Borkheide/Borkwalde: Bürgerinitiative kämpft weiter

Borkheide, Borkwalde. Seit nunmehr 5 ½ Jahren gibt es die Bürgerinitiative „Im Gegenwind“ in Borkheide/Borkwalde. Und man braucht sie dringender denn je. Die Orte gehören zu den vier Waldgemeinden Brandenburgs (Borkheide, Borkwalde, Fichtenwalde und Beelitz-Heilstätten) und grenzen unmittelbar an Wälder wie Kloster Lehnin und den Ortsteil Bliesendorf /Glindow von Werder (Havel) mit der dazugehörenden Waldsiedlung Resau.

Anlass für die Gründung einer Bürgerinitiative war ein Bauantrag der Firma Juwi zur Errichtung eines Windparks mit fünfzehn ca. 200m hohen WKA im Wald „Reesdorfer Heide“, westlich von der Stadt Beelitz/ Beelitz-Heilstätten. Dieser Wald wird unter anderem umgeben von den Waldgemeinden Borkheide, Borkwalde, Fichtenwalde, Beelitz-Heilstätten und der Autobahn A9.

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Im August 2013 kamen über 100 besorgte Borkheider und Borkwalder Bürger im Waldbad Borkheide zusammen, um sich gegen den geplanten Bau von Windkraftanlagen im Wald zu positionieren. In einer zuvor ausgelegten Unterschriftenliste hatten sich weitere ca. 100 Bürger dagegen entschieden.

Am 20.09.2013 wurde die Bürgerinitiative (BI) Borkheide-Borkwalde „Im Gegenwind“ von über 40 Bürgern gegründet. Weitere 20 hatten ihre Mitarbeit in der BI zugesagt. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten auch mehrere Gemeindevertreter sowie die Bürgermeister aus beiden Waldgemeinden. Auch der für die Region zuständige Landtagsabgeordnete der CDU, Ludwig Burkhardt, war anwesend.

Die Tätigkeit der BI ist insbesondere darauf gerichtet, die Genehmigung und den Bau von Windkraftanlagen im Wald auf der Zauche wegen der akuten Waldbrandgefahr besonders im meist trockenen auf sandigem Boden stehenden Kiefernwald und die Gefährdung von mehr als 6000 Menschen und Tieren (wie Fledermäuse, Rotmilan, Wölfe), die massenhafte Vernichtung von Bäumen (ca. 180.000 m²) und die großflächige Versiegelung von Waldboden (ca. 400 m² pro Fundament) zu verhindern!

Vorrangig soll darauf Einfluss genommen werden, dass keine Vernichtung unserer Natur und Umwelt zugelassen wird, da es sich bei dem uns umgebenden Wald um ein ausgedehntes gesundes Waldgebiet handelt, das nicht nur von den Anwohnern, sondern auch durch Potsdamer, Berliner und Erholungsuchende aus dem Raum Halle und Leipzig als Erholungswald stark frequentiert wird.

Nun wurden trotzdem mit einem Abstand von 5 km Windeignungsgebiete ausgewiesen. Eine Baugenehmigung wurde erteilt. Seit 14 Tagen ist nun eine Klage beim Verwaltungsgericht Potsdam gegen das Land eingereicht, auch wenn das dafür nötige Geld erst etwa zu einem Fünftel zusammen ist. Man rechnet mit einem Betrag von etwa 40.000 Euro, wenn die Klage über zwei Instanzen geht. Die Entscheidung musste auf Grund einzuhaltender Fristen schnell getroffen werden. So drängt nun die Zeit und die Bevölkerung wird zu Spenden aufgerufen.

Britta Bayer, Winfried Ludwig, BI Im Gegenwind, Waldkleeblatt
Britta Bayer und Winfried Ludwig

Auch darüber wurde in der Zusammenkunft am vergangenen Mittwoch gesprochen. Die Sprecherin der Bürgerinitiative Borkheide/Borkwalde, Britta Bayer, freute sich über die vielen Gäste. „Ich fühle mich wie in die Anfangszeiten zurückversetzt“, sagte sie. Und verkündet nicht ohne Stolz, dass in den Waldgebieten der Gemeinde noch keine Windräder stehen, obwohl die ersten schon 2014 entstehen sollten. Das ist durchaus als Erfolg zu werten, auch wenn die Einwände gegen die erteilte Baugenehmigung nichts genutzt haben und diese trotzdem erteilt wurde. Der Widerspruch wurde abgelehnt. „Wir haben unser bestes gegeben“, so Britta Muschert. Der Kampf gegen Windräder in bewohnten Waldgebieten hat sie immer angetrieben, nicht aufzugeben. Umso weniger kann sie nachvollziehen, dass die Baugenehmigung trotzdem erteilt wurde. Auch wenn sie es als Kampf David gegen Goliath sieht, man werde nicht aufgeben.

