseln eines alten Bollwerks, womit diese Stadt vor der Erfindung des Schießpulvers befestigt gewesen sein mag.“ Es wurde 1834 abgerissen und durch zwei schlichte Pfeiler mit kurzen Mauerflügeln ersetzt. Ein Stück weit vor dem Tor befand sich im späten Mittelalter noch eine Burg. Die Flurbezeichnungen „Schlossbusch“ bzw. „Schlossgärten“ verweisen darauf.

(Quellenangabe: Beiträge zur Geschichte der Stadt / Kurt Zoglowek)

Das “Berliner Tor” Quelle: privat
Wappen der Stadt Brück(Mark) mit den beiden roten Türmen. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCck [16.11.2019]

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Das ehemalige Stadttor von  Brück:

Zu den Befestigungen der Stadt gehörten zwei Tore, im Osten das Heidetor (später Berliner Tor genannt) und im Westen das Gällische resp. Belziger Tor. Es wird angenommen, dass das Heidetor ein hölzernes, die Straße überquerendes Torhaus war, welches mit Rohr oder Schindeln gedeckt war. Durch das Tor führte die Straße in Gestalt eines Knüppeldamms. Auch der Stadtgraben unterquerte dieses Bauwerk. Die Torflügel wurden mit beginnender Dunkelheit geschlossen. Im Torhaus lag die Wohnung des Torwächters, dazu Wachstuben und Arrestlokale. In der Zeichnung des Landbaumeisters Dillich von 1622 ist am östlichen Ende der Stadt ein etwas größeres Gebäude erkennbar. Es könnte dieses Tor gewesen sein.

In einem Reisejournal von Carl Philipp Moritz aus dem Jahr 1785 wird das Heidetor wie folgt beschrieben: „Beim Eingang von Brück war noch eine Art von Tor, neben den Überbleibseln eines alten Bollwerks, womit diese Stadt vor der Erfindung des Schießpulvers befestigt gewesen sein mag.“ Es wurde 1834 abgerissen und durch zwei schlichte Pfeiler mit kurzen Mauerflügeln ersetzt. Ein Stück weit vor dem Tor befand sich im späten Mittelalter noch eine Burg. Die Flurbezeichnungen „Schlossbusch“ bzw. „Schlossgärten“ verweisen darauf.

Das “Berliner Tor” Quelle: privat
Wappen der Stadt Brück(Mark) mit den beiden roten Türmen. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCck [16.11.2019]