Brück: Das waren die “Titanen der Rennbahn 2019”

Brück. Feucht genug war es anscheinend in der Titanen-Arena. Zumindest schien Meister Adebar die Wasserlöcher mit Futterstellen zu verwechseln und stolzierte unbeeindruckt über den Platz. Auch sonst gab es zwischendurch immer wieder nasse Duschen. Die Agrargenossenschaft Brück befeuchtete einige Male Bahn und Innenraum. Auch für die Pferde standen Duschen zur Verfügung. Die Wettkämpfe wurden zum größten Teil auf die Hälfte der Zeit reduziert. Die Zuschauer jedoch hielten durch und suchten sich zwischendurch immer wieder ein schattiges Plätzchen. Die Getränkehändler hatten mit Sicherheit Rekordumsätze zu verzeichnen.

Bewertung der Fohlen

Etwas angenehmer hatten es noch die Fohlen am Freitag. Bei kühleren Temperaturen wurden sie einer Jury vorgestellt. Dabei achtete diese auf die Harmonie und Bewegungen, aber auch Körperbau und Gelenke. Die Stuten- und Hengstfohlen wurden alle erst im Frühjahr geboren. Und befinden sich sozusagen noch im Flegelalter. Ganz wie kleine Kinder versuchten sie teilweise, ihren eigenen Kopf durchzusetzen und sprangen ohne Probleme über den kleinen Absperrzaun. Aber schließlich trabten sie doch brav der Mama hinterher, die mitgeführt wurde. Viele der Fohlen kamen aus der Brücker Zucht. Ziel ist es, diese über 100 Jahre alte Rasse zu erhalten und zu verbessern. Hauptgangart der Kaltblüter ist der Schritt, darauf wurde auch bei der Bewertung besonderen Wert gelegt. Viele der angereisten Züchter konnten so Kontakte untereinander knüpfen und Fohle kaufen, verkaufen oder auch tauschen. Vergeben wurden Noten von eins bis zehn.

Die Arbeit hinter der Show

Am Samstag und Sonntag warteten alle Gäste gespannt auf den Einmarsch der Akteure. Begleitet wurde dieser vom Musikverein Brück. Bereits vorher hatten sich die Zweispänner im Hindernisfahren gemessen. Die Tiere sind ihr Image als Acker- und Brauereigaul längst losgeworden. Detlef Seeliger, mitverantwortlich für das Spektakel, erinnerte sich an seine Begrüßungsworte bei der ersten Veranstaltung. „Diese Pferde sind anmutig und schön“ sagte er und wurde damals belächelt. Aber der heutige Beifall zeigte wohl – sie sind es wirklich. „Die Veranstaltung hat die Aktiven zusammengeschweißt, es herrscht eine durchweg positive Stimmung“, so Seeliger. Und betont noch einmal, dass es eine privat durchgeführte Veranstaltung ist. Es gäbe keine Fördergelder oder ähnliches, mal abgesehen von den Sponsoren, die die Veranstaltung unterstützen. Damit am Kaltblutwochenende alles klappt, war es ein hartes Stück Arbeit für die 30 Mitglieder des Kaltblut-Zuchtvereins und ihre Helfer. Über sechs Monate dauerten die konkreten Vorbereitungen, Ideen werden natürlich das ganze Jahr über gesammelt. Um allen Dank zu sagen, gibt es zum Abschluss traditionell eine Dankeschönveranstaltung mit über 1000 Gästen.

Segen durch Pfarrer Kautz

Für ein gutes Gelingen sprach der Brücker Pfarrer Helmut Kautz zu Beginn einen Segen mit den Worten: Liebe dein Pferd, deinen Gegner und den Wettkampf. Auch wenn es so nicht in der Bibel steht. Und auch schon mit einem weinenden Auge, da er Brück in nächster Zukunft verlassen wird.

Schaubilder und Wettkämpfe

Vor dem ersten Schaubild kämpften die Vierspänner der schweren Klasse um gute Zeiten. Die Pferde können ein Lebendgewicht von bis zu 1000 Kilo erreichen. Umso beeindruckender, mit welcher Geschmeidigkeit sie um die Hindernisse navigierten. Die Schaubilder standen wie die gesamte Veranstaltung unter dem Thema Wilder Westen. Da fühlten sich die Zuschauer in die Romane von Karl May versetzt. Michaela Weiss hatte sich zu jedem Schaubild eine Geschichte ausgedacht. Diese wurde von Reitern und Gespannen dargestellt und vom Sprecher erzählt. „Grandios“, hörte man unter den Zuschauern, „so etwas hatte ich nicht erwartet“. Im Kampf um die Lindenbrücke traten Indianer, Cowboys und die Kavallerie gegeneinander an. Das Hauptschaubild stand unter dem Motto „Eroberung und Frieden“. Die Geschichte erzählte von der Vertreibung der Indianer und der Besiedelung des Landes durch weiße Siedler. Dabei wurde von letzteren ein Indianerbaby gefunden und aufgezogen. Dieses gab letztendlich den Grund zum Friedensschluss. Während der „Kämpfe“ zeigten die Reiter beeindruckende Akrobatik auf ihren Pferden. Andere kleinere Schaubilder stellten das Leben im Wilden Westen dar. So konnte man eine damalige Feldschmiede in Betrieb sehen. Der Schmied heizte das Feuer ordentlich an – und erreichte dabei Temperaturen von bis zu 1100 Grad. Beeindruckt hat die Zuschauer das Rennreiten ohne Sattel, die Lastenprüfung, aber auch der 18-Spänner mit Haflingern des Ponysportvereins Wenigenauma.

Was es sonst noch gab

Aber auch neben den eigentlichen Wettkämpfen gab es viel zu sehen und zu erleben. Margerita Bartsch und Festus waren begeistert und des Lobes voll. Die beiden kommen aus Bredow in der Nähe von Nauen und durften als Ehrengäste in der Kutsche dabei sein. Natürlich in traditioneller Kleidung. „Wir sind als Fremde gekommen und gehen als Freunde“, so Margerita Bartsch. Im Westerndorf ging es ebenfalls hoch her. Highlight dort war das Bullriding. Auf der Tanzfläche stand Line Dance im Fokus. Viele Gruppen zeigten ihr Können, wie die Crazy Liner aus Görzke.

Und natürlich gab es auch wieder eine Tombola, deren Hauptpreis ein Fohlen aus der Zucht der Gebrüder Haseloff war.

 

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