Wurden die Mitglieder der BI zu Beginn noch als Spinner abgetan, haben die Menschen inzwischen die Gefahr erkannt, die von den Windrädern ausgeht, betonte auch Dr. Winfried Ludwig, Vorsitzender und Sprecher der BI Fichtenwalde, den man zu dem Abend dazu gebeten hatte. Inzwischen beteiligen diese sich auch ortsübergreifend. „Die Waldbrände im vergangenen Jahr haben gezeigt, wie groß die Gefahr ist“, so Ludwig, „wir hatten nur Glück, dass das Gebiet durch die Autobahn und den Europaradweg begrenzt war.“ Wäre der Brand zwischen Borkheide und Borkwalde ausgebrochen, wäre es nicht so glimpflich verlaufen.

Theoretisch könnte es nun jederzeit mit dem Bau der Windräder losgehen. Deshalb wurden alle aufgefordert, auf entsprechende Bautätigkeiten zu achten.

Die Klage gegen das Land Brandenburg begründet sich auf verschiedene Faktoren. Zum einen ist es die Waldbrandgefahr, denn brennende Windkraftanlagen sind nicht löschbar! Auch Löschflugzeuge nutzen da wenig, da diese wegen der Windräder nicht tief genug fliegen können, um das Wasser gezielt ablassen zu können. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis hierdurch der erste Groß-Waldbrand entsteht. Die Wälder des Landkreises gehören hinsichtlich der Brandgefährdung zur gleichen Kategorie wie in Griechenland und Spanien – und damit zu den gefährdetsten in Europa! Nach Angaben der Brandenburger Forstbehörde ist „Brandenburg mit seinen ausgedehnten Kiefernwäldern, niedrigen Niederschlagmengen und leichten Sandböden … bundesweit das Land mit der höchsten Waldbrandgefährdung. Ein Drittel aller Waldbrände Deutschlands ereignen sich hier.“  Ein anderer Punkt sind Fragen der gesundheitlichen Gefährdungen, die von Windkraftanlagen ausgehen und die derzeit noch völlig ungeklärt sind. Völlig offen ist die Beurteilung des Gefährdungspotentials durch Infraschall. Nicht zuletzt wird auch die Bergung von Munition aus dem zweiten Weltkrieg einbezogen. Unstrittig ist der Werteverlust der Immobilien. Auch werden  zusammenhängende Waldstrukturen zerstört, der Wald als CO2-Speicher wird reduziert,  die Trinkwasserversorgung wird gefährdet durch Beeinträchtigung des Ökosystems Wald, viele Arten geschützter Tiere (von Fledermäusen bis Rotmilan und Wolf) werden dem Tötungsrisiko an Windkraftanlagen ausgesetzt bzw. verlieren ihre Rückzugsgebiete.

Die Anwesenden hatten viele interessante Hinweise, wie man die Bürgerinitiative weiter in den Mittelpunkt schieben und einen Erfolg der Initiativen fördern kann. So betonte Roswitha Schlesinger, man solle nicht an der falschen Stelle sparen und einen richtigen Fachanwalt beauftragen. Außerdem müsse man noch einmal die Bevölkerung sensibilisieren, die Bürger müssen das Problem wirklich wahrnehmen. Auch könnte man die Versicherungen mit ins Boot holen, so eine weitere Meinung, denn wenn es brennt, wird es für diese sehr teuer.

Vorrang hat im Moment jedoch die Beschaffung der finanziellen Mittel. Auf Grund der guten Resonanz der ersten Radtour gegen die Windkraftanlagen, soll diese nun zeitnah wiederholt werden. Organisatorin Ruth Zeidler hat dazu schon Ideen. Sie möchte am Bahnhof starten, wo gleichzeitig ein Infostand aufgebaut werden soll. Auf der Tour nach Fichtenwalde will man dann Menschen gezielt ansprechen, die zum Beispiel den Baumwipfelpfad besuchen wollen. Von Tür zu Tür will man nicht gehen, aber noch einmal Spendenaufrufe in den Briefkästen verteilen. Roswitha Schlesinger erklärte sich bereit, zu drucken, was nötig ist. Zusätzlich würde sie einen leicht aufzubauenden Infostand nebst Aufstellern zur Verfügung stellen.

„Wir sollten uns nicht auf die Politik verlassen“, so Winfried Ludwig. Auch Britta Bayer betonte noch einmal, dass es nur eine Straße gibt, auf der die Menschen im Katastrophenfall aus den Orten heraus kommen können. „Wir wollen nicht durch Industrieanlagen unser Leben gefährdet wissen“, betont sie.

Spenden, ehe es zu spät ist – heißt es nun. Da der Verein gemeinnützig ist, können Spendenquittungen ausgestellt werden. Bei Spenden bis 200 Euro erkennen die Finanzämter aber auch den Kontoauszug an. Jeder Euro hilft!

Spendenkonto:

Empfänger:                 Waldkleeblatt-Natürlich Zauche e.V.

Bank:                          Mittelbrandenburgische Sparkasse

IBAN:                        DE68 1605 0000 1000 9388 39

BIC:                           WELADED1PMB

Weitere Informationen und Ausführungen gibt es unter: www.waldkleeblatt.de

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