Waldleuchten im Tempelwald

Tempelwald. Mit einbrechender Dunkelheit beginnt am Sonnabend der Wald zwischen Borkwalde und Fichtenwalde zu leuchten. Entlang des Weges erwachen Solarlampen und LED’s und hüllen den Siebenbrüderweg und den angrenzenden Tempelwald in dezentes Licht. Etwa fünfzig Menschen sind der Einladung von Karl Tempel gefolgt, mit ihm zu feiern und über Waldpolitik zu reden. Tempels Ziel ist es, „den Wald positiv ins Gespräch zu bringen.“ Sein Tempelwald gilt inzwischen als Musterbeispiel für den notwendigen Waldumbau in der Zauche.

Der aktuelle Zustand des Waldes

Anlass für die nächtliche Begegnung ist auch der erfolgreiche Widerstand gegen das Versprühen von Insektiziden in den umliegenden Wäldern. Der angedrohte Kahlfraß hat nicht stattgefunden, freut sich Tempel:

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„Zwar gab es Fraß, aber längst nicht so viel, wie uns angedroht wurde.“

Am meisten überrascht ihn der klare Unterschied zwischen den bereits umgebauten und den noch nicht umgebauten Flächen:

„Wie mit dem Messer abgeschnitten.“

Erwartet hatte Tempel einen allmählichen Übergang zwischen beiden Waldarten.

Warum die Fraßschäden zumindest in der erwarteten Größenordnung ausblieben, erklären sich Tempel und Förster Martin Schmitt gleichermaßen mit den Spätfrösten im Mai, Starkregen und Hitzeperioden im Juni. „Letztlich ist vieles noch unklar“, so Schmitt, „aber offensichtlich gibt es äußere Faktoren, die dem Fraß entgegenwirken.“ Dabei war die Bedrohung durchaus ernst:

„Wir hatten eine todsichere Prognose.“

Entscheidend wird aber das kommende Jahr sein. Die Bäume brauchen endlich wieder mehr Wasser. Außerdem ist Schmitt über die Sekundärschädlinge besorgt, die vermehrt auftreten und die Schwäche der Bäume nach zwei zu trockenen Sommern ausnutzen. Auch die Population der Nonne ist längst nicht tot.

Das Einheitsbuddeln im Blick

Unterstützt wird das kleine Fest im nächtlichen Tempelwald durch zahlreiche andere Menschen. Allen voran die Initiative „Borkwalder Leben“. Sie verkauft u.a. Lose. Mit jedem Los wurde eine Wunschkarte ausgegeben, die am 3. Oktober beim „Einheitsbuddeln” unter den Bäumen vergraben werden, damit alle Wünsche in Erfüllung gehen, wie Initiatorin Angelika Emmrich erklärt. Ziel des Einheitsbuddeln ist es, in jedem Jahr zum 3. Oktober einen neuen Wald in Deutschland zu pflanzen. Wenn jeder Einwohner mitmacht, gibt es jedes Jahr 83 Millionen neue Bäume. Die Idee inspirierte auch Emmrich zu ihrer Aktion:

„Wir freuen uns, dass Herr Tempel uns die Pflanzaktion ermöglicht.“

Im Tempelwald soll auf diese Weise ein Borkwalder Wunschbaumwald entstehen. Auch der neue Borkwalder Bürgermeister steht hinter der Idee und lässt es sich nicht nehmen, am späten Abend noch direkt von einer privaten Feier in den Wald zu kommen:

„Es ist mir eine Ehre, bei der Losziehung mitzumachen.“

Mit dabei ist auch Familie Gubbe aus Borkheide, die Waren aus ihrer Töpferei passend zum Thema Waldleuchten anbietet. Ihr Stand erstrahlt besonders hell, natürlich alles nur mit LED. Auch wenn sie an diesem Abend nicht so viel verkaufen, genießen beide den milden Abend im Wald. Aus Marzahna bei Treuenbrietzen ist Christiane Lorey gekommen und bietet Tiramisu, Aprikosensahne und andere Leckereien an:

„Ich will Herrn Tempel unterstützen.“

Bis spät in die Nacht sitzen die Menschen noch beisammen. Ganz offenbar ist in der Zauche und anderswo ein neues Verhältnis zum Wald entstanden.

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